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Wandern, Mountainbiken und Co. Wildtiere schützen bei Outdoor-Aktivitäten von Mascha Dinter

Zur Erholung an den See, in die Berge oder in den Wald: Gerade in den Sommermonaten genießen viele Menschen die Ruhe in der Natur. Um Wildtiere dabei nicht unnötig zu stören, ist es wichtig, einige einfache, aber wichtige Verhaltensregeln zu beachten.

Der Sommer ist da und viele Menschen zieht es nach draußen. Besonders an den Wochenenden füllen sich die Wanderwege, Mountainbiker*innen fahren durch den Wald, Hunde werden ausgeführt, Jogger*innen und Geocacher*innen sind unterwegs. Was für den Menschen Erholung und Naturerlebnis ist, kann für Wildtiere jedoch Stress bedeuten. Denn viele Outdoor-Freizeitaktivitäten finden dort statt, wo Rehe, Füchse und andere Wildtiere leben, ihre Jungen aufziehen oder Ruhe suchen.

„Grundsätzlich stehen Naturerlebnis und Artenschutz nicht im Widerspruch“, betont Paulina Kuhn, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Entscheidend ist jedoch das Bewusstsein dafür, dass wir Menschen die Natur mit Wildtieren teilen und uns in ihrem Lebensraum bewegen.“ Dabei gehe es nicht darum, Naturerlebnisse einzuschränken, sondern sie wildtierverträglich zu gestalten. „Wer die Natur respektiert und einfache Verhaltensregeln beachtet, kann dazu beitragen, dass Outdoor-Aktivitäten und der Schutz von Wildtieren und Pflanzen langfristig im Einklang bleiben.“

Checkliste: Rücksichtsvoll in der Natur unterwegs

  • Auf ausgewiesenen Wegen bleiben
  • Mit dem Mountainbike nur offizielle Trails nutzen
  • Hunde im Wald sowie an Wiesen und Feldern möglichst anleinen
  • Ausgewiesene Wildruhegebiete und Sperrzonen beachten
  • Beim Skitourengehen oder Schneeschuhwandern sensible Bereiche meiden
  • Auf Wildcampen und nächtliche Aktivitäten verzichten
  • Müll und Essensreste wieder mitnehmen
  • Drohnen nicht in Schutzgebieten oder wildtierreichen Bereichen fliegen lassen
  • Tiere aus der Distanz beobachten und nicht verfolgen

Flucht kostet wertvolle Energie

Viele Wildtiere sind auf ungestörte Ruhe-, Brut- und Aufzuchtphasen angewiesen. Werden sie durch Wanderer*innen, Mountainbikes oder freilaufende Hunde aufgeschreckt, reagieren sie häufig mit Flucht. Das kostet die Tiere wertvolle Energie, die insbesondere im Winter oder während der Jungenaufzucht knapp ist. Zudem können Störungen dazu führen, dass Elterntiere ihre Nester oder Jungen vorübergehend verlassen. Besonders problematisch ist dies für Bodenbrüter wie den Kiebitz oder die Feldlerche: Werden sie aufgeschreckt, flüchten sie von ihrem Nest und lassen Eier oder Küken zeitweise ungeschützt zurück. Diese sind dann Kälte, Hitze oder Fressfeinden ausgesetzt. Auch Rehmütter können durch wiederholte Störungen von ihren Kitzen getrennt werden.

Im Herbst können wiederholte Störungen ebenfalls gravierende Folgen haben. Werden die Tiere dadurch immer wieder von ihrer Nahrungssuche abgehalten, können sie keine überlebenswichtigen Fettreserven für den Winter anlegen. Bei Hirschen und Gämsen findet zu diesem Zeitpunkt außerdem die kräftezehrende Paarung statt. Am empfindlichsten reagieren Wildtiere in der kalten Jahreszeit. „Im Winter brauchen Wildtiere vor allem Ruhe. Das knappe Nahrungsangebot und die Witterungsverhältnisse zehren ohnehin an ihren Energiereserven“, sagt Kuhn. „Werden Wildtiere im Winter aufgeschreckt, verlieren sie wertvolle Energie, die sie kaum wieder ausgleichen können.“

Werden Wildtiere im Winter aufgeschreckt, verlieren sie wertvolle Energie, die sie kaum wieder ausgleichen können.
Foto: Frau mit braunen Haaren und Halskette lächelt in Kamera. Rechts Logo des Deutschen Tierschutzbundes.
Paulina Kuhn Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund

Wichtige Verhaltensregeln

Damit Outdoor-Aktivitäten nicht zulasten von Wildtieren gehen, sollten wir Menschen einige grundlegende Verhaltensregeln beachten. Dazu gehört vor allem, auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben und mit dem Mountainbike nur offizielle Trails zu nutzen. So wird verhindert, dass Wildtiere in ihren Rückzugsräumen unnötig gestört werden. Hundehalter*innen sollten ihre Tiere insbesondere im Wald sowie in der Nähe von Wiesen und Feldern möglichst an der Leine führen, damit sie keine Wildtiere aufscheuchen oder Jungtiere gefährden. Ebenso wichtig ist es, Wildruhegebiete und zeitweise gesperrte Bereiche zu respektieren. Das gilt insbesondere im Winter: Wer mit Tourenski, Schneeschuhen oder abseits präparierter Pisten unterwegs ist, sollte ausgewiesene Routen nutzen und Sperrzonen konsequent meiden.

Auf Wildcampen und nächtliche Aktivitäten sollten Outdoor-Fans ebenfalls verzichten, da viele Tierarten gerade in den Dämmerungs- und Nachtstunden aktiv sind. Selbstverständlich sollte jede*r auch den eigenen Müll und Essensreste wieder mitnehmen. Solche Hinterlassenschaften verschmutzen nicht nur die Natur, sondern können Wildtiere anlocken oder ihre Gesundheit gefährden. „Auch Drohnen haben in sensiblen Naturbereichen nichts verloren. Für viele Tiere wirken die Fluggeräte wie potenzielle Feinde und lösen erheblichen Stress aus“, sagt Kuhn.

Besonders sensible Zeiten für Wildtiere

FrühjahrBrut- und Setzzeit

Viele Vogelarten brüten und Rehe sowie andere Säugetiere bringen ihren Nachwuchs zur Welt. Werden die Elterntiere aufgeschreckt, kann dies die Versorgung der Jungen erschweren oder dazu führen, dass die Nester und die Jungtiere vorübergehend ungeschützt zurückbleiben.

SommerJungenaufzucht

Der Energiebedarf vieler Tiere erreicht seinen Höhepunkt. Elterntiere verbringen viel Zeit damit, Nahrung zu suchen und ihren Nachwuchs zu versorgen. Wiederholte Störungen kosten Kraft und Zeit.

HerbstVorbereitung auf den Winter

Viele Tierarten legen Fettreserven an. Gleichzeitig fällt bei einigen Wildtieren die Paarungszeit in den Herbst. Zusätzlicher Stress kann die Tiere in dieser ohnehin kräftezehrenden Phase belasten und sie von der Nahrungssuche abhalten.

WinterRuhe statt Flucht

Kälte, Schnee und ein knappes Nahrungsangebot stellen Wildtiere vor große Herausforderungen. Jede Fluchtreaktion verbraucht wertvolle Energie. Deshalb sind störungsarme Rückzugsräume im Winter besonders wichtig.

Naturerlebnis und Wildtierschutz im Einklang

Doch die Verantwortung liegt nicht allein bei denjenigen, die ihre Freizeit gerne in der Natur verbringen. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes muss auch die Politik aktiv werden und geeignete Rahmenbedingungen schaffen, um Naturerlebnis und Wildtierschutz in Einklang zu bringen. „Eine klare Beschilderung sensibler Bereiche ist überaus wichtig“, sagt Kuhn. „Auch Erholungssuchende gezielt zu lenken, zum Beispiel durch Naturlehrpfade, Besucher*innen- und Naturschutzzentren oder die Einteilung von Schutzgebieten in verschiedene Zonen, kann dazu beitragen, Wildtiere zu schützen und Rückzugsräume zu schaffen beziehungsweise zu erhalten.“ Informationsbroschüren oder Hinweistafeln zum richtigen Verhalten in der Natur können ebenso einen wichtigen Beitrag leisten. „Außerdem sollten offizielle Wander-, Rad- und Mountainbike-Strecken eindeutig gekennzeichnet sein. So lässt sich verhindern, dass Menschen unbeabsichtigt sensible Lebensräume betreten und Wildtiere stören.“

Wer draußen unterwegs ist, begegnet Wildtieren in der Regel nicht direkt. Umso wichtiger ist das Bewusstsein, dass jeder Besuch Spuren hinterlässt. Wie groß diese sind, hängt davon ab, wie man sich in der Natur verhält. Rücksichtnahme muss nicht heißen, auf Outdoor-Aktivitäten zu verzichten, kann für Wildtiere jedoch einen entscheidenden Unterschied machen.

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