Dr. Moira Gerlach ist Tierärztin und Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Sie arbeitet seit vielen Jahren an der Akademie für Tierschutz und beschäftigt sich u.a. mit den Themen Haltung von Katzen und Tierernährung.

Versteckte Gefahren für Katzen Was ist giftig für Katzen?
Im Haushalt und im Garten lauern viele Gefahren für Katzen. Denn unter anderem sind bestimmte Pflanzen, Lebensmittel und Putzmittel für Katzen giftig und können zum Teil sogar tödlich sein. Wir geben Ihnen einen Überblick, wo sich überall Giftstoffe verbergen.
Wer Katzen hat oder adoptieren möchte, gestaltet sein Zuhause möglichst katzengerecht und sicher für das Tier. Dabei stellen sich viele auch die Frage: Was ist giftig für Katzen? Denn Katzen sind neugierige Tiere und nicht alle Gefahren sind für Halter*innen auf den ersten Blick ohne Vorwissen ersichtlich. So können beispielsweise scheinbar harmlose Pflanzen für Katzen schnell zum Alptraum werden, da sie giftige Stoffe enthalten.
Gefahrenquellen im Überblick

Lilie, Einblatt, Efeutute, Fingerhut, Maiglöckchen, Ficus elastica, Anthurien, Weihnachtsstern, Dieffenbachie, Efeu, Oleander, Rhododendron, Tulpe

Schnittlauch, Salbei

Kakao, Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch

Rattengift, Schneckenkorn, Frostschutzmittel

Aspirin, Paracetamol
Haushaltsreiniger
Diese Pflanzen sind giftig für Katzen
Viele Zimmerpflanzen in der Wohnung zu haben, liegt im Trend. Manche Pflanzenliebhaber*innen legen sich mit den unterschiedlichsten Pflanzen, die außergewöhnlich geformte oder gemusterte Blätter haben, in den eigenen vier Wänden einen kleinen privaten Dschungel zu. Dieses Phänomen ist auch als „Urban Jungle“ bekannt. Jedoch sind zahlreiche Pflanzen für Katzen giftig. Da manche Tiere gerne an Pflanzen knabbern, sind giftige Pflanzenarten in Katzenhaushalten gefährlich – auch eine einzelne Zimmerpflanze, die verloren in der Ecke steht. Dass Katzen auf Gräsern kauen, ist ganz natürlich und hilft ihnen dabei, verschlucktes Fell leichter herauszuwürgen. Vor allem Halter*innen von Wohnungskatzen sollten ihren Tieren deshalb stets Katzengras zur Verfügung stellen.
Giftige Pflanzen
Alle Arten von Lilien sind bereits in kleinsten Mengen extrem giftig für Katzen und können Nierenversagen verursachen. Gleiches gilt für das Wasser, wenn die Blumen geschnitten als Strauß in einer Vase stehen, da die Giftstoffe von den Stängeln in das Blumenwasser übergehen.
Das Einblatt und die Efeutute sind sehr giftig für Katzen.
- Beim Einblatt sind Blätter, Stiele und auch das Pflanzenwasser im Untersetzer schädlich.
- Bei der Efeutute sind vor allem Triebe, Blätter und das Pflanzenwasser im Untersetzer giftig.
- Diese Gewächse enthalten Pflanzensäfte, die die Schleimhäute von Katzen reizen und anschwellen lassen sowie Speicheln verursachen. Auftreten können auch Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und bei großen Mengen Herzrhythmusstörungen und Atemnot.
Der gesamte Fingerhut und auch Maiglöckchen sind hochgiftig für Katzen. Die darin enthaltenen Herzglykoside verursachen Herzrhythmusstörungen sowie schwere Magen-Darm-Beschwerden.
- Der Ficus elastica, auch als klassischer Gummibaum bekannt, ist giftig für Katzen.
- Giftig für Katzen sind auch Anthurien, hier insbesondere die Blätter und das Pflanzenwasser im Untersetzer.
- Weihnachtssterne sind aufgrund ihres giftigen Milchsaftes gefährlich für Katzen.
- Alle diese Pflanzen können bei den Tieren Übelkeit, Speicheln, Erbrechen, Durchfall und auch Herzrhythmusstörungen auslösen.
Die Trendpflanzen Monstera und Dieffenbachie sind für Katzen giftig, da sie giftige Säuren enthalten. Hier sind alle Pflanzenbestandteile giftig. Sie lösen starkes Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Atemnot durch Anschwellen der Schleimhäute sowie Herzrhythmusstörungen aus.
Gefährlich für Katzen sind außerdem Efeu, Oleander, Rhododendron und Tulpen. Die darin enthaltenen Giftstoffe greifen unter anderem den Magen-Darm-Trakt und das Herz an.
- Alle Bestandteile der Aloe Vera sind giftig für Katzen und können Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen auslösen.
- Auch der Elefantenfuß ist als gesamte Pflanze giftig für Katzen und führt zu Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Schleimhautreizungen.

Giftige Kräuter
- Schnittlauch ist unter den Küchenkräutern besonders gefährlich, da er bei Katzen rote Blutkörperchen zerstört.
- Viele Gewürzkräuter wie zum Beispiel Thymian und Salbei sind in großen Mengen wegen des speziellen Stoffwechsels von Katzen problematisch. Die Kräuter enthalten ätherische Öle, die Katzen nicht abbauen können. Diese können unter anderem den Magen-Darm-Trakt reizen.

Küchen-Check Giftige Lebensmittel
Was uns schmeckt, kann für Katzen teilweise tödlich sein. So sind einige unserer Lebensmittel für Katzen giftig.
Kakao und kakaohaltige Nahrungsmittel wie Schokolade, vor allem dunkle Sorten, sind aufgrund des Wirkstoffs Theobromin giftig für Katzen. Sie können vor allem zu Magen-Darm-Beschwerden und Herz-Kreislauf-Problemen führen.
Koffein, das in Kaffee und verschiedenen Teesorten enthalten ist, zählt zu den gefährlichen Nahrungsmitteln, da Katzen den Stoff deutlich langsamer abbauen als Menschen. Es kann daher Unruhe bis hin zu Herzrhythmusstörungen verursachen.
Zwiebeln und Knoblauch zählen aufgrund von schwefelartigen Aminosäuren zu den giftigen Lebensmitteln für Katzen, da sie rote Blutkörperchen zerstören und somit eine Blutarmut auslösen können.

Pestizide und Chemikalien
Chemische Substanzen sind gefährlich für Katzen, Pestizide wie Rattengift mit Cumarinen oder Alpha-Chloralose sogar lebensgefährlich.
- Rattengift auf Cumarin-Basis hemmt meist die Blutgerinnung. Dadurch kann es sowohl innere als auch äußere Blutungen verursachen, beispielsweise Nasenbluten oder Blutergüsse – oft erst Tage, nachdem Katzen es gefressen haben. Kleine Verletzungen hören bei dieser Vergiftung zudem nicht auf zu bluten.
- Alpha-Chloralose führt zu einem extremen Abfall der Körpertemperatur. Entsprechend vergiftete Katzen können durch die Unterkühlung sterben, vor allem, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden.
- Katzen können sich mit Alpha-Chloralose und Rattengift auf Cumarin-Basis auch vergiften, indem sie vergiftete Beutetiere fressen. Das kommt häufiger vor, als dass sie das Gift direkt fressen.
- Katzenbesitzer*innen sollten auf keinen Fall Schneckenkorn mit Metaldehyd in ihrem Garten einsetzen. Es führt zu Krämpfen und epileptischen Anfällen, die bereits nach circa 30 bis 60 Minuten auftreten können.
- Frostschutzmittel sind für Katzen extrem giftig. Hat eine Katze dieses Mittel aufgeschleckt, ist sie zunächst benommen. Zwölf bis 24 Stunden später führt das in Frostschutzmitteln enthaltene Ethylenglykol zu akutem Nierenversagen, das ohne rechtzeitige Behandlung in der Regel tödlich endet.
Putzmittel und Medikamente
Viele Haushaltsreiniger enthalten den für Katzen giftigen Wirkstoff Benzalkoniumchlorid. Wenn eine Katze mit einem solchen Putzmittel in Kontakt kommt und es ableckt, kann sie unter vermehrtem Speicheln, Fieber und starken Hautreizungen leiden. Das kann zudem die Schleimhaut im Maul reizen und es können Geschwüre entstehen. Diese sind so schmerzhaft, dass die Katzen dann nicht mehr fressen und oft tierärztliche Betreuung benötigen oder sogar künstlich ernährt werden müssen, bis die Reizungen und Geschwüre verheilt sind. Grundsätzlich können nahezu alle Haushaltsreiniger bei Katzen allergische Reaktionen hervorrufen. Katzenhalter*innen sollten deshalb so oder so sparsam mit Haushaltsdesinfektions- und Reinigungsmitteln umgehen. Wichtig ist, dass sie anschließend alle Gegenstände, mit denen die Katzen im Haushalt in Berührung kommen können, mit klarem Wasser abspülen.
Auch Medikamente für Menschen wie zum Beispiel Aspirin und Paracetamol sind für Katzen giftig. Daher sollten sie am besten gut verschlossen, außer Reichweite aufbewahrt und Katzen niemals verabreicht werden.
Wie erkenne ich die Vergiftung einer Katze?
Eine Vergiftung bei Katzen kann sich je nach Gift sehr vielfältig äußern, vor allem die aufgenommene Menge ist relevant. Tiere können zudem individuell auf Giftstoffe reagieren. Häufige Symptome bei Katzen sind beispielsweise:
- Erbrechen
- (blutiger) Durchfall
- Kreislaufprobleme
- Zittern
- Krämpfe
- blasse Haut und (blaue) Schleimhäute
- Atemnot
Was tun, wenn die Katze etwas Giftiges gefressen hat?
Wenn eine Katze giftige Pflanzen, Lebensmittel oder anderweitige toxische Substanzen gefressen hat, ist schnelles Handeln erforderlich:
- Suchen Sie so schnell wie möglich eine tierärztliche Praxis oder eine Tierklinik auf. Am besten ruft eine zweite Person direkt dort an, um den Fall anzukündigen.
- Wichtige Informationen sind, was, wann und wie viel das Tier zu sich genommen hat. Nehmen Sie Verpackungen und Beipackzettel mit, wenn sie griffbereit sind.
- Bitte nicht: Lösen Sie bei Ihrer Katze selbst kein Erbrechen aus, da sie damit versehentlich die Speiseröhre verletzen oder Substanzen in die Lunge verabreichen könnten.
- Lassen Sie auch einen bloßen Verdacht auf Vergiftung tierärztlich abklären, da unbehandelte Fälle tödlich enden können.
So schützen Sie Ihre Katze vor Vergiftungen
- Halten Sie giftige Substanzen wie Haushaltsreiniger und Medikamente sowie giftige Lebensmittel wie Kakao, Zwiebeln und Co. sicher verschlossen oder bewahren Sie sie außer Reichweite von Katzen auf.
- Setzen Sie keine Pestizide wie z.B. Rattengift ein. Die Giftstoffe sind nicht nur für Ihre Katze gefährlich, sondern auch für Mäuse und Ratten äußerst grausam, da sie bei den Tieren zu einem langsamen und schmerzhaften Tod durch inneres Verbluten und Organversagen führen.
- Verzichten Sie auf giftige Pflanzen in der Wohnung und im Garten. Das bedeutet nicht, dass sie gar keine Pflanzen besitzen dürfen.
Diese Vorkehrungen bescheren Katzen in ihrem liebevollen Zuhause idealerweise ein langes und glückliches Leben.







