Rinder stehen auf einer vertrockneten Wiese.
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Wie hohe Temperaturen Kühen und Co. zusetzen Belastende Hitze von Sandy Syperek

Nicht nur wir Menschen haben mit Hitzewellen zu kämpfen, auch Tiere in der Landwirtschaft machen hohe Temperaturen massiv zu schaffen. Dürren führen zudem zu Futtermangel. Zurückzuführen sind solche Wetterextreme und ihre Folgen unter anderem auf die intensive Landwirtschaft selbst. Der Deutsche Tierschutzbund zieht Bilanz nach dem Rekordsommer 2026 und zeigt, welche Maßnahmen mit Blick auf zukünftige Hitzeperioden jetzt nötig sind.

Brütende Hitze, gemessene Temperaturen von über 40 Grad Celsius, gelbe Wiesen und Ernteeinbrüche – gleich mehrere Hitzewellen hatten Westeuropa diesen Sommer fest im Griff. In Frankreich sind deshalb etwa drei Millionen Masthühner innerhalb weniger Tage verendet. Allein in den Regionen Bretagne und Pays de la Loire starben Hunderttausende Hühner einen Hitzetod – sowohl in Stall- als auch in Freilandhaltung. Diese Tiere konnten ihre überschüssige Körperwärme bei Höchsttemperaturen von 44,3 Grad Celsius nicht mehr ausreichend über ihre Atmung abgeben. „Mit zunehmenden und extremeren Hitzewellen infolge des Klimawandels steigt das Risiko für hitzebedingtes Tierleid bis hin zum Tod“, sagt Franziska Hagen, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Auch hierzulande kamen schätzungsweise mindestens Zehntausende „Nutz“tiere hitzebedingt ums Leben. In Niedersachen verendete im Juni laut Ministerium dreimal so viel Geflügel wie sonst üblich. Es ist das einzige Bundesland, das Zahlen dazu veröffentlich hat. Systematisch werden Hitzetode bei landwirtschaftlich genutzten Tieren in Deutschland nicht erfasst. Grundsätzlich werden sogenannte Falltiere, also Tiere, die vor der Schlachtung verenden oder getötet werden, nicht einheitlich erhoben – mit Ausnahme von Rindern.

Was Hitze mit Tieren in der Landwirtschaft macht

Die Hitzebelastung macht sich bei allen landwirtschaftlich genutzten Tieren durch ähnliche körperliche Reaktionen bemerkbar. Sie hecheln, atmen schneller und ihre Körpertemperatur sowie Herzfrequenz steigen an. Folglich fressen sie weniger und sind anfälliger für Infektionskrankheiten. Auch ihre angezüchteten Höchstleistungen lassen nach. „Rinder reagieren bereits auf Temperaturen ab etwa 16 Grad Celsius empfindlich“, erläutert Dr. Melanie Dopfer, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Ab etwa 26 Grad Celsius drohen Schweinen, Hühnern und Schafen Hitzestress, Kreislaufprobleme und Dehydrierung. Tiere in der Landwirtschaft sind aufgrund der leistungsorientierten Zucht ohnehin besonders anfällig für heiße Temperaturen. Geflügel und Schweine trifft die Hitze sehr, da sie nicht nennenswert schwitzen und ihre Körpertemperatur nur eingeschränkt regulieren können. „Vor allem in der konventionellen Intensivhaltung können Tiere der Hitze kaum ausweichen, da sich sehr viele Artgenossen dicht gedrängt auf engem Raum befinden, meist ohne ausreichende Lüftungssysteme oder Zugang zu einem Auslauf ins Freie“, so Hagen. Dies erschwert die Wärmeabgabe und begünstigt darüber hinaus, dass sich Infektionserreger schnell ausbreiten.

Hitzeschutz ist Tierschutz

Damit Hühner, Schweine und Co. nicht in Hitzestress geraten, sind ausreichend Schattenplätze, verbesserte Belüftung und Kühlung, zum Beispiel durch Ventilatoren oder Verdunstungskühlung, sowie Wärmedämmung und Sonnenschutz an Dächern und Wänden wichtig. Weidetiere sollten während besonders starker Hitze erst in den Nachtstunden auf die Wiesen. Dass die Tiere jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist in Hitzeperioden unverzichtbar. Denn an heißen Tagen steigt ihr Wasserbedarf erheblich. „Die meisten Betriebe schützen ihre Tiere nicht ausreichend vor der Hitze“, sagt Hagen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu überarbeiten und darin Hitzeschutzmaßnahmen aufzunehmen sowie weniger Hochleistungsrassen und Tiere insgesamt zu halten.

Futterknappheit und frühere Schlachtungen

Die Hitze beansprucht nicht nur Tiere direkt, sondern auch die Natur wie Wiesen und Felder, und somit ihre Versorgung. Weidetiere fanden diesen Sommer nicht mehr ausreichend Nahrung auf verdorrten Wiesen. Landwirtinnen und Landwirte konnten viel weniger Gras schneiden als üblich und mussten schon früh auf für den Winter vorgesehene Futtervorräte zurückgreifen. Ernteeinbrüche wie zu kleiner Mais spannten die Futtersituation zusätzlich an. In Baden-Württemberg standen im August 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als sonst um diese Jahreszeit, wie der Landesbauernverband mitteilte. In Bayern und Hessen herrschten den dortigen Verbänden zufolge ebenfalls Futterknappheit. Die schwierige Lage sorgte dafür, dass einige Landwirtinnen und Landwirte ihre Tiere eher schlachten ließen. Frühere Schlachtungen resultieren aus der Angst vor finanziellen Verlusten, weil Tiere sich nicht wie gewohnt mästen ließen oder die Gefahr bestand, dass sie hitzebedingt sterben. „Die ökonomisch orientierte Schlachtentscheidung zeigt, dass Tiere in erster Linie als Produkt behandelt werden, das frühzeitig ,verwertet‘ wird, anstatt es besser vor Hitze zu schützen“, sagt Dr. Isabel Knößldorfer, Referentin für Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund. Es ist denkbar, dass die ungeplante Reduktion der Tierbestände im nächsten Jahr zu zusätzlichen Fleischimporten führt, anstatt den heimischen Konsum entsprechend anzupassen. „Das zeigt, dass das System auf Krisen nicht mit Lösungen, sondern mit Verlagerung reagiert“, so Knößlsdorfer weiter.

Tierische Produkte tragen zum Klimawandel bei

Ursächlich für solche Extremwetterlagen und ihre Folgen sind unter anderem die Dimensionen der landwirtschaftlichen Tiernutzung selbst.Dass die Tiere als Schnitzel oder Wurst sowie ihre Milch oder Eier auf unseren Tellern landen, ist zu großem Teil für den Klimawandel verantwortlich, durch den sich Hitzewellen häufen. Denn die massenhafte Tierhaltung verbraucht äußerst viele Ressourcen und trägt zu hohen Emissionen bei. 2025 produzierte die deutsche Landwirtschaft 53,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, was 8,2 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen des Jahres entsprach. Davon lassen sich 34,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, also 64,5 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen, allein auf die Tierhaltung zurückführen. Aber auch die Fertigung tierischer Lebensmittel und das Ernährungssystem als Ganzes hat drastische Auswirkungen. Global betrachtet produziert das Ernährungssystem circa ein Drittel aller Treibhausgase – zwei Drittel davon sind auf Fleisch und andere tierische Produkte zurückzuführen. Darüber hinaus dient der Großteil der landwirtschaftlichen Fläche dem Futteranbau für „Nutz“tiere, in Deutschland sind es circa 50 Prozent. Zusätzlich wird Kraftfutter und Dünger aus anderen Ländern eingekauft, wodurch sich bei Dürren die Abhängigkeit solcher Importe verstärkt.

Die ökonomisch orientierte Schlachtentscheidung zeigt, dass Tiere in erster Linie als Produkt behandelt werden, das frühzeitig ,verwertet’ wird, anstatt es besser vor Hitze zu schützen.
Portrait von Dr. Isabel Knößlsdorfer
Dr. Isabel Knößlsdorfer Referentin für Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund

Pflanzliche Ernährung ist resilienter

Solche extremen, langanhaltenden Hitzewellen wie in diesem Jahr werden künftig häufiger vorkommen. Daher ist es wichtig, sich entsprechend auf die kommenden Sommer vorzubereiten. Ein stärker auf pflanzliche Lebensmittel ausgerichtetes Ernährungssystem ist nicht nur tierfreundlich, sondern auch resilienter gegenüber Krisen wie monatelange Hitze- und Dürreperioden. „Vielfältige Fruchtfolgen, zum Beispiel mit Hülsenfrüchten, können Ertragsverluste in Dürrejahren verglichen mit Mais- und Getreidemonokulturen, wie sie beim Futtermittelanbau üblich sind, reduzieren“, erklärt Knößlsdorfer. Sie bringen weitere Vorteile mit sich, unter anderem bauen Zwischenfrüchte wie Ölrettich und Fruchtfolgen die Bodengesundheit auf. Hülsenfrüchte liefern natürlichen Stickstoff und machen uns unabhängiger von Kunstdünger, dessen Herstellung energie- und importabhängig ist. Der vermehrte Anbau pflanzlicher Lebensmittel für den menschlichen Konsum steigert langfristig die Ernährungssicherheit der Bevölkerung, da auch weniger Fläche und Erntemenge über den Umweg der Tierfütterung verloren gehen. „Die Tierzahlen drastisch zu senken, die Landwirtschaft gerecht umzubauen und die pflanzliche Ernährung als Standard statt als Ausnahme voranzutreiben, sind wichtige Bausteine, um die Auswirkungen des Klimawandels zu entschärfen“, appelliert Knößlsdorfer. Ein wirksamer Hebel gegen den Klimawandel und für den Tierschutz ist unser Ernährungssystem – den darf die Politik nicht länger ignorieren.

Ein Straßenkätzchen versteckt auf einem Industriegelände

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