Pelzfarmen in der Corona-Pandemie

Tierleid und Gefahrenherd

Nerze in engem Käfig auf Pelztierfarm
© Nettverk For Dyrs Frihet

Jedes Jahr leiden und sterben etwa 100 Millionen Tiere wegen ihres Pelzes, die überwiegende Mehrheit auf Pelzfarmen. Tierarten wie Füchse, Nerze, Marderhunde und Chinchillas werden dort ihr ganzes Leben lang in winzigen Drahtgitterkäfigen gehalten, bevor sie für unnötige Pelzmode getötet werden.
 
Diese Käfigbatterien verursachen nicht nur immenses Tierleid, sondern bergen auch ein hohes Krankheitsrisiko. Wissenschaftlich ist beispielsweise belegt, dass der Nerz hoch empfänglich für das SARS CoV-2-Virus ist. Die beengten Platzverhältnisse, allseitig offenen Käfige, mangelnde Hygiene, Stress, Verletzungen und Krankheiten schaffen in Pelzfarmen ideale Bedingungen sowohl für die Übertragung als auch die Mutation von Viren.

Besorgniserregend: SARS-CoV-2 auf Pelztierfarmen

Seit Beginn der Pandemie ist zu beobachten, dass sich das SARS-CoV-2 Virus, welches beim Menschen COVID-19 verursacht, immer weiter auf europäischen Nerzfarmen verbreitet, unabhängig davon, ob strenge Sicherheitsmaßnahmen auf den Farmen ergriffen werden oder nicht. Allein in Europa sind COVID-19-Ausbrüche auf knapp 400 Nerzfarmen bekannt. Das SARS-CoV-2-Virus wird in der Regel von Farmmitarbeitern eingebracht und kann dann - mitunter sogar mutiert - wieder auf den Menschen zurückübertragen werden.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stellte in einem im November 2020 veröffentlichten Bericht fest, dass die Weiterentwicklung des Virus bei Nerzen die Wirksamkeit künftiger Impfstoffe für Menschen beeinträchtigen könnte. Außerdem kommt das ECDC zu dem Schluss, dass "die fortgesetzte Übertragung von SARS-CoV-2 in Nerzfarmen möglicherweise andere besorgniserregende Varianten hervorrufen kann.“

Über 17 Millionen Nerze getötet

Regierungen können auf diese Krise nicht nur reagieren, indem sie Millionen Tiere töten und dann den Pelztierzüchtern erlauben, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Die Keulung infizierter Tiere mag aus Infektionsschutzsicht notwendig sein, aus Tierschutzsicht ist der Tod von inzwischen über 17 Millionen Nerzen wegen COVID-19 jedoch eine Tragödie. Die katastrophalen Bedingungen in Pelzfarmen machen diese zu einer tickenden Zeitbombe, denn sie erhöhen das Risiko für diese und weitere Pandemien.

Pelzfarmen müssen geschlossen werden

Petitionsfoto mit Nerz in Käfig auf Pelzfarm
© Jo-anne McArthur/#MakeFurHistory

Um diesen grausamen Kreislauf zu unterbrechen, darf nach Auffassung des Deutschen Tierschutzbundes EU-weit keine einzige Farm wieder neu mit Tieren bestückt werden.

Zwanzig europäische Staaten haben bereits gehandelt und die Pelztierzucht verboten oder eingeschränkt – denn sie ist grausam, unnötig und nicht mehr zeitgemäß. Angesichts der neuen Belege, die zeigen, dass Pelzfarmen auch als Reservoir für tödliche Viren fungieren und dort gefährliche Virusvarianten entstehen können, appellierte der Deutsche Tierschutzbund im Dezember 2020 gemeinsam mit anderen Tier-, Arten- und Naturschutzorganisationen in einem Positionspapier an Bundesministerin Julia Klöckner und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Pelzfarmen zu verbieten.

Der Deutsche Tierschutzbund beteiligt sich auch an einer aktuellen Petition der Fur Free Alliance. Diese setzt sich als weltweites Bündnis seit Jahren für ein Ende der Pelztierhaltung ein. Die Petition fordert die G20 Staats- und Regierungschef auf, sich für ein Verbot von Pelzfarmen stark zu machen.