Statistiken zu Versuchstieren

Deutschland 2015: Fast drei Millionen Tiere leiden und sterben in Laboren

Fotomontage mit Versuchstieren in einem Müllerbeutel

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 2.799.961 Tiere für wissenschaftlichen Zwecken verwendet - das sind ähnlich viele wie 2014 (2.798.463). Besonders erschreckend ist die Zahl der im Rahmen der Grundlagenforschung verwendeten Tiere: Ihre Zahl ist fast doppelt so hoch wie im Vorjahr 2014.

Wir kritisieren die gleichbleibend hohe Zahl der Tierversuche und fordern von der Politik einen konkreten Maßnahmenkatalog, um das von Bundesminister Christian Schmidt propagierte Ende aller Tierversuche zu erreichen.

Während nach wie vor Mäuse und Ratten zu den Tieren gehören, die am häufigsten in Versuchen zum Einsatz kommen, stieg die Zahl der Affen und Halbaffen von 2.848 (2014) auf 3.141 Tiere im Jahr 2015. Auch 4.491 Hunde und 1.112 Katzen wurden eingesetzt.

Die veröffentlichen Zahlen zeigen zudem, dass das Spielen mit dem Erbgut von Tieren stetig zunimmt: Der Anteil von genetisch veränderten Tieren lag mit 1.115.000 Tieren bei etwa 39 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr (34 Prozent) leicht gestiegen. Erschreckend ist die Zahl der für die Grundlagenforschung in Versuchen verwendeten Tiere mit 1.643.259 - fast doppelt so viele wie im Jahr 2014. Damit wurden rund 59 Prozent aller Tierversuche für einen Bereich durchgeführt, der keinen absehbaren Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt hat.

Erstmals Grad des Leidens veröffentlicht

Zum ersten Mal hat das Ministerium für 2015 veröffentlicht, welchen Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden die Tiere in den Versuchen ausgesetzt waren. So durchlitten 124.936 Tiere die höchste Schmerzstufe, darunter Mäuse (96.287), Ratten (5.032), Meerschweinchen (3.453) und auch sechs Paviane. Wir gehen allerdings davon aus, dass viel mehr Tiere erheblich in den Versuchen leiden mussten. Denn leider werden die Belastungen für die Tiere von den Wissenschaftlern, die die Versuche durchführen, häufig untertrieben.

Versuchtstierstatistik 2014

2014 wurden rund 2.800.000 Wirbeltiere und Kopffüßer (Kraken, Tintenfische) zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet. Wir kritisierten die Bundesregierung für die intransparente Veröffentlichung der Tierversuchszahlen 2014. Die Vorgaben aus der EU-Tierversuchsrichtlinie sollten für mehr Transparenz sorgen – z. B. wie schwerwiegend waren die Versuche für die Tiere, oder aus welchen Ursprungsländern stammten die verwendeten Affen - doch das zuständige Landwirtschaftsministerium (BMEL) hat lediglich eine einzige Tabelle veröffentlicht, in der sich bis auf die Tierarten und den übergeordneten Verwendungszweck keine weiteren Informationen finden. Im Dezember 2016 wurden nun auch die vollständigen statistischen Informationen für 2014 der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die am häufigsten verwendeten Tiere bleiben Mäuse mit circa 660.000 Tieren, gefolgt von rund 273.000 Fischen und rund 105.800 Kaninchen. Doch auch über 4.600 Hunde, rund 1.000 Katzen und fast 3.000 Affen mussten für den Forscherehrgeiz und wirtschaftliche Interessen ihren Kopf hinhalten. Wie bereits in den Vorjahren fällt der Mammutanteil des „Tierverbrauchs“ in den Bereich der Grundlagenforschung, der dem Erkenntnisgewinn ohne absehbaren Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt dient: Über 870.000 Tiere, 31 % des Gesamtverbrauchs.

Einrichtungen, die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken verwenden, müssen die Tiere und weitere Angaben z. B. zum Verwendungszweck sammeln. Die Daten werden dann vom BMEL im Folgejahr veröffentlicht. Die nun veröffentlichten Zahlen sind die ersten nach der neuen Versuchstiermeldeverordnung nach Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie und dem zugehörigen Durchführungsbeschluss. Daher ist aufgrund der detaillierteren Erfassung und veränderten Zählweise sowie Einbeziehung neuer Kriterien, die erfasst wurden, ein direkter Vergleich mit der Statistik aus Vorjahren nicht möglich. 

EU: Deutschland auf dem skandalösen 2. Platz

11,5 Millionen Tiere wurden 2011 laut dem Bericht der Europäischen Kommission (Dezember 2013) in der EU in Versuchen verwendet. Im Vergleich zur letzten Zählung von 2008 sind es eine halbe Millionen weniger Tiere - doch die Statistik ist eine Farce, da viele Tiere nicht mit gezählt werden. So kommen von den rund drei Millionen Versuchstieren in Deutschland lediglich zwei Drittel in die EU-Statistik - und auch hier sind nicht alle Tiere erfasst. Der tatsächliche "Tierverbrauch" liegt daher um ein Vielfaches höher. Der traurige zweite Platz geht an Deutschland, das nach Frankreich die meisten Tiere verbrauchte. War 2008 noch das Vereinigte Königreich an zweiter und Deutschland an dritter Stelle, so ist Deutschland nun aufgerückt.

Auch in der EU steigt wie in Deutschland der Verbrauch im Bereich der Grundlagenforschung drastisch an, 2008 waren es noch 38 Prozent der Tiere, 2011 bereits 46 Prozent, die für den reinen Erkenntnisgewinn ohne direkten Nutzen für den Menschen verwendet wurden. Eine erschreckende Entwicklung, die darauf zurückzuführen ist, dass Forscher mit gleichbleibender Begeisterung mit dem Erbgut von Tieren im Bereich der Gentechnik spielen.

Bereits 1996 verfasste der Deutsche Tierschutzbund einen umfassenden Bericht zur lückenhaften Erhebung der EU-Statistik. Etliche Kritikpunkte wurden in den neuen Vorlagen, die ab sofort für die statistische Erfassung verwendet werden müssen, aufgegriffen. In den nächsten Jahren werden die Zahlen daher drastisch steigen und weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt. Doch leider werden auch zukünftig viele Tiere verschwiegen, wie die so genannten Vorratstiere, die ständig bei der Zucht anfallen, ohne dass sie gebraucht werden.

Die EU-Kommission veröffentlicht 2019 den nächsten Bericht zur Anzahl der in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union für Versuchs- und andere für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.