Angorawolle

Angorakaninchen in der Käfighaltung. © tempest tea/flickr.com
Angorakaninchen in der Käfighaltung. © tempest tea/flickr.com

Ob Mützen, Schals, Pullover oder Unterwäsche – Kleidung mit Angorawolle gilt als warm und kuschelig und ist daher besonders im Winter sehr beliebt. Was viele Verbraucher nicht wissen: rund 95 Prozent der weltweit gehandelten Angorawolle wird heute in China produziert und sie stammt von den Angorakaninchen. Da es in China keine Tierschutzgesetzgebung gibt, sind die Haltungsbedingungen und der Umgang mit den Tieren oft sehr problematisch. 

Die Angorakaninchen sind mittelgroße Langhaarkaninchen, die auf Wollleistung gezüchtet wurden. Ab einem Alter von sechs bis acht Wochen werden die Tiere zur Wollgewinnung drei- bis viermal im Jahr geschoren oder gerupft. Wobei letzteres besonders schmerzhaft ist, aber auch die Schur ist mit Stress, Verletzungen und einer großen Belastung für die Tiere verbunden. Nach der Schur fehlt den Tieren ihr Wärmeschutz. Der Temperaturschock und der Stress können zu akuten Krankheiten oder zum Tod führen. Etwa 50 Prozent der Todesfälle treten in der ersten Woche nach der Schur auf.

Die bewegungsfreudigen und geselligen Angorakaninchen werden üblicherweise einzeln in kleinen Käfigen, ohne Einstreu und auf Drahtböden oder Lattenrosten gehalten. Die Einzelhaltung soll verhindern, dass die Tiere sich gegenseitig das kostbare Fell abfressen. Durch die Drahtböden kommt es zu Verletzungen der Fußsohlen und der Hinterläufe. Sind die Zwischenräume in den perforierten Böden zu groß, können Jungtiere mit ihren Pfoten hineinrutschen und sich verletzen. Natürliche Verhaltensweisen wie Sozialverhalten, Hoppeln, Männchen machen, sich Ausstrecken oder gar Graben sind bei Einzelhaltung und in den kleinen Käfigen nicht möglich. Insgesamt leben die Kaninchen unter diesen tierquälerischen Haltungsbedingungen nur etwa vier Jahre.

Darüber hinaus zählen Angorakaninchen zu den Qualzuchten, da das Fell der Tiere durch die extreme Zucht auf das lange Wachstum hin verändert wurde und sie es alleine nicht mehr sauber halten und pflegen können. Angorakaninchen haben eine reduzierte Wärmetoleranz und neigen zu Magendarmstörungen durch Haarballen (Trichobezoare). Zudem haben sie die Tendenz zur Bildung von Verfilzungen, die zu Bewegungsstörungen und Störung der Futteraufnahme führen können. Die darunter liegende Haut kann sich infizieren und schmerzhaft entzünden. Des Weiteren kann es hierbei zu Fliegenmadenbefall (Myiasis) kommen.

Die Zucht der Angorakaninchen in Deutschland ist heute reine Liebhaberei und es fällt nur noch der Wollertrag der wenigen Zuchttiere an. Frankreich ist innerhalb Europas der größte Produzent von Angorawolle.

Wir fordern, dass Angorakaninchen nur dann Wolle entnommen werden darf, wenn die Tiere artgemäß und verhaltensgerecht gehalten werden. Da dies unter profitorientierten Bedingungen nicht möglich ist, muss auf die kommerzielle Nutzung von Angorakaninchen verzichtet werden. Außerdem ist der Verbraucher nicht zwingend auf Produkte mit Angorawolle angewiesen.

Das können Sie tun

  • Kaufen Sie keine Kleidung oder Accessoires aus Angorawolle!
  • Teilen Sie Verkäufern und Herstellern von Produkten mit Angorawolle Ihre Kritik mit.

Kampagne von "One Voice"

Unsere französische Partnerorganisation in der Fur Free Alliance „One Voice“ hat 2016 die Zustände in sechs französischen Angora-Kaninchen-Farmen dokumentiert. Dort werden die Tiere in kleinen Käfigen gehalten und ihre Haare regelmäßig schmerzhaft ausgerupft. Neues Bildmaterial von 2018 zeigt, dass sich an den Zuständen nichts geändert hat.