Stadttauben

Stadttauben. © M. Masanneck
© M. Masanneck

Stadttauben sind Nachkommen entflogener Haustauben, für deren Wohlbefinden der Mensch die Verantwortung trägt. Leider sind viele Menschen diesen anpassungsfähigen und intelligenten Vogel gegenüber eher negativ eingestellt. Durch große Stadttaubenschwärmen in den Innenstädten fühlen sich viele Menschen belästigt oder befürchten die Übertragung von Krankheiten. Dabei ist letzteres unbegründet: Die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere (mehr dazu in unserem Positionspapier).

Menschen versuchen die Tauben mit Netzen, Spikes – Spitzen auf Simsen und Dächern – oder das Aufstellen von Attrappen von Gebäuden zu vertreiben. Immer wieder werden die Vögel gezwungen, sich neue Nistplätze zu suchen.

Weiterhin wurden und werden vereinzelt Tötungsaktionen durchgeführt. So streut man zum Beispiel mit Blausäure vergiftete Körner aus oder fängt die Tauben im Morgengrauen in Netzen und bricht ihnen das Genick. Weil aber jede Stadt den Tauben reichlich – allerdings inadequates – Futter bietet, regenerieren sich die Bestände innerhalb weniger Wochen. Die tierquälerischen Tötungen führen zu nichts und können von keinem Tierschützer toleriert werden. Wir lehnen die Tötung von Tauben strikt ab.

Tiergerechte Bestandsregulierung

Die einzige tiergerechte Lösung ist ein integriertes Konzept zum Zusammenleben von Tauben und Menschen in den Städten. Zu der wichtigsten Maßnahme bei einer tiergerechten Bestandesregulierung gehört unter anderem die Einrichtung von geeigneten Nistmöglichkeiten, die für die Tauben attraktiv sind und in denen durch ein Austausch der Gelege der Bestand der Tauben reguliert werden kann. Deshalb sollten für die Tiere Taubenhäuser/-türme errichtet werden.

Die Standortwahl ist dabei entscheidend: Die Häuser werden nur von den Tauben akzeptiert, wenn sie dort aufgestellt werden, wo sich bereits seit längerer Zeit Tauben in größerer Zahl aufhalten. Sie sollten ca. 10-20 m hoch sein, nicht in unmittelbarer Nähe von hohen Bäumen errichtet und nicht in Senken aufgestellt werden. Ein festes Taubenhaus anzufliegen, entspricht den Bedürfnissen der Tauben und entlastet zudem die Hausbesitzer, da der Taubenkot in den Taubenhäusern gesammelt werden kann.

Werden die Brutmöglichkeiten von den Tauben akzeptiert, kann dort ein Eiaustausch erfolgen. Dazu werden frisch gelegte Eier in den Nestern gegen Plastikeier ausgetauscht.

Zur langfristigen und tierschutzgerechten Regulierung von Stadttaubenschwärmen ist eine mehrgleisige Strategie nötig - sowohl zur beschriebenen Einrichtung von Taubenhäusern als auch der Versorgung der Tauben mit artgerechtem Futter in den Einrichtungen. Weiterhin muss die Bevölkerung Anlaufstellen haben, an die sie sich bei Fragen und Problemen wenden kann.

Tauben richtig füttern

Einzelne, in das Projekt eingebundene Personen sollten die Tauben in den Taubhäusern mit artgerechtem Futter und – wenn nötig – an anderen festgelegten Stellen der Stadt füttern. Tauben sollten nicht unkontrolliert gefüttert werden. Im Stadtzentrum ernähren sich die Tauben hauptsächlich von Abfällen und von vom Menschen ausgestreutem Weizen, Reis, Vogelfutter und Mais. Dem ausgebrachten Futter fehlen jedoch oft wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiße. Mit diesem Mangelfutter können Stadttauben ihre Jungen weniger erfolgreich aufziehen als Tauben in den städtischen Randgebieten. Die schlechte Ernährung schwächt die Nestlinge, so dass sie gegen Krankheitserreger nur wenig Widerstandskraft haben.

Auch die Fütterung zu unregelmäßigen Zeiten ist problematisch: Häufig halten sich dann beide Taubeneltern gleichzeitig am Futterplatz auf und warten unter Umständen recht lange auf Futter. Die Jungen im Nest werden dann vernachlässigt. Gibt es Nahrung konzentriert an einer Stelle, verdrängen aggressive und große Tiere (meist Männchen), die weniger kräftigen Weibchen und Jungtiere. Diese können so oft nicht genug Futter aufnehmen. Tauben im Stadtzentrum wiegen durchschnittlich weniger und sind schlechter ernährt als die weniger vom Menschen abhängigen Tiere in der Stadtperipherie.