Ungeborene Kälber als Rohstofflieferanten

Fötales Kälberserum als Zellkulturmedium

Fotomontage mit der schwarzen Silhouette eines Kalbes, dem mit einer Spritze aus dem Herzen Blut entnommen wird. CLIPAREA.com - Fotolia; ALEX MALIKOV vk.com/alex_malikov - Fotolia
CLIPAREA.com - Fotolia; ALEX MALIKOV vk.com/alex_malikov - Fotolia

 

Als Nährstofflieferant wird Zellkulturen häufig fötales Kälberserum (FKS) zugesetzt, damit die Zellen wachsen und sich vermehren können. Was vielen nicht bewusst ist: hier versteckt sich Tierleid! Leider können auch Zellkulturen, die ein wichtiger Schritt sind, Tierversuche zu ersetzen, davon betroffen sein.

Die Gewinnung des fötalen Kälberserums ist grausam: Ungeborenen Kälbern wird aus den noch schlagenden Herzen möglichst viel Blut entnommen. Dies geschieht ohne Betäubung, obwohl es deutliche Hinweise gibt, dass die Kälberföten bereits leidensfähig sind. Zur gängigen Praxis gehört das in Argentinien, Australien und Neuseeland, aber auch manchen EU-Ländern wie Frankreich. Wir setzen uns dafür ein, dass fötales Kälberserum nicht mehr verwendet wird.

Aber auch wissenschaftliche Gründe sprechen gegen den Einsatz von fötalem Kälberserum. Die genaue Zusammensetzung des Serums ist nicht bekannt. Das kann die Zellkulturen beeinflussen und damit auch die an ihnen durchgeführten Tests. Wissenschaftlich verlässlicher wäre es, künstliche Nährmedien mit bekannter Zusammensetzung einzusetzen, die alle für das Zellwachstum notwendigen Bestandteile enthalten. Solche künstlichen Nährmedien gibt es bereits, aber nur wenige Wissenschaftler kennen sie.

Alternativen zum fötalen Kälberserum - ohne Leid für die ungeborenen Kälber

In unserem Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz forschen wir bereits seit längerem an Ersatzprodukten für das fötale Kälberserum. Der Deutsche Tierschutzbund richtete außerdem im Juni 2016 gemeinsam mit der Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen (SET) in der Akademie für Tierschutz einen Workshop zum Ersatz von fötalem Kälberserum aus. Internationale Experten aus Universitäten, Industrie, Behörden und Tierschutz berieten darüber, welche tierleidfreien Alternativen bekannt sind und wie man diesen zu einer breiteren Anwendung verhelfen könnte.

Unsere Forderungen zur Abschaffung des fötalen Kälberserums

Zu den erarbeiteten Empfehlungen aus dem Workshop gehören:

  • Vereinheitlichung und wissenschaftliche Prüfung von Zellkultur-Medien ohne fötales Kälberserum durch Anwender und Vertreiber, um die Akzeptanz solcher Medien zu steigern
  • die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen Datenbank für Zellkultur-Medien ohne fötales Kälberserum ist in den Niederlanden bereits erfolgt!
  • eine Informations-Kampagne und Schulungen für Wissenschaftler, die noch mit fötalem Kälberserum arbeiten
  • national und international sollten öffentliche Forschungsgelder zur Förderung von Methoden ohne fötales Kälberserum eingesetzt werden
  • auf EU-Ebene müsste ein verbindlicher Rechtsrahmen zum Schutz der Kälber geschaffen werden, an dem sich Genehmigungsbehörden orientieren können
Ein junges Kalb - ihm wurde vor der Geburt kein fötales Kälberserum entnommen, es darf leben.
Ein junges Kalb - ihm wurde vor der Geburt kein fötales Kälberserum entnommen, es darf leben.