Exoten

Weißbüscheläffchen
Weißbüscheläffchen

Über das Internet, Tierbörsen oder auch den Zoofachhandel sind zahlreiche exotische Tiere zu erwerben - vom Weißbüscheläffchen bis zum Sugar Glider, vom Rosenkopfpapagei bis zum Ara von der Bartagame bis zur Anakonda und viele mehr.

Bitte kaufen Sie keine Exoten! Denn:

  • Für viele Wildtiere gibt es nur wenige ethologische Erkenntnisse über das Verhalten in natürlicher Umgebung und darüber, welche Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung in Gefangenschaft erfüllt sein müssen. Ohne diese Kenntnisse können die Tiere nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden.
  • Oft werden die Ansprüche der Tiere, ihre spätere Größe (z. B. bei Schildkröten oder Schlangen) oder ihre hohe Lebenserwartung (z. B. bei Papageien und Landschildkröten) unterschätzt. So wird eine niedlich kleine junge Wasserschildkröte oft suppentellergroß, ein Grüner Leguan bis zu zwei Meter lang.
  • Bewegungsraum und Aktionsradius der Tiere sind in Gefangenschaft sehr eingeschränkt und die Unterbringung meist reizarm. Papageien zum Beispiel sind hochsoziale Vögel mit einer hohen Lebenserwartung. Im Privathaushalt können die Tiere weder ihr Schwarmverhalten oder ihr Flugbedürfnis ausleben, noch können ihre Anforderungen an Luftfeuchtigkeit und Temperatur erfüllt werden.
  • Die Klimagestaltung der Gehege von Wildtieren ist sehr schwierig und – wenn überhaupt – nur mit hohem technischen und finanziellen Aufwand zu realisieren.
  • Auch die Fütterung ist problematisch. Schlangen beispielsweise sind Fleischfresser und brauchen komplette Futtertiere (Mäuse, Ratten, Kleinnager) als Nahrung. Sowohl die Lebendfütterung, als auch die Fütterung mit frisch toten Futtertieren oder Frostfutter birgt erhebliche Tierschutzprobleme.
  • Die private Haltung von Wildtieren fördert zudem bei vielen Arten (z. B. bei Zierfischen, Reptilien und Amphibien) den Artenschwund in der Natur. Hohe Verlustraten bei Fang, Aufbewahrung und Transport führen dazu, dass viel mehr Tiere gefangen werden, als es die Einfuhrzahlen vermitteln. Zudem leiden die Tiere oft unter Parasitenbefall, Krankheiten, Abmagerung und Austrocknung. 

Tierheim-Umfrage

Griechische Landschildkröte
Griechische Landschildkröte

Eine Umfrage unter den uns angeschlossenen Tierschutzvereinen zeigte 2013, dass dreiviertel der Vereine hochgerechnet zwischen 2009 und 2013 rund 30.000 Reptilien aufnehmen mussten. Die Hälfte dieser Tiere waren verschiedene Wasserschildkrötenarten, gefolgt von Landschildkröten, Bartagamen und Nattern. Es landeten aber auch gefährliche Arten wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen, Warane oder ein Brillenkaiman in den Händen des Tierschutzes. Fast die Hälfte aller betroffenen Tierschutzvereine berichtete, dass sie die Reptilien nicht angemessen unterbringen konnten. Probleme bei der Unterbringung hatten die Vereine vor allem bei Wasserschildkröten, aber auch Bartagamen, Landschildkröten, bestimmten Schlangenarten und Leguanen.

Weniger als die Hälfte der Reptilien konnten die Vereine wieder erfolgreich an Privathaushalte vermitteln. Besonders schwierig ist die Vermittlung bei den Arten, bei denen eine Marktsättigung besteht - wie bei den häufigsten Wasserschildkrötenarten, Bartagamen und Kornnattern. Auch bei Tierarten, die sehr groß werden, ist eine Vermittlung schwierig - beispielsweise bei Grünen Leguanen. Leichter zu vermitteln sind sehr seltene Tierarten und klein bleibende Arten.

Die genauen Zahlen und Ergebnisse aus der Umfrage finden Sie hier

Position zur Exoten-Haltung in Privathand

Wir setzen uns dafür ein, dass nur solche Tiere von Privatleuten gehalten werden dürfen, gegen deren Haltung keine Bedenken aus Tier-, Natur- und Artenschutzsicht sowie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit bestehen.

Warum eine Positivliste?

In vielen Europäischen Staaten gibt es Negativlisten, die das Halten bestimmter Tierarten aus Tier- bzw. Artenschutzgründen oder zur Gefahrenabwehr untersagen. Auch innerhalb Deutschlands verbieten aktuell neun Bundesländer, die Haltung bestimmter Tierarten aus eben genannten Gründen. Eine Negativliste mit allen Tierarten, die dem Menschen gefährlich werden können (Säugetiere, Fische, Insekten, Spinnentiere, Reptilien etc.), aber auch mit Tieren, die aus Tier- oder Artenschutzgründen (u. a. invasive Arten) nicht im Privathaushalt gehalten werden sollten, wäre viel zu lang. Sie müsste auch regelmäßig überarbeitet werden, da ständig neue Arten für den Heimtierhandel entdeckt werden.

Eine Positivliste nur mit den Tierarten, die auch tatsächlich gehalten werden dürfen, wäre viel kürzer und übersichtlicher. Bis dato noch nicht gehandelte Tierarten dürften auch nicht einfach auf den deutschen Markt kommen, bis die Aufnahme der Tierart auf die Positivliste genehmigt worden wäre. Die Behörden könnten schneller und effizienter einschreiten, da sie sich Fachkenntnisse über die kürze Liste der erlaubten Tierarten leichter aneignen und die Vorschriften einfacher nachvollziehen könnten.

Aus Tier- und Artenschutzsicht wäre eine Positivliste von Tieren, die gehalten und gehandelt werden dürfen, in jeder Hinsicht zu begrüßen. Unsere europäischen Nachbarländer Belgien und die Niederlande haben bereits die rechtlichen Grundlagen für solche Positivlisten geschaffen.

Weitere Informationen finden Sie im Positionspapier „Exoten im Privathaushalt" und im Hintergrundpapier "Positivliste für die Heimtierhaltung".