Statistiken zu Versuchstieren

Deutschland: Fast drei Millionen Tiere leiden und sterben in Laboren

Fotomontage mit Versuchstieren in einem Müllerbeutel

2014 wurden rund 2.800.000 Wirbeltiere und Kopffüßer (Kraken, Tintenfische) zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet. Wir kritisieren die Bundesregierung für die intransparente Veröffentlichung der Tierversuchszahlen 2014. Die Vorgaben aus der EU-Tierversuchsrichtlinie sollten für mehr Transparenz sorgen – z.B. wie schwerwiegend waren die Versuche für die Tiere, oder aus welchen Ursprungsländern stammten die verwendeten Affen - doch das zuständige Landwirtschaftsministerium (BMEL) hat bislang lediglich eine einzige Tabelle veröffentlicht, in der sich bis auf die Tierarten und den übergeordneten Verwendungszweck keine weiteren Informationen finden. Auf Anfrage erhielten wir nun auch die Statistiken der Bundesländer, aber auch hier ohne weitere Auswertungen.

Die am häufigsten verwendeten Tiere bleiben Mäuse mit circa 660.000 Tieren, gefolgt von rund 273.000 Fischen und rund 105.800 Kaninchen. Doch auch über 4.600 Hunde, rund 1.000 Katzen und fast 3.000 Affen mussten für den Forscherehrgeiz und wirtschaftliche Interessen ihren Kopf hinhalten. Wie bereits in den Vorjahren fällt der Mammutanteil des „Tierverbrauchs“ in den Bereich der Grundlagenforschung, der dem Erkenntnisgewinn ohne absehbaren Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt dient: Über 870.000 Tiere, 31 % des Gesamtverbrauchs.

Einrichtungen, die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken verwenden, müssen die Tiere und weitere Angaben z.B. zum Verwendungszweck sammeln. Die Daten werden dann vom BMEL im Folgejahr veröffentlicht. Die nun veröffentlichten Zahlen sind die ersten nach der neuen Versuchstiermeldeverordnung nach Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie und dem zugehörigen Durchführungsbeschluss. Daher ist aufgrund der detaillierteren Erfassung und veränderten Zählweise sowie Einbeziehung neuer Kriterien, die erfasst wurden, ein direkter Vergleich mit der Statistik aus Vorjahren nicht möglich. 

Tierversuchsstatistik 2013

Im Vergleich zum Rekord von 2012 (erstmals über drei Millionen Tiere, die in Tierversuchen eingesetzt wurden) sind die Zahlen 2013 leicht zurückgegangen, es wurden 2.997.152 Wirbeltiere „verbraucht“. Wenn man diese zunächst erfreulich erscheinende Entwicklung allerdings genauer betrachtet, zeigt sich, dass der Rückgang relativ gering ausgefallen ist. 83.575 Tiere (2,71 Prozent) weniger waren es im Vergleich zum Vorjahr, wie aus der im Dezember 2014 veröffentlichten Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hervorgeht. 

Trotz positiver Entwicklungen wie dem Rückgang der Zahl der Tiere, die für Versuche zur Giftigkeitsprüfung (Toxikologie) eingesetzt werden, kann man nicht von einer Trendwende sprechen. Denn nach wie vor steigt die Zahl der Tiere, die für die Grundlagenforschung verwendet werden, insbesondere die gentechnisch veränderten Tiere, weiter an. 947.019 Tiere, deren Erbgut künstlich verändert wurde, sind 2013 in Versuchen eingesetzt worden. Das sind 13.166 Tiere mehr als 2012. Mittlerweile sind also fast ein Drittel aller verwendeten Tiere gentechnisch manipuliert. Und diese Zahl ist nur die Spitze des Eisbergs. Die unzähligen Tiere, die nicht das von den Forschern gewünschte Merkmal tragen oder aufgrund der Erbgutveränderungen bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben, sind hier gar nicht erfasst. Auch nicht die Tiere, die „auf Vorrat“ gezüchtet werden, aber nie in den Versuch gelangen, sondern einfach getötet werden. 

Mehr als 200.000 Fische, fast 43.000 Vögel, mehr als 95.000 Kaninchen, 12.863 Schweine, 2.542 Hunde, 2.165 Affen und 793 Katzen mussten für den Forscherehrgeiz und wirtschaftliche Interessen ihren Kopf hinhalten. Selbst für Ausbildungszwecke mussten fast 65.000 Tiere, darunter sogar 66 Affen, 58 Hunde, 31 Katzen und 2.100 Schweine, ihr Leben lassen.

Einrichtungen, die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken verwenden, müssen die Tiere und weitere Angaben z.B. zum Verwendungszweck sammeln. Die Daten werden dann vom BMEL im Folgejahr veröffentlicht. Ab 2014 müssen die Bundesländer die Zahlen der in Tierversuchen und für andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere erstmals nach den neuen und strengeren Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie melden. 

EU: Deutschland auf dem skandalösen 2. Platz

11,5 Millionen Tiere wurden 2011 laut dem Bericht der Europäischen Kommission (Dezember 2013) in der EU in Versuchen verwendet. Im Vergleich zur letzten Zählung von 2008 sind es eine halbe Millionen weniger Tiere - doch die Statistik ist eine Farce, da viele Tiere nicht mit gezählt werden. So kommen von den rund drei Millionen Versuchstieren in Deutschland lediglich zwei Drittel in die EU-Statistik - und auch hier sind nicht alle Tiere erfasst. Der tatsächliche "Tierverbrauch" liegt daher um ein Vielfaches höher. Der traurige zweite Platz geht an Deutschland, das nach Frankreich die meisten Tiere verbrauchte. War 2008 noch das Vereinigte Königreich an zweiter und Deutschland an dritter Stelle, so ist Deutschland nun aufgerückt.

Auch in der EU steigt wie in Deutschland der Verbrauch im Bereich der Grundlagenforschung drastisch an, 2008 waren es noch 38 Prozent der Tiere, 2011 bereits 46 Prozent, die für den reinen Erkenntnisgewinn ohne direkten Nutzen für den Menschen verwendet wurden. Eine erschreckende Entwicklung, die darauf zurückzuführen ist, dass Forscher mit gleichbleibender Begeisterung mit dem Erbgut von Tieren im Bereich der Gentechnik spielen.

Bereits 1996 verfasste der Deutsche Tierschutzbund einen umfassenden Bericht zur lückenhaften Erhebung der EU-Statistik. Etliche Kritikpunkte wurden in den neuen Vorlagen, die ab sofort für die statistische Erfassung verwendet werden müssen, aufgegriffen. In den nächsten Jahren werden die Zahlen daher drastisch steigen und weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt. Doch leider werden auch zukünftig viele Tiere verschwiegen, wie die so genannten Vorratstiere, die ständig bei der Zucht anfallen, ohne dass sie gebraucht werden.

Die EU-Kommission veröffentlicht alle drei Jahre einen Bericht zur Anzahl der in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union für Versuchs- und andere für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.