Tierschutzbund fordert Absage für Krone Löwentraining auf der Theresienwiese

Anlässlich der morgigen Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Wirtschaft hat sich der Deutsche Tierschutzbund an Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und die Mitglieder des Ausschusses gewandt. Der Verband bittet, dem Vorhaben „Krone Löwentraining“ eine Absage zu erteilen. Gemäß TOP 10 der öffentlichen Tagesordnung wird der Ausschuss über die „Kreative Nutzung der Theresienwiese“ entscheiden. Der Beschlussentwurf der Vorlagen-Nr. 20-26 / V 00635 sieht dabei auch die Genehmigung von kommentierten Raubtierproben durch den Zirkus Krone vor. Dem Publikum solle dabei auch die Haltung der Tiere nähergebracht werden.

„Immer mehr moderne Zirkusbetriebe, darunter der auch in München beliebte Circus Roncalli, kommen ohne Wildtiervorführungen aus und bringen Kinderaugen dennoch zum Leuchten. Zudem vermittelt die eingeschränkte Haltung unter Zirkusbedingungen sowie das Vorführen von Tricks gerade Kinder und Jugendlichen nicht ansatzweise etwas über die tatsächlichen Bedürfnisse und Bedrohungen von Wildtieren“, so Dr. Esther Müller, Leiterin der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg. „Es ist an der Zeit, dass sich die Stadt München von „ihrem Zirkus“ emanzipiert und damit ein Stück dazu beiträgt, dass auch der Zirkus Krone mit der Zeit geht und sich zukunftsfähig zeigt. Denn dafür braucht es keine Löwen oder Tiger, die „Kunststücke“ zeigen oder Küsschen geben.“

Zahlreiche Wissenschaftler, Freilandforscher, aber auch eine ganze Reihe von Zoovertretern, ebenso wie sämtliche Tierschutz- und Artenschutzorganisationen sprechen sich seit Langem für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus aus. Immer mehr deutsche Kommunen, darunter Stuttgart, Karlsruhe oder Fürstenfeldbruck untersagen Gastspiele von Zirkussen mit Wildtieren auf öffentlichen Flächen in ihrem Einzugsgebiet, einige nehmen dafür sogar gerichtliche Auseinandersetzungen in Kauf. Die Zustimmung innerhalb der Kommunen zeigt dabei oft eine vielfältige politische Bandbreite. Auch in München besteht – mit Ausnahme der Theresienwiese – eine solche Einschränkung.

Die Bundestierärztekammer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz sehen die Haltung vieler Wildtierarten extrem kritisch oder lehnen sie aufgrund systemimmanenter Probleme vollständig ab. Die europäische Tierärztevereinigung fordert seit Jahren gar ein generelles Verbot aller Wildtiere im Zirkus. Die Mehrheit der Bundesländer hat sich bereits dreimal im Bundesrat für ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen ausgesprochen. Auch die Mehrheit der Agrarminister hat kürzlich im Rahmen der Agrarministerkonferenz (AMK) ebenfalls für ein Verbot plädiert. Im Vergleich mit den anderen EU-Staaten ist Deutschland hier eines der traurigen Schlusslichter. Die absolute Mehrheit der EU-Länder verbietet die Wildtierhaltung im Zirkus ganz oder teilweise.