Ein Gartensrotschwanz sitzt mit einem Insekt im Schnabel auf einem Ast
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Laubhaufen, Wassertränken und Co. Tipps für einen tierfreundlichen Garten Von Nadine Carstens

Der natürliche Lebensraum zahlreicher Tierarten schrumpft angesichts der intensiven Landwirtschaft, Schottergärten und anderer Belastungen. Umso wichtiger ist es, dass wir Menschen umdenken und den Tieren einen Zufluchtsort bieten. Wir zeigen, wie Sie Ihren Garten in ein wahres Paradies für Vögel, Igel, Bienen und Co. verwandeln.

Vögel, die uns schon früh morgens mit ihrem Gesang erfreuen. In einer Ecke suchen Igel in einem Laubhaufen nach Insekten, während Fledermäuse nebenan in einer alten Baumhöhle hausen. Etwas weiter fliegen Hummeln und Schmetterlinge von Blüte zu Blüte und sammeln fleißig Pollen. Um das zu erleben, müssen Tierfreund*innen nicht in einen Park oder ein Naturschutzgebiet gehen. Wer einen Garten besitzt, kann all diese Tiere auch aus nächster Nähe beobachten und ihnen eine naturnahe Oase bieten, wo sie sowohl Nahrung als auch Versteck- und Nistmöglichkeiten finden.

Solche Zufluchtsorte sind für die Tiere überaus wichtig – egal, ob in der Stadt oder auf dem Land. Denn angesichts der intensiven Land- und Fortwirtschaft, versiegelter Flächen und sanierter Gebäude ohne jegliche Nischen schwindet der Lebensraum zahlreicher Tierarten zunehmend. Mit den folgenden Tipps für einen tierfreundlichen Garten können Sie ihnen jedoch helfen. So locken Sie garantiert zahlreiche Vögel, Schmetterlinge, Eidechsen und Eichhörnchen in Ihren Garten und leisten somit einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz.

Heimische Sträucher und Wildblumenstatt exotischer Zierpflanzen

Tiere fühlen sich besonders dort wohl, wo sie reichlich Nahrung finden. Vögel, Eichhörnchen und Insekten lieben daher naturnahe Gärten mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen. Diese bieten ihnen nicht nur Beeren, Nüsse, Samen und Pollen, sondern oftmals auch Versteckmöglichkeiten. Um exotische Ziergewächse und gefüllte Blüten machen viele eher einen großen Bogen. Auch wenn sie ein schöner Hingucker sind, gelten beispielsweise Forsythien, Geranien, Pfingstrosen oder Hortensien bei Bienen als unbeliebt, da sie kaum Nektar und Pollen produzieren oder diese aufgrund ihrer Blütenarchitektur für die Insekten kaum erreichbar sind. Auch Vögel sind wählerisch und mögen zum Beispiel keine Zierkirschen, Palmen oder Rhododendron, weil sie dort wenig Nahrung finden.

Beliebte Sträucher & WildblumenDas steht bei Insekten, Vögeln und Eichhörnchen hoch im Kurs

Obstbäume

z.B. Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Pflaumenbäume.

Sträucher, die Beeren tragen

z.B. Eberesche, Gemeine Felsenbirne, Kornelkirsche, Pfaffenhütchen, Sanddorn, Schlehe, Schwarzer Holunder, Stechpalme, Wildrose und Weißdorn.

Insektenfreundliche Blumen

insekten- & somit vogelfreundliche Blumen z.B. Lavendel, Vanilleblumen, Echte Kamille, Wandelröschen, Sonnenhut, Heidekraut, Küchensalbei, Moschusmalve, Wilde Möhre, Sommerflieder, Rittersporn oder Männertreu.

Stauden

wie Blut-Storchschnabel, Disteln, Echtes Mädesüß, Edel-Garmander, Flockenblume Königskerze, Steinklee und Wegwarte.

Haselnusssträucher, Walnuss- und Kastanienbäume, Buchen, Sonnenblumen und die Hagebutten von Wildrosensträuchern

Mut zum Wildwuchs und zur Unordnung

Perfektionist*innen müssen stark sein: Denn Tiere ziehen Unordnung jedem picobello aufgeräumten Garten mit kurzgeraspeltem Rasen vor. „Damit die Tiere sich wohl fühlen, richten Hobbygärtner*innen in ihrem Garten am besten wilde Ecken ein. Sie können also Laub liegen lassen, Holzstapel oder Reisighaufen anlegen und müssen nicht gleich jedes Unkraut entfernen“, empfiehlt Katrin Pichl, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Dies lockt Insekten und somit wiederum Vögel, Igel, Fledermäuse und Eidechsen an, die sich von diesen ernähren. Zugleich finden verschiedene Tierarten dort auch Versteck-, Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten. Auch Hecken sowie Kletterpflanzen wie Efeu, Wilder Wein und Hopfen bieten Vögeln und Insekten einen willkommenen Unterschlupf und geeignete Brutplätze.

Wer trotzdem nicht zu viel Wildwuchs im eigenen Garten haben und die Hecken und Kletterpflanzen im Frühjahr beschneiden möchte, sollte auf Vogelnester, Jungvögel und andere Tiere achten. Zur Not muss die Arbeit dann verschoben werden, bis die Tiere ausgezogen sind. Ohnehin ist es laut Bundesnaturschutzgesetz zwischen dem 1. März und 30. September verboten, Hecken und Sträucher stark zu beschneiden. Erlaubt sind lediglich kleinere „Schönheitskorrekturen“, um die Pflanzen wieder in Form zu bringen. Eidechsen und Blindschleichen freuen sich unterdessen über Steinhaufen, in die sie sich zurückziehen können. Um zudem Schmetterlingen, Hummeln und Co. ein üppiges Buffet zu servieren, können Sie den englischen Rasen mit millimeterkurzen Grashalmen durch bunte Wildblumenwiesen und duftende Kräuterbeete ersetzen.

Vögel am Himmel

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Insektenhotels: sinnvoll oder nicht?

Viele Menschen sind angesichts des dramatischen Insektenrückgangs besorgt und möchten Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer unterstützen. Oft kaufen sie dann beispielsweise in einem Baumarkt ein Insektenhoteloder eine Nisthilfe – dort gibt es mittlerweile ein großes Angebot an unterschiedlichen Modellen. Doch wer den kleinen Bestäubern und Co. wirklich helfen möchte, sollte genau hinschauen. Tatsächlich ist eine Vielzahl dieser Angebote beziehungsweise verarbeiteten Materialien ungeeignet. Dazu gehören zum Beispiel Tannenzapfen, Stroh, Lochziegel oder unsauber geschnittenes Schilf, an dem sich die Fluginsekten verletzen können. Generell werden nur bestimmte Wildbienenarten von Insektenhilfen angelockt und von vielen anderen Insekten nicht weiter beachtet. Für Erstere können Nisthilfen jedoch sinnvoll sein, sofern sie auch passend gebaut sind und geeignete Materialien enthalten. „Jede*r kann eine Insektenhilfe auch mit wenigen Mitteln selber bauen“, sagt Pichl. Wichtig sei dann aber unter anderem, Materialien wie diese zu verwenden:

  • hohle Pflanzenstängel, zum Beispiel aus Schilf oder Bambus
  • Pflanzenstängel, die innen mit weichem Markt gefüllt sind, zum Beispiel von Brombeer- und Himbeersträuchern, Disteln oder Heckenrosen
  • gebrannten Ton
  • Hartholz, in das saubere Löcher gebohrt werden, sodass sich die Insekten nicht am Rand verletzen können
Die größte Hilfe für Insekten leisten Sie mit einem gut strukturierten Garten mit heimischen Hecken, Totholz und Laubhaufen – das ist deutlich nützlicher als jedes Insektenhotel.
Portrait von Katrin Pichl vor dem Logo des Deutschen Tierschutzbundes
Katrin Pichl Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund

„Eine weitere Möglichkeit sind Staudenpflanzen, die man einfach verblühen und an Ort und Stelle lässt. Die Vögel fressen dann die Samen, und der Rest dient alt Insektenunterschlupf", betont Pichl.

Wassertränken für Vögel, Igel & Co.

Besonders im Sommer machen Hitze und Trockenheit der Tierwelt zu schaffen. Damit sie nicht Gefahr laufen, zu dehydrieren, kann jede*r von uns ihnen helfen, ihren Durst zu stillen und ihnen Abkühlung bieten. Wassertränken sind eine willkommene Anlaufstelle sowohl für Vögel als auch für Igel, Eichhörnchen und sogar Insekten. „Am besten ist es, gleich mehrere Wasserstellen an ruhigen, bodennahen, aber auch erhöhten Standorten anzubieten, an denen die Tiere sich sicher fühlen und beispielsweise Katzen sie nicht erreichen können“, empfiehlt Pichl. Ebenso sollten die Wassertränken nicht in der Nähe von Fenstern platziert werden, damit die Vögel nicht gegen die Scheiben fliegen, so die Expertin. „Außerdem ist es wichtig, die Wassertränken regelmäßig zu reinigen und das Wasser täglich frisch auszutauschen, damit sich keine Bakterien und Krankheitserreger darin vermehren.“ Aus diesem Grund sollten die Wasserbäder auch nicht in der prallen Sonne stehen.

Geeignet sind zum Beispiel flache Schalen aus Naturstein, unglasierter Keramik, Beton, Holz oder Ton. Von Glas-, Plastik- oder Metallschalen rät Pichl hingegen ab, da die Oberflächen zu glatt und rutschig sind und sich oftmals stark erhitzen. „Ist die Wassertränke etwas tiefer, legt man am besten ein paar Steine hinein, auf denen die Vögel stehen können“, ergänzt Pichl. Für die Insekten können Gartenbesitzer*innen zudem noch flachere Wasserschalen verwenden und diese mit Moos, Steinchen oder Zweigen auslegen.

Gartenteich als Trinkquelle und Lebensraum

Als Alternative können Gartenbesitzer*innen auch einen Teich anlegen. Dieser dient tierischen Gästen nicht nur als Trinkquelle, sondern bietet auch Fröschen, Kröten und Molchen einen Lebensraum. „Damit die kleine Oase nicht zur Ertrinkungsfalle wird, sollten Sie Teiche mit einem flachen Ufer anlegen, sodass die Tiere beim Versuch zu trinken nicht hineinrutschen“, schildert Pichl. „Indem Sie zusätzlich eine Rampe anbringen, schützen Sie Ihre Haustiere und andere Kleintiere wie etwa Igel. Dafür eignet sich zum Beispiel ein Holzbrett, das Sie mit Querleisten versehen können. So verringern Sie die Rutschgefahr und bieten den Tieren mehr Sicherheit.“

Keine Insektizide oder andere Gifte

Auf Pestizide, Insektizide und andere Gifte sollten Sie am besten komplett verzichten. Denn diese gefährden sowohl Insekten als auch Vögel und Säugetiere. Falls Sie bestimmte Tiere wie Blattläuse, Nacktschnecken oder Maulwürfe aus Ihrem Garten fernhalten wollen, ist es wichtig, keine tierschutzwidrigen Mittel einzusetzen. Auch wenn sie bei vielen Gartenbesitzer*innen weniger erwünscht sind als Spatzen, Igel und Co., nehmen sogenannte Schädlinge ebenfalls eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem ein. Schonender und trotzdem effektiv sind hingegen folgende Methoden:

Blattläuse können Sie mithilfe von Lavendel, Knoblauch oder Zwiebeln zwischen den Kulturpflanzen vertreiben. Abhilfe schaffen Sie auch, indem Sie natürliche Feinde wie Vögel, Marienkäfer und Florfliegen mit vielen heimischen Pflanzen anlocken.

Nacktschnecken lassen sich beispielsweise mit Schneckenzäunen und Wällen aus trockenem Sägemehl abhalten.

Maulwürfe sind nach der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Anstatt sie zu vertreiben, sollten wir uns über ihren Beitrag zu einem lebendigen Garten freuen. Wer sich trotzdem Sorgen um seinen Rasen macht, kann einen Sud aus Lebensbaum, Holunder oder Knoblauch in geringen Mengen in die Gänge träufeln, damit die Maulwürfe sich woanders ansiedeln statt im Garten.

Vorsicht bei Mährobotern

Auf den ersten Blick sind Mähroboter sehr praktisch und ersparen uns Menschen Arbeit. Doch für Tiere wie Igel, Mäuse, Frösche oder auch Eidechsen bedeuten sie eine große Gefahr. Immer wieder kommt es vor, dass sie durch die scharfen Messer schwer verletzt werden. Igel zum Beispiel sind keine Fluchttiere und kugeln sich bei Gefahr an Ort und Stelle ein. Und weil Mähroboter sie nicht als Hindernis erkennen, werden sie einfach überrollt. Wer trotzdem nicht auf einen Mähroboter verzichten will, sollte ihn zumindest nur tagsüber und unter Aufsicht laufen lassen, da die meisten Tiere in der Dämmerung aus ihren Verstecken kommen. Kontrollieren Sie außerdem vor Gebrauch sowohl die Grasfläche als auch Hecken und Büsche. Im Zweifel sollten Sie auf derartige Gartengeräte aber besser ganz verzichten.

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