Abkehr von Improvac wäre fataler Rückschritt im Tierschutz

Ferkel im Stroh.

Im Streit um die Impfung gegen Ebergeruch mit Improvac in Biobetrieben fordert der Deutsche Tierschutzbund die Bundesländer auf, dieser tierfreundlichen Alternative nicht den Weg zu versperren. Nachdem die Ländergemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) die sogenannte Immunokastration für den Ökolandbau nicht mehr zulassen will, haben sich laut Medienberichten nun auch alle Bundesländer – mit Ausnahme von Niedersachsen – gegen diese Methode positioniert.

„Es gibt keinerlei nachvollziehbare Begründung für ein Verbot der Impfung mit Improvac für den Bio-Bereich. Es darf keine Option sein, sich von dieser tierfreundlichen und absolut unbedenklichen Methode abzukehren und der blutigen Kastration weiter Priorität einzuräumen. Das wäre ein fataler Rückschritt für den Tierschutz“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er fordert: „Die Länder müssen umgehend ihre plötzliche Kehrtwende korrigieren, dem Beispiel von Niedersachen folgen und Improvac auch für die ökologische Landwirtschaft erhalten. Immerhin nimmt diese für sich in Anspruch, einem besonders hohen Tierschutzstandard gerecht zu werden.“ In einem Anschreiben hatte der Verband bereits an die Agrarminister der Länder appelliert, das Thema auf die Tagesordnung der Sonder-Agrarminsterkonferenz am 27. August zu setzen.

Kritik übt der Deutsche Tierschutzbund insbesondere an Bayern, wo männliche Ferkel aus biologischer Erzeugung schon ab dem 1. September 2020 wieder chirurgisch kastriert werden sollen. Eine Impfung mit Improvac als Alternative ist dann für diese Tiere nicht mehr zulässig. „Im Zuge des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration hat Bayern schon lange die Etablierung von kastrationsfreien Alternativen sabotiert und vehement auf die chirurgische Kastration beharrt. Mit dem Verbot von Improvac nimmt man Bio-Landwirten, die auf eine Amputation verzichten wollen, eine wichtige Alternative und missachtet damit jeglichen Tierschutzgedanken“, kritisiert Schröder.

Hintergrund:

Männliche Ferkel werden in Deutschland und in vielen anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union noch immer kastriert. Der Grund: Das Risiko der Entwicklung von Ebergeruch, den viele Verbraucher als abstoßend empfinden, soll verringert werden. Aus tierschutzfachlicher Sicht ist die Impfung gegen Ebergeruch als minimal-invasive Methode, die auf das Amputieren der Hoden verzichtet, eine sehr gute Alternative neben der Ebermast. Bei der Methode handelt es sich um keine Hormonbehandlung, sondern um eine normale, handelsübliche Impfung. Diese unterdrückt die Ausbildung der männlichen Hormone bei den heranwachsenden Schweinen. Die Impfung hinterlässt – wie andere Impfungen auch - keine Rückstände im Produkt und ist so für den Verbraucher völlig unbedenklich.