Qualzucht auf Pelztierfarmen

Das grausame Geschäft mit "Super-Füchsen"

Sie können sich nur mit Mühe bewegen, ihr dickes Fell wirft Falten und ihre Knochen können das eigene Körpergewicht kaum tragen. Auf finnischen Pelztierfarmen werden Polarfüchse auf eine enorme Größe gezüchtet und grausam übermästet. Die Tiere vegetieren dadurch fast regungslos in den kleinen Drahtkäfigen vor sich hin. Sie leiden unter Schmerzen durch Gelenkbeschwerden aufgrund des massiven Übergewichts und ihre Augen entzünden sich unter den dicken Hautfalten, durch die sie kaum etwas sehen können. Diese schrecklichen Aufnahmen hat die finnische Tierschutzorganisation Oikeutta eläimille auf fünf Pelztierfarmen in Finnland gemacht.

Dicke Hautfalten am ganzen Körper...

...und im Gesicht, entzündete Augen.

Füchse werden auf Pelztierfarmen bis zur Unkenntlichkeit überzüchtet. © Oikeutta eläimille

Profit auf Kosten der Tiere

Und möglichst viel des kostbaren Fells für möglichst wenig Geld zu bekommen, schrecken die Farmer nicht davor zurück, die Tiere auf diese extreme Art zu überzüchten. Kommt ein Polarfuchs in freier Wildbahn gerade einmal auf drei bis vier Kilogramm Körpergewicht, wiegen die Füchse auf den finnischen Farmen mit erschreckenden 20 Kilogramm fünfmal so viel. Die Pelzindustrie spricht von Einzelfällen, in Wahrheit sind diese Bilder aber Alltag auf den Farmen.

Schon Ende der 80er Jahre wurden solche Hochzüchtungen entdeckt. Unsere finnische Partnerorganisation Animalia, die mit uns Mitglied in der Fur Free Alliance ist, hatte bereits 1989 über sogenannte „Super-Füchse” berichtet. Als Ergebnis des darauf folgenden Aufschreis und dem Druck der Öffentlichkeit schienen die Pelzfarmer zunächst mit der Zucht dieser Tiere aufzuhören.

Nun feiert die Industrie die überdimensional gezüchteten Tiere wieder und wirbt damit in ihren Magazinen. Die Größe der Zuchttiere hat im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen. 2009 wurde eine neue Größenkategorie bei Fellen eingeführt. Mehr als 40 Prozent der Fuchspelze, die im Sommer 2017 verkauft wurden, fallen in diese Kategorie.

Europaweit gibt es in Finnland die meisten Fuchsfarmen. Der Großteil der Farmer hat sich zusammengeschlossen und vertreibt die Felle über das Auktionshaus Saga Furs. So gelangen sie auch nach Deutschland und werden hier von namhaften Designern verkauft.

Rechtliche Lage

Nach finnischem Recht ist es illegal, Tiere so zu züchten, dass es ihnen Leiden und Schmerzen verursacht. Aber selbst die viel zu laschen Vorgaben des finnischen Tierschutzgesetzes halten die meisten Farmen nicht ein. Kontrollen finden kaum statt. Das Tierschutzgesetz in Finnland ist 20 Jahre alt und soll seit langem überarbeitet werden. Wir hoffen, dass dies zum Wohl der Tiere geschieht und Pelztierfarmen möglichst schnell verboten werden – wie es in Österreich, den Niederlanden und Tschechien bereits der Fall ist.

Fell heiß begehrt

Polarfuchs in freier Wildbahn
Polarfuchs in freier Wildbahn

Der Polarfuchs ist in Nordamerika, Sibirien, Grönland, Skandinavien und Island heimisch. Sein seidiges Fell ist in der Modewelt heiß begehrt, weil es ihn sogar bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad warm hält. Durch die extreme Bejagung Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Polarfuchs in Skandinavien und Island selten geworden. Obwohl er seit 1928 in Schweden und seit 1930 in Norwegen unter Artenschutz steht, hat sich der Bestand bis heute nicht erholt.