Verängstigtes Kaninchen in Laborkäfig.

Über drei Millionen Tiere leiden und sterben jährlich für die Wissenschaft Diese Zahlen zu Tierversuchen sollten Sie kennen

Einmal im Jahr veröffentlicht das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) die Zahl der Tiere, die in Deutschland für Tierversuche verwendet werden. Die bloßen Zahlen, die nach wie vor Millionen Tiere auflisten, sind genauso erschreckend wie die Statistiken der Europäischen Union.

Wie viele Tiere leiden in Deutschland jährlich in Tierversuchen?

2024 wurden insgesamt 3.063.569 Tiere im Namen der Wissenschaft „verbraucht“, diese wurden größtenteils getötet. Das sind die aktuellsten vorliegenden Zahlen in Deutschland, die das Bf3R veröffentlicht hat. 1.327.931 wurden in Tierversuchen verwendet, weitere 626.538 wurden getötet um ihre Organe oder Gewebe für Forschungszwecke zu benutzen. Aber noch viel mehr, nämlich 1.109.100 Tiere, wurden als sogenannte „Überschusstiere" getötet. So werden diese Tiere bezeichnet, da sie zwar für die Wissenschaft gezüchtet wurden, die Labore dann aber doch keine Verwendung für sie hatten. Dafür kann es schon ausreichen, dass sie nicht das gesuchte Geschlecht oder das passende Alter für das jeweilige Experiment haben. Sie werden dann „entsorgt“, also getötet. Denn für die Labore sei es schlicht zu teuer, die Überschusstiere alle bis an ihr natürliches Lebensende zu versorgen.

Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren die Bundesländer mit dem höchsten "Verbrauch" an Tieren.

WELCHE TIERE WURDEN 2024 IN TIERVERSUCHEN VERWENDET? 2024 für Tierversuche in Deutschland verwendet (Auswahl):

Mäuse:

über 956.000

Fische:

über 176.000

Ratten:

über 83.000

Kaninchen:

fast 58.000

Hunde:

2.220

Primaten:

1.088

Katzen:

698

sowie weitere Tierarten.

Insgesamt 47.708 Tiere erlitten in den Versuchen den höchsten Grad an Schmerzen, Leiden oder Schäden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Tiere in Tierversuchen ersticken, nachdem ihnen Chemikalien gespritzt wurden.

Welche Tiere sind „überschüssig“?

Unter den 1.109.100 Überschusstieren befinden sich vor allem Mäuse (88,6 Prozent), gefolgt von Zebrafischen (9,3 Prozent). Aber auch 10.907 Ratten waren es im Jahr 2024, die geboren wurden, um durch deutsche Labore „entsorgt“ zu werden, weil diese keine Verwendung für die Tiere hatten.

Welchem Zweck dienten die Tierversuche 2024?

2024 litten mehr als die Hälfte der Tiere in Tierversuchen in Deutschland allein für die Grundlagenforschung. Diese Experimente haben also weder einen konkreten noch einen absehbaren Nutzen, sondern dienen dem reinen Erkenntnisgewinn. In der angewandten Forschung werden Tiere beispielsweise künstlich krank gemacht, um an ihnen als Modell diverse Krankheiten des Menschen zu untersuchen. Doch Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nur schwer auf den Menschen übertragen und bringen nicht den erhofften Durchbruch bei dringend benötigten Therapien für Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson.

Wie steht Deutschland im Europa-Vergleich da?

Deutschland liegt beim Tierverbrauch hinter Frankreich und Norwegen auf Platz drei – das zeigen die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2023 zu Tierversuchen innerhalb der Europäischen Union (EU).1 Demnach wurden 2023 in der gesamten EU (inklusive Norwegen) 8.076.595 Tiere zu Versuchszwecken verwendet. Hinzu kommen 997.013 Tiere, die zur Herstellung oder Erhaltung genetisch veränderter Linien eingesetzt wurden. Die Gesamtzahl beläuft sich somit auf 9.073.608 Tiere – das sind weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2022 wurden unter anderem weniger Nagetiere, Hunde und Primaten verwendet, dafür aber mehr Fische, Kopffüßer und Katzen. Nicht eingerechnet sind jene Tiere, die Labore als „Überschuss“ entsorgen oder die zur Entnahme von Organen und Geweben zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden.

Jemand hält eine weiße Ratte auf dem Arm und richtet eine Spritze auf sie.
Gegen Tierversuche


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Wir fordern die Bundesregierung auf, eine Strategie zu entwerfen, wie man aus Tierversuchen aussteigen und diese langfristig komplett durch tierversuchsfreie Methoden ersetzen kann. Bis diese Tierversuche überflüssig machen und sie komplett abgeschafft werden, muss die Regierung aus Tierschutzsicht mindestens:

  • die Förderung von tierversuchsfreien Methoden massiv ausweiten und im Gegenzug die Förderung von Tierversuchsprojekten soweit einschränken, dass diese nur noch mit niedrigster Priorität gefördert werden.
  • schwer belastende Tierversuche und Versuche an nichtmenschlichen Primaten sofort verbieten.
  • das Genehmigungsverfahren von Tierversuchen anpassen. Denn zu bewerten, ob ein Tierversuch unerlässlich und ethisch vertretbar ist, darf nicht weiterhin den Antragstellenden selbst überlassen werden.

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Tilo Weber

Tilo Weber ist Diplombiologe und Fachreferent für tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. An unserer Akademie für Tierschutz arbeitet er seit vielen Jahren an den Themen Versuchstierzahlen, Fütterungsstudien, tierische Labormaterialien und Gentechnik.

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Joscha Duhme

Joscha Duhme ist Redakteur beim Deutschen Tierschutzbund. Der Diplom-Journalist (FH) möchte mit fundierten Informationen rund um den Tierschutz aufklären und Denkanstöße liefern. Denn ein guter Gedanke kann der erste von vielen kleinen und großen Schritten zu Veränderung im Sinne der Tiere sein.

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