Statistiken zu Versuchstieren

Deutschland 2015: Fast drei Millionen Tiere leiden und sterben in Laboren

Fotomontage mit Versuchstieren in einem Müllerbeutel

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 2.799.961 Wirbeltiere und Kopffüßer (Kraken und Tintenfische) für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Wir kritisieren die hohe Zahl der Tiere, die für die Wissenschaft geopfert werden und fordern von der Politik einen konkreten Maßnahmenkatalog, um das von Bundesminister Christian Schmidt propagierte Ende aller Tierversuche zu erreichen.

Während nach wie vor Mäuse und Ratten zu den Tieren gehören, die am häufigsten in Versuchen zum Einsatz kommen, stieg die Zahl der Affen und Halbaffen auf 3.141 Tiere im Jahr 2015. Auch 4.491 Hunde und 1.112 Katzen wurden eingesetzt.

Die veröffentlichten Zahlen zeigen zudem, dass das Spielen mit dem Erbgut von Tieren stetig zunimmt: Der Anteil von genetisch veränderten Tieren lag mit 1.115.000 Tieren bei etwa 39 Prozent. Erschreckend ist die Zahl der für die Grundlagenforschung verwendeten Tiere mit 1.643.259. Damit wurden rund 59 Prozent aller für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere für einen Bereich durchgeführt, der keinen absehbaren Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt hat.

Erstmals Grad des Leidens veröffentlicht

Zum ersten Mal hat das Ministerium für 2015 veröffentlicht, welchen Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden die Tiere in den Versuchen ausgesetzt waren. So durchlitten 124.936 Tiere die höchste Schmerzstufe, darunter Mäuse (96.287), Ratten (5.032), Meerschweinchen (3.453) und auch sechs Paviane. Wir gehen allerdings davon aus, dass viel mehr Tiere erheblich in den Versuchen leiden mussten. Denn leider werden die Belastungen für die Tiere von den Wissenschaftlern, die die Versuche durchführen, häufig untertrieben.

Einrichtungen, die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken verwenden, müssen die Tiere und weitere Angaben z. B. zum Verwendungszweck sammeln. Die Daten werden dann vom zuständigen Landwirtschaftsministerium (BMEL) im Folgejahr veröffentlicht. Seit 2014 werden die Zahlen nach der neuen Versuchstiermeldeverordnung nach Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie und dem zugehörigen Durchführungsbeschluss erfasst. Aufgrund der detaillierteren Erfassung und veränderten Zählweise sowie Einbeziehung neuer Kriterien, die erfasst wurden, ist ein direkter Vergleich mit der Statistik aus Vorjahren nicht möglich. 

EU: Deutschland auf dem skandalösen 2. Platz

11,5 Millionen Tiere wurden 2011 laut dem Bericht der Europäischen Kommission (Dezember 2013) in der EU in Versuchen verwendet. Im Vergleich zur letzten Zählung von 2008 sind es eine halbe Millionen weniger Tiere - doch die Statistik ist eine Farce, da viele Tiere nicht mit gezählt werden. So kommen von den rund drei Millionen Versuchstieren in Deutschland lediglich zwei Drittel in die EU-Statistik - und auch hier sind nicht alle Tiere erfasst. Der tatsächliche "Tierverbrauch" liegt daher um ein Vielfaches höher. Der traurige zweite Platz geht an Deutschland, das nach Frankreich die meisten Tiere verbrauchte. War 2008 noch das Vereinigte Königreich an zweiter und Deutschland an dritter Stelle, so ist Deutschland nun aufgerückt.

Auch in der EU steigt wie in Deutschland der Verbrauch im Bereich der Grundlagenforschung drastisch an, 2008 waren es noch 38 Prozent der Tiere, 2011 bereits 46 Prozent, die für den reinen Erkenntnisgewinn ohne direkten Nutzen für den Menschen verwendet wurden. Eine erschreckende Entwicklung, die darauf zurückzuführen ist, dass Forscher mit gleichbleibender Begeisterung mit dem Erbgut von Tieren im Bereich der Gentechnik spielen.

Die EU-Kommission veröffentlicht 2019 den nächsten Bericht zur Anzahl der in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union für Versuchs- und andere für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.