Manipulationen an Tieren

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Das Leben der meisten Tiere in der heutigen intensiven Landwirtschaft ist von der Haltung in einer natürlichen Umgebung weit entfernt. Die Agrarindustrie und viele Landwirte interessiert in erster Linie die Gewinnmaximierung: Tiere sollen auf möglichst kostengünstige Weise viel Milch, Eier und Fleisch produzieren.

Die einseitige Züchtung auf Hochleistung, tierwidrige Haltungs-Bedingungen und Langeweile führen zu Krankheiten und Verhaltensstörungen.

Anstatt die Haltungsbedingungen zu verbessern und den natürlichen Bedürfnissen der Tiere nach Platz, Bewegung und Beschäftigung nachzukommen, werden die Tiere schmerzhaft zurechtgestutzt. Unten finden Sie einige Beispiele für Verstümmelungen, mit denen Tiere den Haltungssystemen und Produktionszielen gewaltsam angepasst werden sollen.

Enthornung

Zwei Rinder auf der Weide mit Hörnern.

Um Verletzungen von Mensch und Tier vorzubeugen, werden meistens Rinder ohne Hörner gehalten. Das ist sowohl bei Mastrindern der Fall als auch bei Milchkühen. Weit verbreitet ist es, bei den einigen Wochen alten Kälbern, die Hornanlagen mit einem Brennstab zu zerstören. Dieses Verfahren ist für die Kälber sehr schmerzhaft, denn das Horn und die darunter liegenden Hautschichten sind gut durchblutet und mit Nerven durchzogen. Oft gibt man den Kälbern zuvor ein Beruhigungsmittel. Das reicht jedoch nicht aus, um die Schmerzen zu verhindern oder zu lindern. Lediglich eine lokale Betäubung, die der Tierarzt durchführen muss, die Gabe eines Schmerzmittels und ein Beruhigungsmittel führen zu einer angemessenen Schmerzlinderung. Gesetzlich vorgeschrieben ist das aber nicht. Im Ökobereich und bei Tieren, die nach den Richtlinien des Labels „Für mehr Tierschutz“ gehalten werden, ist das Ausbrennen der Hornanlagen nur in Ausnahmefällen gestattet und nur mit lokaler Betäubung durch den Tierarzt, Sedation und Schmerzmittelgabe.

In den letzten Jahren hat sich auch der Einsatz genetisch hornloser Bullen immer mehr durchgesetzt. Ihre Nachkommen bekommen keine Hörner, so dass keine Hornanlagen zerstört werden müssen. Auf diese Weise wird zwar eine schmerzhafte Enthornung überflüssig, die Hörner sind jedoch ein wichtiges Kommunikationsmittel für Rinder. Die schmerzhafte Verstümmelung der Tiere sollte deshalb unterbleiben und es sollten Rinder mit Hörnern gehalten werden.

Damit weder Tier noch Mensch verletzt werden, ist es wichtig, dass die Tiere friedfertig sind und auch mehr Platz im Stall erhalten. Rinder fügen sich nämlich meist dann gegenseitig Verletzungen durch Hornstöße zu, wenn sie in zu dicht besetzten Laufställen gehalten werden und sich nicht gegenseitig ausweichen können. Eine sich ständig ändernde Zusammensetzung der Herde ist ebenfalls nachteilig, weil die Rangfolge innerhalb der Gruppe immer wieder neu festgelegt werden muss. Das Verletzungsrisiko für die Menschen ist geringer, wenn sich Menschen und Rinder kennen und die Rinder Vertrauen zu den Menschen haben, die sie betreuen.

Da eine Haltung mit behornten Rindern höhere Ansprüche an den Tierhalter und das Management stellt und durch das höhere Platzangebot auch teurer ist, muss dies durch einen höheren Milchpreis honoriert werden.

Schnabelkürzen

Mastpute mit gekürztem Schnabel. © A. Farkas/afi
Mastpute mit gekürztem Schnabel. © A. Farkas/afi

Puten wird der Schnabel gekürzt, um die Folgen von Federpicken und Kannibalismus zu verringern. Dieses gegenseitige Bepicken der Tiere untereinander verursacht Verletzungen, die bis zum Tod führen können. Bis vor kurzem wurde auch Legehennen noch der Schnabel kupiert. Aufgrund einer freiwilligen Vereinbarung der Geflügelwirtschaft mit dem BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) ist dies zumindest für die Legehennen-Haltung in Deutschland seit 2016 nicht mehr zulässig.

Puten kürzt man in der Regel den Ober-Schnabel am ersten Lebenstag, meistens mittels Infrarot-Methode. Dabei wird in die Gewebestruktur des Schnabels eingegriffen. Nach 10 – 14 Tagen fällt der behandelte Teil des Schnabels (ca. 4 mm) ab. Den aus Frankreich importierten Moschusenten kürzt man die Schnäbel dort ebenfalls mittels Infrarot-Methode. Das Kürzen der Schnäbel zerstört Knochen und Gewebe des Schnabels und verursacht starke akute, teils chronische Schmerzen. Der Schnabel als empfindliches Tastorgan kann seine Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen. Die Tiere können zum Teil nicht mehr artgemäß fressen und ihr Gefieder pflegen. 

Doch die Ursache von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus sind in erster Linie tierwidrige Haltungssysteme mit zu hohen Besatzdichten und wenig bis keinem Beschäftigungsmaterial. Die Tiere sind gestresst, leben in drangvoller Enge in Langeweile und richten infolgedessen ihr natürliches Pickverhalten gegen Artgenossen.

Das Schnabelkürzen soll eigentlich nur als letztes Mittel und zeitlich begrenzt eingesetzt werden, tatsächlich wird es - wenn der Landwirt die rechtlichen Mindeststandards an die Haltung einhält - routinemäßig erlaubt. In einer tiergerechten Haltung mit Platz, Rückzugsmöglichkeiten, Beschäftigung und Auslauf, die die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere berücksichtigt, kann auf das Schnabelkürzen auch bei Puten verzichtet

Schwanz-Kupieren bei Schweinen

Schweine mit Ringelschwänzen.

Fast allen Ferkeln, die in konventionellen Betrieben gehalten werden, kupiert man routinemäßig die Schwänze. Diese Amputation soll verhindern, dass die Schweine sich gegenseitig die Schwänze anfressen. Solch eine Verhaltensstörung entsteht jedoch erst durch die Bedingungen in der industriellen Schweinehaltung. Die intelligenten Tiere leben dort auf engstem Raum in einem reizarmen Stall auf Voll- oder Teilspaltenböden und haben keine geeignete Beschäftigung. Damit die Tiere sich nicht aus Langeweile oder Stress die Schwänze bebeißen, wird ihnen während der ersten Lebenstage prophylaktisch der Schwanz kupiert.

Das Kupieren der Schwänze ist aus Tierschutzsicht abzulehnen - ein Haltungssystem muss sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren, nicht umgekehrt. Der Verzicht auf das Schwanzkupieren muss mit einer Verbesserung der Haltungsbedingungen einhergehen. Hierzu ist u.a. ein höheres Platzangebot, Außenklimakontakt, verschiedene Funktionsbereiche (Liege-, Aktivitäts- und Kotbereich), eine planbefestigte und eingestreute Liegefläche, geeignetes Beschäftigungsmaterial, z.B. Stroh und die Abschaffung von Vollspaltenböden erforderlich.

Das routinemäßige Schwanzkupieren ist durch eine EU-Richtlinie seit 1994 verboten, doch bisher ist dieser Eingriff durch Ausnahmegenehmigungen unter anderem in Deutschland trotzdem gängige Praxis. Das zeigt auch ein Auditbericht der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission vom Herbst 2018, wonach bei 95 Prozent der Schweine in Deutschland der Ringelschwanz kupiert wird. Damit verstößt Deutschland gegen geltendes EU-Recht. 

Forderung: Neues Tierschutzgesetz

Tiere dürfen nicht manipuliert werden, um Defizite in der Haltung auszugleichen oder bestimmte Produktionsziele zu erreichen. Die Ausnahmen im Tierschutzgesetz, die diese Manipulationen zulassen, müssen gestrichen werden. Wir brauchen tiergerechte Haltungssysteme, die sich an dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Wir fordern ein neues Tierschutzgesetz!