Dr. Romy Zeller ist Tierärztin und Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. In unserer Akademie für Tierschutz arbeitet sie seit Jahren v.a. am Thema Illegaler Heimtierhandel und Onlinehandel mit Tieren.

Wellensittiche als Heimtiere - Bedürfnisse und Charakter So halten Sie Wellensittiche richtig
Wellensittiche sind beliebte Heimtiere. Doch viele Menschen halten sie falsch, weil sie ihre Bedürfnisse nicht kennen. Wer ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen will, muss sich vorher genau über die Tierart informieren.
Wellensittiche sind verspielt, neugierig und lebhaft. Deshalb sind sie beliebte Heimvögel. Viele leben jedoch in zu kleinen Käfigen. Sie bekommen oft falsches Futter oder werden immer noch einzeln gehalten. Doch sie sind soziale und anspruchsvolle Tiere. Sie brauchen viel Platz, Artgenossen und Beschäftigung. Sie können bis zu 15 Jahre alt werden. Wer Wellensittiche hält, übernimmt langfristig Verantwortung. Informieren Sie sich gut, bevor Sie Wellensittiche aufnehmen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Vögeln ein schönes Zuhause bieten.
Niemals allein halten
In freier Wildbahn leben Wellensittiche in Schwärmen. Oft sind das mehrere tausend Tiere. Nur mit Artgenossen können Wellensittiche ihr Sozialverhalten ausleben. Sie putzen sich gegenseitig das Gefieder. Sie füttern einander. Sie spielen zusammen. Wir empfehlen mindestens ein Pärchen. Besser ist eine Gruppe aus vier oder mehr Vögeln.
Eine Einzelhaltung der geselligen Tiere ist tierschutzwidrig. Ein einzeln gehaltener Vogel leidet und kann schwere Verhaltensprobleme entwickeln.
Diese Vögel passen gut zusammen
Wellensittiche gehen im Schwarm meist feste Bindungen ein. Trennen Sie Paare nicht beim Umzug ins neue Zuhause. Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis von Männchen und Weibchen. Zwei Männchen verstehen sich meist gut – auch ohne Weibchen. Das Alter ist eher unwichtig. Wichtiger ist, dass sich die Tiere gut verstehen. Bringen Sie neue Vögel langsam zusammen. Stellen Sie sie erst in getrennte Käfige nebeneinander. Sind sie ruhig? Zeigen sie Interesse aneinander? Dann können Sie sie vorsichtig probeweise zusammensetzen. Machen Sie das unter Aufsicht. Am besten an einem neutralen Ort wie einem Kletterbaum. Wellensittiche sollten nur mit Artgenossen leben. Andere Vogelarten passen nicht zu ihnen. Sie leben und kommunizieren anders.

Wellensittiche brauchen viel Platz
Wellensittiche müssen fliegen können.Standardkäfige aus dem Zoofachhandel sind zu klein. Besser ist eine große Voliere mit Tageslicht und ruhigen Rückzugsorten. Sie sollte für zwei bis sechs Vögel mindestens zwei Meter lang, einen Meter breit und zwei Meter hoch sein. Sie möchten mehr als sechs Vögel halten? Dann erweitern Sie für jedes weitere Vogelpaar die Grundfläche der Voliere um die Hälfte – zuerst in der Länge, dann in der Breite. Richten Sie außerdem mehr Rückzugsmöglichkeiten, Sitzgelegenheiten, Futter- und Wasserplätze ein. So vermeiden Sie Kämpfe um Ressourcen. Zusätzlich sollten Sie Ihre Vögel jeden Tag frei in einem gesicherten Zimmer fliegen lassen. Sie können keinen Freiflug bieten? Dann muss Ihre Voliere größer sein – mindestens vier Quadratmeter Grundfläche und zwei Meter Höhe.
Geeignete Volieren
Gut bei Haltung im Haus. Wählen Sie einen hellen, ruhigen Ort ohne Zugluft. Nicht in der Küche oder neben Heizkörpern aufstellen. Die Voliere sollte leicht erhöht stehen und nur von einer Seite einsehbar sein. 18 bis 20 Grad Raumtemperatur sind ideal.
Besser als eine normale Innenvoliere. Hier können die Vögel einen ganzen Raum nutzen. Noch besser ist ein gesicherter Außenbereich. Dort können sie Sonne und frische Luft genießen.
Die Vögel können sich in einem natürlichen Umfeld bewegen. Frische Luft und Sonnenlicht tut ihnen gut. Die Voliere sollte mindestens zwei Meter lang, einen Meter breit und zwei Meter hoch sein. Sie können Ihre Vögel auch das ganze Jahr draußen halten. Dann benötigen sie einen frostfreien Schutzraum. Dieser sollte mindestens einen Meter lang, einen halben Meter breit und einen Meter hoch sein.
So richten Sie eine Voliere für Wellensittiche ein
Die Voliere sollte strukturiert und übersichtlich sein. Ihre Tiere brauchen Platz zum Fliegen und Verstecken. Die Gitterstäbe müssen waagerecht sein.Dann können die Vögel gut klettern. Helle Stäbe sind schlecht. Sie blenden die Vögel. Besser sind dunkle, matte Farben wie Dunkelgrün, Grau oder Schwarz. Stäbe aus Plastik sind nicht geeignet. Die Vögel knabbern sie an. Das ist nicht gesund.Zur Grundausstattung gehören:
- Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – gut für die Füße
- keine Sandpapier- oder Plastikstangen – verletzen die Füße
- eine Futter- und Wasserstelle pro Vogel
- Bademöglichkeit, zum Beispiel ein Badehäuschen oder eine Sandschale
- Papier als Bodenbelag – weniger staubig als Sand
- Tageslicht – bei reiner Innenhaltung UV-Lampen ergänzen
- kein Plastikspielzeug, sondern Naturmaterialien wie Weidenkränze oder Zweige
Hier finden Sie weitere Tipps und eine Anleitung zum Bau einer Voliere.
Sicherer Freiflug: Kennen Sie diese Gefahren
Lassen Sie Ihre Wellensittiche täglich frei fliegen. Mehrere Stunden sind gut. Achten Sie darauf, dass die Vögel sich nicht verletzen. Entfernen Sie giftige Pflanzen und Gefäße, in denen ein Vogel ertrinken könnte. Räumen Sie Zigarettenstummel, Alkoholreste, brennende Kerzen und spitze Gegenstände weg. Sichern Sie Fenster mit Fliegengittern ab. Markieren Sie Glasscheiben sichtbar. Halten Sie Schubladen und Schranktüren geschlossen. Schließen oder erweitern Sie enge Spalten zwischen Möbeln und Wänden. So verhindern Sie, dass sich die Tiere einklemmen. Entfernen Sie hochflorige Teppiche und Netzgardinen, in denen sich Vögel verfangen könnten.
Ruhiger und einfühlsamer Umgang ist wichtig
Wellensittiche sind keine Kuscheltiere. Respektieren Sie ihre Zurückhaltung. Bieten Sie Ihnen Ruhe und Abstand. Vertrauen kann wachsen, aber langsam. Das ist normal. Bieten Sie Futter aus der Hand an und warten Sie ab. Greifen Sie nie nach einem Vogel. Das macht ihm Angst. Nur im Notfall dürfen Sie einen Vogel festhalten – zum Beispiel für eine Untersuchung. Wenn Sie einen Vogel einfangen müssen, dunkeln Sie den Raum leicht ab. Nehmen Sie ihn vorsichtig mit einem weichen Tuch auf. Bedecken Sie seine Augen, aber lassen Sie die Nasenlöcher frei und üben Sie keinen Druck auf das Brustbein aus.
aller Ziervögel in Deutschland sind Wellensittiche
Jahre können sie bei guter Haltung alt werden
Quadratmeter Platz brauchen sie mindestens
des Tages suchen sie in der Natur nach Futter
Richtig füttern: weniger ist mehr
In der Natur suchen Wellensittiche lange nach Futter und bewegen sich viel. In privater Haltung bewegen sich die Tiere weniger. Futter steht meist frei zur Verfügung. Übergewicht ist ein großes Problem. Gesundes Futter besteht aus:
- täglich frischen Kräutern, Gräsern und Gemüse
- täglich frischem Wasser
- täglich ein bis zwei Teelöffeln hochwertigem Körnerfutter pro Vogel
- Vogelgrit für die Verdauung
- Sepiaschale oder Kalkstein als Kalziumquelle
- Obst nur in sehr geringen Mengen
Entfernen Sie Futterreste täglich. Bieten Sie nur ungespritztes und frisches Futter an. Schimmelige oder verdorbene Reste sind lebensgefährlich. Tipp: Bieten Sie Futter immer als Beschäftigung an – zum Beispiel im Gitterball oder zwischen Zweigen.

Daran erkennen Sie kranke Wellensittiche
Beobachten Sie Ihre Vögel täglich. Achten Sie auf Körperhaltung, Verhalten, Gefieder, Aussehen der Körperöffnungen, Futter- und Wasseraufnahme, Kot- und Urinabsatz. Ein gesunder Vogel ist aktiv. Sein Gefieder ist glatt. Die Augen sind klar. Wirkt ein Vogel müde, ungewöhnlich ruhig, plustert sich auf, atmet schwer oder hat Durchfall? Dann kann er krank sein. Prüfen Sie auch regelmäßig die Krallen und Schnäbel Ihrer Tiere. Bei Auffälligkeiten gehen Sie zu einer vogelkundigen Tierarztpraxis.
Darauf sollten Sie bei der Anschaffung achten
Einige gezüchtete Wellensittiche sehen besonders schön aus. Sie leiden aber unter ihren Merkmalen. Zu den Qualzuchten gehören Schauwellensittiche. Diese sind deutlich größer und schwerer als herkömmliche Wellensittiche. Sie sind anfällig für Erkrankungen und werden meist nicht alt. Regelmäßig müssen die Augen freigeschnitten werden, weil die Vögel wegen ihres langen Gefieders nichts sehen. Auch Haubenwellensittiche zählen zu den Qualzuchten. Sie leiden oft an Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn oder Gehirnblutungen. Häufig wächst ihr Gefieder, manchmal auch ihr Schnabel oder ihre Krallen unaufhörlich. Bitte kaufen Sie solche Vögel nicht.
Fragen Sie immer zuerst im Tierheim nach. Dort gibt es oft Vögel, die ein neues Zuhause suchen. Wellensittiche werden abgegeben, weil Halter*innen überfordert sind oder ihre Lebensumstände sich ändern. Die Mitarbeiter*innen beraten Sie und helfen bei der Auswahl. Von Onlinekäufen raten wir ab. Dort fehlt oft die nötige Beratung und man sieht die Haltung nicht. Achten Sie bei der Vermittlung auf artgerechte Gruppenhaltung und eine gute Vorbereitung auf das neue Zuhause.
- Informieren Sie sich gut, bevor Sie Vögel aufnehmen.
- Adoptieren Sie Tiere aus dem Tierheim.
- Halten Sie mindestens zwei Wellensittiche.
- Bieten Sie Beschäftigung, gesundes Futter und täglichen Freiflug.
- Kaufen Sie keine Qualzuchten.
Das fordert der Deutsche Tierschutzbund
- Einzelhaltung verbieten
- Qualzuchten wie Schau- oder Haubenformen verbieten
- Mindestangaben für die Haltung von Ziervögeln festlegen
- Verkauf von Tieren über Onlinebörsen stoppen
- Verpflichtenden theoretischen Sachkundenachweis vor Anschaffung eines Tieres einführen






