Deutscher Tierschutzbund Tötung von Waschbärbabys inakzeptabel Kommentar

Diese Waschbären hatten Glück - sie wurden im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes aufgenommen. Das Zentrum finanziert sich über Spenden und Tier-Patenschaften.

Nach der Tötung der vier Waschbärbabys, die zuvor durch die Feuerwehr in Solingen von einem Dach gerettet worden waren, meldet sich der Deutsche Tierschutzbund zu Wort. Die in Medienberichten zitierte Aussage des Landesjagdverbands NRW, wonach eine EU-Verordnung die Tötung der Jungtiere zwingend vorgeschrieben habe, weist der Verband entschieden zurück.

Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund: „Wenn der Landesjagdverband NRW behauptet, die Tötung sei rechtlich vorgeschrieben, verbreitet er ein falsches Narrativ, um grausame Entscheidungen nachträglich zu rechtfertigen. Eine Tötung ist weder durch die EU-Verordnung vorgegeben noch zwingend erforderlich. Die zuständigen Behörden hätten zumindest prüfen müssen, ob eine dauerhafte Unterbringung der Tiere in geeigneten Einrichtungen möglich gewesen wäre.“

Zur rechtlichen Einordnung verweist der Deutsche Tierschutzbund auf Artikel 7 der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten. Dort heißt es, dass invasive Arten „nicht vorsätzlich in die Umwelt freigesetzt werden“ dürfen. Eine “vorsätzliche Haltung, auch unter Verschluss”, ist nicht zulässig, Ausnahmen gibt es jedoch für Auffangstationen oder Zoos. Eine allgemeine Pflicht zur Tötung enthält die Verordnung hingegen nicht. Vielmehr nennt Artikel 19 ausdrücklich auch „nicht tödliche Maßnahmen“ als zulässige Managementmaßnahmen.

Peer Fiesel, Präsident des Landestierschutzverbands NRW, ergänzt: „Die Tötung der Waschbärbabys ist inakzeptabel, zumal es andere Optionen gegeben hätte. Mit sachkundigen Auffangstationen arbeiten wir bundesländerübergreifend zusammen. Auch Sterilisationsprogramme sind grundsätzlich eine nachhaltige und tiergerechte Alternative zur Tötung.”

Waschbären sind in Deutschland ursprünglich nicht heimisch; einzelne Tiere entkamen aus Pelzfarmen bzw. wurden ausgesetzt. Die sehr anpassungsfähigen Tiere breiteten sie sich schnell aus und sind heute in Deutschland weit verbreitet. Von der EU sind Waschbären als invasive gebietsfremde Art gelistet. Wissenschaftliche Belege dafür, dass sie maßgeblich für den Rückgang bestimmter heimischer Tierpopulationen verantwortlich sind, gibt es jedoch nicht.

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