Nerze in Käfigen einer polnischen Pelzfarm
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Pelztierzucht in Europa Grausame Missstände in polnischer Nerzfarm aufgedeckt Von Nadine Carstens

Ein neuer Gesetzesentwurf könnte endlich auch in Polen zu einem Pelzfarmverbot führen – um das voranzutreiben, fand nun in Warschau ein Treffen zwischen Politiker*innen und Mitgliedern der Fur Free Alliance statt, einem Zusammenschluss aus 40 internationalen Organisationen. Der Deutsche Tierschutzbund war mit dabei.

Nerze, die dicht gedrängt in engen Metallgitterkäfigen vor sich hinvegetieren, Mitarbeiter*innen, die Nerze brutal erschlagen, verwesende Tierkörper in offenen Mülltonnen – das Ausmaß an Grausamkeiten der jüngst aufgedeckten Zustände auf einer Pelzfarm in Polen ist schlichtweg unvorstellbar. Veröffentlicht wurden die Filmaufnahmen nun von Otwarte Klatki, einer polnischen Partnerorganisation des Deutschen Tierschutzbundes. Diese hatte einen Undercover-Mitarbeiter auf einer riesigen Nerzfarm im Landkreis Lebus im Westen Polens eingeschleust, der Ende 2023 fünf Wochen lang die dort herrschenden Missstände dokumentierte. Besonders pikant: Die Farm gehört dem niederländischen Familienunternehmen Van Ansem, das zu den größten Pelzproduzenten der Welt zählt. Es ist bereits seit den 1960er Jahren in dieser Branche tätig – und seit 1991 in Polen, wo es nicht nur in Lebus, sondern auch in den Landkreisen Westpommern, Kujawien-Pommern und Großpolen Pelzfarmen betreibt. Weitere Zuchtanlangen von Van Ansem liegen in Rumänien, Lettland und den USA.

Niederländisches Pelz-Unternehmen schon lange in der Kritik

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Van Ansem in die Schlagzeilen gerät. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bereits 2018 filmte die Organisation Eyes on Animals mit Sitz in den Niederlanden die Missstände bei einem mehr als 700 Kilometer langen Transport von Nerzen, die von der niederländischen Stadt Meijel zu drei Pelzfarmen des Unternehmens in Polen gebracht werden sollten. Die Tiere befanden sich in ungesicherten, übereinander gestapelten Käfigen, zugleich fiel der Kot der Nerze durch die Gitter auf die sich darunter befindenden Tiere. Außerdem hatte der Fahrer des Lastwagens keine ordnungsgemäße Schulung zur Versorgung der Tiere erhalten, sodass er ihnen auch nicht genügend Wasser und Futter gab.

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Neuer Gesetzesentwurf für ein Pelzfarmverbot in Polen geplant

In den Niederlanden selbst, die einst als zweitgrößter Nerzproduzent in der EU galt, betreibt Van Ansem keine Pelzfarm – denn dort herrscht seit 2021 ein Pelzfarmverbot. Insgesamt ist die Pelztierzucht mittlerweile in 15 von 27 EU-Staaten untersagt. Polen hingegen ist heutzutage der größte Pelzproduzent Europas. Zwar gab es auch dort bereits mehrere Anläufe für ein Verbot, doch bislang sind diese alle gescheitert. Das soll sich nun ändern: Um einen aktuell geplanten Gesetzesentwurf zu unterstützen und anhand der neu veröffentlichten Missstände Druck auf die Politik auszuüben, trafen sich am 16. Mai internationale Tierschützer*innen der Fur Free Alliance im polnischen Parlament in Warschau. Bei dem Termin war auch der Deutsche Tierschutzbund vertreten, der der Fur Free Alliance angehört und sich seit vielen Jahren gegen die Pelzzucht weltweit starkmacht. Im Gespräch mit den teilnehmenden Politiker*innen aus dem Parlament sowie Vertreter*innen aus dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium betonten die Tierschützer*innen, wie essenziell ein Pelzfarmverbot in Polen ist. Am Ende überreichten sie der Grünen-Abgeordneten Małgorzata Tracz, die den neuen Gesetzesvorschlag im Juni vorlegen will, einen offiziellen Brief an Premierminister Donald Tusk und das polnische Parlament mit der Aufforderung, die Pelztierhaltung endlich abzuschaffen. Ebenso legten die Tierschutzorganisationen dar, wie der Ausstieg aus der Pelztierzucht ähnlich wie in anderen EU-Ländern wie etwa Litauen und die Niederlande auch in Polen gelingen kann.

Nicht nur schadet die Pelzindustrie den Tieren und der Umwelt, sie ist seit Jahren auch wirtschaftlich unrentabel. Es gibt deswegen keinerlei Gründe, daran festzuhalten, Tiere wegen ihres Fells leiden zu lassen. Wir sind optimistisch, dass auch Polen den Schritt zu einem Land ohne Pelztierfarmen gehen wird. Der Wille der Bevölkerung ist klar, das wurde auch im Rahmen der Europäischen Bürgerinitiative für ein pelzfreies Europa deutlich, dass von zahlreichen polnischen Bürger*innen unterstützt wurde.
Portraitfoto von Dr. Henriette Mackensen, stellvertretende Geschäftsführerin Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund
Dr. Henriette Mackensen Stellvertretende Geschäftsführerin Wissenschaft beim Tierschutzbund
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