Botox

Mäuse leiden und sterben für Schönheitsmittel

Weiße Mäuse. © HYUNGKEUN/Fotolia.com
© HYUNGKEUN/Fotolia.com

Botulinumtoxin, besser bekannt unter Botox, findet als "Anti-Falten-Mittel" immer weitere Verbreitung. Mit dem starken Nervengift lassen sich Gesichtsfalten "wegspritzen", um so jugendlich auszusehen. Bakterien produzieren den Stoff, der die Signale zwischen Nerv und Muskel hemmt. Unter die Haut im Gesicht gespritzt lähmt es für etwa zwei bis sechs Monate die Muskeln, das Gesicht erscheint dadurch glatter.

Doch was vielen nicht bekannt ist: Für den Test jeder einzelnen Produktionseinheit Botox müssen mindestens 100 Mäuse sterben. Im Jahr sollen es nach Hochrechnungen rund 600.000 Mäuse weltweit sein. Ein Großteil des Mittels wird allein für kosmetische Zwecke eingesetzt. Das EU-weite Tierversuchsverbot für Kosmetik greift hier allerdings nicht, da Botox unter die Haut gespritzt wird und deshalb rechtlich als Medikament angesehen wird. Zusätzlich zum kosmetischen Bereich wird es im medizinischen Bereich beispielsweise für die Behandlung von Spasmen, Muskelverkrampfungen, Schiefhals oder Augenkrankheiten verwendet. 

Etappensiege: Tierversuchsfreie Tests anerkannt

Bereits 2004 haben wir als erste Tierschutzorganisation die Öffentlichkeit in Europa auf diese grausamen Versuche aufmerksam gemacht. Immer wieder haben wir von Politkern gesetzliche Regelungen gefordert, die den Mäusetest für das Antifaltenmittel verbieten. Gemeinsam mit anderen europäischen Tierschutzorganisationen haben wir auch den Druck auf die Hersteller weiter erhöht. Jahrelang behaupteten diese, dass der komplexe Wirkmechanismus des Nervengiftes nicht in Zellkultur nachzustellen sei.

Doch unsere Proteste zeigen Erfolge: Der Marktführer für Botoxprodukte, Allergan, testet bereits seit 2012 seine „Botox“-Produktion überwiegend in Zellkultur. Dem deutschen Botox-Hersteller Merz gelang es 2015, einen tierversuchsfreien Zelltest von der deutschen Behörde anerkennen zu lassen. In einer EU-weiten Aktion haben wir gemeinsam mit der European Coalition to End Animal Experiments zum Protest gegen das Unternehmen Nestlé aufgerufen, das in großem Stil Botox-Produkte der Firma Ipsen vertreibt. Mit Erfolg: Auch Ipsen hat 2018 endlich ein alternatives Prüfverfahren zu Tierversuchen für seine beiden Botox-Produkte entwickelt. Diese Tests sind in der EU und der Schweiz anerkannt. Damit kann Tausenden von Mäusen ein schrecklicher Tod erspart werden.

EU-weit testet nun nur noch Eisai in Deutschland sein Botox-Produkt NeuroBloc an Mäusen.

Erstickungstod für Wirksamkeitstest

Botox-Opfer: Tote weiße Labormäuse in einer Tüte. © BUAV
© Cruelty Free International

Botox wird im LD50 Test geprüft - einem Tierversuch, der die Wirksamkeit des Stoffes anhand der Todesrate der Tiere misst. Bei dem grausamen Versuch wird ermittelt, bei welcher Dosis 50 Prozent der Mäuse sterben. Den Tieren wird Botox in die Bauchhöhle gespritzt. Sie reagieren mit Lähmungen und Sehstörungen, bis sie schließlich durch die Lähmung de Atemmuskulatur ersticken. Dieser Todeskampf der Tiere kann bis zu vier Tage dauern.

Grundsätzlich darf laut Tierschutzgesetz ein solch qualvoller Tierversuch nur durchgeführt werden, wenn dies "von hervorragender Bedeutung für wesentliche Bedürfnisse von Mensch und Tier ist". Bei einer kosmetischen Anwendung ist das eindeutig nicht der Fall. Wir fordern daher, dass Botox nicht mehr für kosmetische Zwecke eingesetzt werden darf, solange der Tierversuch nicht durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden kann.

Verdeckte Film-Aufnahmen in englischem Labor

Bei verdeckten Recherchen in einem englischen Auftragsforschungslabor hat die britische Tierschutzorganisation Cruelty Free International (CFI - früher British Union for the Abolition of Vivisection, BUAV) das Leiden der Mäuse bei den Botox-Tests gefilmt. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche und der Deutsche Tierschutzbund präsentieren den abschreckenden und aufklärenden Film in deutscher Fassung.

Achtung: Dieser Film zeigt Szenen, die für Kinder und sensible Menschen nicht geeignet sind.