Eine graue Scottish Fold-Katze liegt in einem Körbchen.
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Darum sollten Sie keine Scottish Fold kaufen Lebenslanges Leid von Nadine Carstens

Scottish-Fold-Katzen gelten wegen ihrer typischen Knickohren seit Jahren als beliebte Moderasse. Doch während Halter*innen sie für ihr vermeintlich niedliches Aussehen lieben, zahlen die Tiere einen schmerzhaften Preis.

Mit ihren nach vorn geknickten Ohren erinnert ihr rundes Gesicht an das einer Puppe. Dieses vermeintlich niedliche Aussehen von Scottish-Fold-Katzen, auch Faltohrkatzen genannt, entspricht dem klassischen Kindchenschema und lässt die Herzen unzähliger Katzenliebhaber*innen höherschlagen – auch die von prominenten Halter*innen wie Claudia Schiffer oder Taylor Swift. Durch Letztere erlangten die Rassekatzen endgültig Berühmtheit. So erreichen die Fotos und Videos von der Sängerin und ihren Katzen Millionen Likes auf ihren Social-Media-Kanälen. Der Hype um die Rassekatzen hat dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren weltweit immer mehr Menschen diese Tiere züchten und halten. Doch was viele Katzenfans nicht wissen oder möglicherweise nicht weiter beachten, ist die Tatsache, dass es sich bei Scottish-Fold-Katzen um sogenannte Qualzuchten handelt. 

Genetisch bedingte Knochen- und Knorpelschäden

„Hinter den für die Rasse typischen Knickohren steckt eine genetisch bedingte Erkrankung: die sogenannte Osteochondrodysplasie, kurz OCD“, schildert Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Diese zeichnet sich durch eine Störung des Knochen- und Knorpelwachstums aus und ist nicht allein auf die Ohren begrenzt, sondern betrifft den gesamten Körper – vor allem den Schwanz und die Beine.“ Kurz nach der Geburt der Katzen sehen ihre Ohren noch normal aus und sind noch nicht nach vorne geknickt. Dieses Merkmal entwickele sich erst drei bis vier Wochen nach der Geburt, wenn die OCD weiter voranschreite, so die Tierärztin.

Später macht sich die Erkrankung unter anderem auch durch Lahmheit, einen steifen oder gestelzten Gang oder auch unförmige, geschwollene Gliedmaßen und einen unbeweglichen Schwanz bemerkbar. „Die Katzen leiden im Laufe ihres Lebens unter immer schlimmer werdenden Schmerzen und können ihre ganz natürlichen Verhaltensweisen kaum noch ausüben“, erläutert Hoth-Zimak. Ihre Beschwerden machen es ihnen zum Beispiel unmöglich, normal zu klettern, zu kratzen, zu balancieren oder auch zu springen und zu spielen. „Leider lässt sich die OCD-Erkrankung nicht therapieren – es ist lediglich möglich, die Schmerzen zu lindern“, sagt die Expertin. „Oft sind ihre Beschwerden aber so groß, dass die Katzen bereits im jungen Alter von ihrem Leid erlöst und eingeschläfert werden müssen.“

Die Katzen leiden im Laufe ihres Lebens unter immer schlimmer werdenden Schmerzen und können ihre ganz natürlichen Verhaltensweisen kaum noch ausüben.
Portrait von Lisa Hoth-Zimak
Lisa Hoth-Zimak Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund

Probleme bei der Kommunikation und Orientierung

Abgesehen von den Schmerzen sind die Tiere wegen ihrer Faltohren auch beim Hören und in ihrer Kommunikation stark eingeschränkt. Von Natur aus verfügen Katzen eigentlich über ein ausgezeichnetes Gehör. Sie können ihre Ohren unabhängig voneinander ausrichten, sodass sie Geräusche in ihrem Umfeld besonders gut wahrnehmen und sich in der Dämmerung und Nacht hervorragend orientieren. Außerdem sind die normalerweise aufrechtstehenden Ohren essenziell für Katzen, um sich sowohl mit Artgenossen als auch mit anderen Tieren oder Menschen zu verständigen. So können sie darüber Stimmungen wie Angst, Aggression oder auch Aufmerksamkeit ausdrücken. Die durch die genetisch bedingten Knorpelschäden dauerhaft angelegten Ohren bei Scottish-Fold-Katzen legen andere Katzen jedoch als Angst oder Aggression aus, sodass es zu Missverständnissen unter den Tieren und somit häufiger zu Biss- und Kratzverletzungen kommen kann. Auch ihren Schwanz können Scottish-Fold-Katzen nicht, wie es von der Natur vorgesehen ist, nutzen, um darüber zu kommunizieren oder ihr Gleichgewicht zu halten. „Betroffene Katzen sind ohne Schmerzmittel und teils auch Operationen nicht in der Lage, ein normales Katzenleben führen“, sagt Hoth-Zimak. 

Mehr Qualzuchten in Tierheimen

Oft fühlen sich die Halter*innen von Scottish-Fold-Katzen mit der Erbkrankheit ihrer Schützlinge überfordert oder können die hohen Kosten für die tierärztlichen Behandlungen nicht tragen – viele entscheiden sich dann, ihre Katzen im Tierheim abzugeben. Manche setzen sie sogar aus. So betreuen zunehmend mehr Einrichtungen solche Qualzuchtrassen. Zum Beispiel berichtet der Hamburger Tierschutzverein von 1841, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, dass dessen Tierpfleger*innen sich allein im Jahr 2022 um insgesamt 20 Faltohrkatzen kümmern mussten. Auch die uns angeschlossenen Tierheime in Bremen, Cottbus und Essen, um nur ein paar Beispiele zu nennen, betreuen eine immer weiterwachsende Zahl dieser Katzen. „Als besonders gefragte Rassetiere sind Scottish-Fold-Katzen auch oft Opfer von illegalem Handel und werden im Ausland gezüchtet und im Internet von unseriösen Anbieter*innen an unerfahrene Halter*innen verkauft“, schildert Hoth-Zimak. Dies erklärt ebenfalls die steigenden Zahlen in Tierheimen.

Coverfoto DUDT-Ausgabe 3/25
Orangutan-Mutter sitzt mit ihrem an sich gekuschelten Kind mitten im Regenwald

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Qualzuchten: keine klare Rechtslage

Manche Länder wie Belgien, Österreich und zuletzt auch die Niederlande gehen mit gutem Beispiel voran und haben die Zucht und teilweise auch den Handel und die Haltung von Scottish-Fold-Katzen gesetzlich verboten. Aus Tierschutzsicht wäre es allerdings noch besser, nur das Qualzuchtmerkmal als solches und in Verbindung mit den auftretenden Symptomen zu benennen. Andernfalls können Züchter*innen der Rasse einen neuen Namen geben, sodass sich die Problematik wiederholen würde. In Deutschland ist die Rechtslage in Sachen Qualzuchten generell noch schwammig und wird in den Bundesländern unterschiedlich umgesetzt. Eigentlich sind Zuchten laut Tierschutzgesetz verboten, wenn dadurch bei den Tieren erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen, diese untauglich oder umgestaltet sind und somit Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Behörden haben jedoch aufgrund dieser vagen Definition Schwierigkeiten, die Qualzuchten rechtlich zu verfolgen. „Damit Behörden besser gegen Qualzuchten vorgehen und Zuchtverbote einfacher durchsetzen können, muss klar definiert sein, was als Qualzucht gilt“, mahnt Hoth-Zimak. In Einzelurteilen wurden Scottish Fold bereits verboten, wie beispielsweise in Bayern. „Allerdings muss bei jedem Fall erneut geprüft und nachgewiesen werden, ob eine Qualzucht vorliegt. Dies bedeutet einen enormen Aufwand für die meist eh schon überlasteten Veterinärämter.“

EU-Parlament stimmt für striktere Auflagen

Innerhalb der EU existierte bislang ebenfalls keine einheitliche Regelung zu solchen Qualzuchtrassen. Doch nun kommt endlich Bewegung in die Sache: Im Juni 2025 stimmte im EU-Parlament eine breite Mehrheit für neue Regelungen zum besseren Schutz von Hunden und Katzen. Demnach soll es unter anderem künftig verboten sein, gezielt Tiere mit Qualzucht-Merkmalen zu züchten. Diese neuen Richtlinien hatte die EU-Kommission bereits 2023 vorgeschlagen. Wir als Deutscher Tierschutzbund haben diesen Gesetzesprozess von Anfang an intensiv begleitet. Bevor das Gesetz formell verabschiedet wird, müssen im nächsten Schritt Parlament, Rat und Ausschuss im sogenannten Trilog noch eine Einigung finden.

Das fordert der Deutsche Tierschutzbund

„Wer sich für einen tierischen Gefährten interessiert, sollte bitte niemals eine Scottish-Fold-Katze von Züchter*innen oder im Internet kaufen, um die Qual dieser Tiere nicht weiter zu fördern“, betont Hoth-Zimak. Aus unserer Sicht müssen die Zucht und der Handel von Scottish-Fold-Katzen und anderen Qualzuchten grundsätzlich ein Ende haben – sowohl bundes- als auch EU-weit. Um gegen das Leid der Tiere vorzugehen, fordern wir:

  • Eine rechtlich verbindliche Verordnung, die klar definiert, was als Qualzucht gilt. Mit unserem Entwurf für eine Qualzuchtverordnung zeigen wir, wie diese aussehen sollte.
  • Ein Verbot für die Zucht, die Haltung, den Import und den Verkauf von Qualzuchten sowie für das Ausstellen von und die Werbung mit betroffenen Tieren.
  • Die Einführung einer Qualzuchtkommission, bestehend aus verschiedenen Expert*innen wie Tierärzt*innen und Genetiker*innen, die bereits vor Zuchtaufnahme über ein durch Züchter*innen erstelltes Zuchtprogramm und die Zulassung einer Zucht entscheidet.
  • EU-weit einheitliche Regelungen zu Zuchtverboten für Tiere mit Qualzuchtmerkmalen.
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