Der globale Trend

Tierversuchsfreiheit für Kosmetika

Kosmetik

Signalwirkung für den Rest der Welt: EU spricht sich für weltweites Tierversuchsverbot aus

Nach jahrzehntelanger Lobbyarbeit des Deutschen Tierschutzbundes und unserer Partnerorganisationen rückt ein weltweites Tierversuchsverbot für Kosmetikprodukte in greifbare Nähe. Mit einer deutlichen Mehrheit von 620 Abgeordneten hat sich das Parlament der Europäischen Union im Mai 2018 für ein weltweitest Verbot von Kosmetik-Tierversuchen ausgesprochen. Mit der Initiative soll der EU der Rücken gestärkt werden, sich noch vor dem Jahr 2023 bei den Vereinigten Nationen (VN) für ein weltweites Verbot einzusetzen.

Bereits im März 2013 leistete die Europäische Union mit dem Tierversuchsverbot für Kosmetik Pionierarbeit. Trotz aller Mankos hat sich gezeigt, dass dieses Verbot der Anstoß für viele Länder war, dem Vorbild der EU zu folgen.

Länder mit Tierversuchsverboten für Kosmetik

Seit 2013 haben sechs weitere Länder, Norwegen (2013), Israel (2013), Indien (2014), Neuseeland (2015), die Schweiz (2016) und Guatemala (2017) sowie sechs brasilianische Bundesstaaten das Verbot in ihrer Gesetzgebung verankert, Tierversuche für die Verbrauchersicherheit von Kosmetika durchzuführen. In der Türkei (2016) und Südkorea (2018) wurden Gesetze verabschiedet, die den Ersatz von Tierversuchen durch anerkannte Alternativen vorschreiben. Auch in Australien und Taiwan sollen entsprechende Gesetze, die Tierversuche für Kosmetika verbieten, Ende 2018 bzw. im Oktober 2019 in Kraft treten.

Die Kosmetik-Tierversuchsverbote der sechs brasilianischen Bundesstaaten betreffen bereits jetzt 60 Prozent aller in Brasilien ansässigen Kosmetikunternehmen. Im Juni 2014 hat Brasilien einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Tierversuche für Kosmetika in ganz Brasilien verbieten soll, wenn eine tierversuchsfreie Methode verfügbar ist und sich etabliert hat. Tierversuche, die durchgeführt werden, um die Sicherheit eines neuen Inhaltsstoffes zu prüfen, sollen für eine Übergangsphase weiterhin erlaubt sein. Damit wäre Brasilien das erste südamerikanische Land mit einem Tierversuchsverbot zumindest für Kosmetikprodukte.

Länder ohne Tierversuchsverbote für Kosmetik

Die Länder des Verbands Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN (Association of Southeast Asian Nations), Burma, Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam haben bisher kein Verbot für Tierversuche im kosmetischen Bereich erlassen. Tierversuche sind jedoch auch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Vietnam ist der einzige Staat, der Kosmetikprodukte an Tieren testet. Allerdings hat die Regierung 2014 den besonders grausamen Draize-Test verboten und dafür alternative Testmethoden vorgeschrieben und ist damit auf dem richtigen Weg.

Auch in Japan, Russland, den USA und Kanada werden nach wie vor Tierversuche für Kosmetika durchgeführt. Sie werden aber nicht per Gesetz verlangt und es ist möglich, tierversuchsfreie Methoden für die Risikobewertung zu verwenden, wo sie verfügbar und behördlich zugelassen sind. In Kanada wie auch in den US-Bundesstaaten Kalifornien, New York und Hawaii wurden mittlerweile schon an der EU-Richtlinie orientierte Gesetzesentwürfe (Cruelty-Free Cosmetics Act bzw. The Humane Cosmetics Act) vorgestellt, die nun auf Verabschiedung warten. Auch in Afrika werden erste Schritte unternommen um die Tierversuchsfreiheit für Kosmetika im politischen Dialog zu verankern.

Die Volksrepublik China war lange das einzige Land, in dem für eine Zulassung auf dem Markt fertige Kosmetikartikel in Tierversuchen getestet werden mussten. Das galt auch für deren Import. Hier mussten Hersteller Proben ihrer Produkte abgeben, die dann durch chinesische Behörden in Tierversuchen getestet wurden. Allerdings hat die Regierung auf den internationalen Druck der Tierversuchsgegner und sicherlich auch auf den Rückzug vieler Kosmetikfirmen vom chinesischen Markt reagiert: Seit Juni 2014 müssen inländisch produzierte, herkömmliche Kosmetikprodukte, wie Shampoo, Gesichtspflegeartikel oder Parfum, nicht mehr an Tieren getestet werden. Auch für importierte Artikel sind Tierversuche nicht mehr zwingend vorgeschrieben, können jedoch von Behörden angeordnet werden, wenn die vorliegenden Nachweise nicht überzeugen.

Wir kämpfen weiter für ein weltweites Tierversuchsverbot für Kosmetika

Obwohl nach wie vor in 80 Prozent aller Länder Tierversuche für Kosmetikartikel erlaubt sind, lässt sich ein Umdenken feststellen, das sukzessive in staatliches Recht eingeht. Unser Kampf geht weiter, auch gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen, bis rund um den Globus Tierversuche für Kosmetika beendet sind.

Firmen unserer Kosmetik-Positivliste dürfen übrigens ihre Produkte nicht in andere Länder exportieren, wenn damit Tierversuche verbunden sind.