Statistiken zu Versuchstieren

Deutschland 2020: Über 2,5 Millionen Tiere leiden und sterben in Laboren

Fotomontage mit Versuchstieren in einem Müllerbeutel

Der „Verbrauch“ von Tieren für wissenschaftliche Zwecke ist in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken: Die Gesamtzahl sank von 2.902.348 Tieren im Jahr 2019 auf 2.533.664 im Jahr 2020. Die Menge an Tieren, die für die Wissenschaft geopfert werden, ist aber weiterhin erschreckend hoch. Denn der geringe Rückgang ist eher dem Corona-Lockdown zu „verdanken“, wodurch viele Versuchsreichen abgebrochen wurden, aber sicher nicht dem Bestreben der Politik. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, eine Strategie zu entwerfen, wie man Tierversuche langfristig komplett durch tierversuchsfreie Methoden ersetzen kann und so dem endgültigen Ziel der EU-Tierversuchsrichtlinie Rechnung zu tragen.

Welche Tiere wurden 2020 für wissenschaftliche Zwecke verwendet?

  • Mäuse: mehr als 1,8 Millionen
  • Fische: über 280.000 
  • Ratten: über 190.000
  • Kaninchen: über 70.000
  • Hunde: 2.562
  • Affen: 2.111
  • Katzen: 644 
  • und weitere Tierarten

Insgesamt 72.109 Tiere erlitten den höchsten Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden. Beispiele für den höchsten Schweregrad sind Xenotransplantationen (Organtransplantation von einer Tierart auf eine andere) oder zuchtbedingte genetische Störungen, die mit schwerem Leiden verbunden sind.

Bei über 900.000 Tieren wurde Erbinformation manipuliert, um sie künstlich krank oder dem Menschen ähnlicher zu machen. Dies setzt die besorgniserregende Entwicklung der letzten Jahre fort, die leider zeigt, dass Forscher*innen mit gleichbleibender Begeisterung mit dem Erbgut von Tieren spielen.

Welchem Zweck dienten die Tierversuche 2020?

  • Grundlagenforschung: 58 %
  • Herstellung oder Qualitätskontrolle medizinischer Produkte: 19 %
  • Erforschung von Erkrankungen von Menschen und Tieren: 13 %
  • (Erhaltungs-)Zucht von genetisch veränderten Tieren: 6 %
  • Aus- oder Weiterbildung: 4%
  • Arten- und Umweltschutz: 1 %

Weit über die Hälfte der in Tierversuchen verwendeten Tiere dienten der reinen Grundlagenforschung, also in Versuchen ohne konkreten oder absehbaren Nutzen für den Menschen. Weitere 19 Prozent wurden bei der Herstellung oder Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder für toxikologische Sicherheitsprüfungen verwendet, wie sie etwa für Chemikalien oder Schädlingsbekämpfungsmittel vorgeschrieben sind.

Überschusstiere werden nicht berücksichtigt

Leider werden bei der jährlichen offiziellen statistischen Auswertung in Deutschland viele Tiere gar nicht berücksichtigt. Durch mangelhafte Planung der Versuche, unrealistische Ansprüche, fehlende Bedarfsprüfung oder zeitliche Verzögerungen werden Versuchstiere im Überschuss in den Laboren „produziert“ und häufig einfach getötet, wenn sie aus Forscher*innensicht nicht das passende Alter, das richtige Geschlecht oder die gewünschte Erbinformation aufweisen. Sie werden auch als Surplus- oder Überschuss-Tiere bezeichnet und tauchen zumindest in den Versuchstierzahlen der Europäischen Union (EU) auf:

EU-weit fast 22,2 Millionen Tiere „verbraucht“

Die EU-weiten Zahlen wurden Anfang 2020 das erste Mal seit 2013 wieder veröffentlicht und listen die Versuchstierzahlen der Jahre 2015-2017 auf.

Im Jahr 2017 wurden in der gesamten EU insgesamt 22.179.557 Tiere „verbraucht“. Davon wurden 9.581.741 Tiere tatsächlich in Tierversuchen verwendet. Noch mehr Tiere (12.597.816) wurden allerdings gezüchtet und noch vor jeglicher Verwendung in einem Versuch als „Überschuss“ getötet, davon etwa 3,9 Millionen allein in Deutschland. Des Weiteren erlitten über eine Million Versuchstiere in der EU den höchsten Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden.

Zwar wurden im vorherigen EU-Bericht noch ganze 11,5 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet, allerdings haben sich die Erfassungskriterien durch neue Vorgaben aus der EU-Tierversuchsrichtlinie seitdem geändert, wodurch die damaligen Zahlen nicht direkt mit den aktuellen vergleichbar sind.

Mehr als jedes fünfte Versuchstier in der EU befand sich 2017 in deutschen Laboren. Dadurch belegte Deutschland (wie bereits im vorherigen Bericht) EU-weit den unrühmlichen zweiten Platz, direkt hinter dem Vereinigten Königreich und noch vor Frankreich.