Schenkelbrand

Ein Pferd erhält ein Brandzeichen.

Immer noch wird bei vielen Fohlen ein Brandzeichen am Schenkel angebracht, obwohl die Jungtiere dadurch eine hochgradige Verbrennung erleiden. Durch die gezielte Verbrennung bleibt die Brandnarbe als permanentes Markenzeichen zurück, mit dem das jeweilige Zuchtgebiet repräsentiert wird.

Der Eingriff ist schmerzhaft und die Schmerzen halten mehrere Tage an. Das Brandzeichen dient in erster Linie als Werbezweck für den jeweiligen Zuchtverband und stellt keine unverwechselbare Kennzeichnungsmethode dar. Eine individuelle und unverwechselbare Kennzeichnung ist nur durch einen Transponderchip gewährleistet, mit dem alle Fohlen EU-weit gekennzeichnet werden müssen. Diese Chippflicht macht den Schenkelbrand überflüssig.

Kennzeichnung mit Mikrochip

Für alle Pferde und andere Tiere dieser Gattung wie Esel und Maultiere gibt es seit Juli 2009 eine EU-weite Kennzeichnungspflicht mit Mikrochip. Dadurch wird jedes Pferd unverwechselbar. Den Tieren werden dabei Transponder, etwa reiskorngroße Implantate, auf der linken Halsseite fälschungssicher mit einer Spritze unter die Haut in den Halsmuskel eingesetzt. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dieser Eingriff weniger schmerzhaft ist als das Anbringen eines Brandzeichens. Jeder Chip enthält einen 15-stelligen Code, welcher mit einem passenden Ablesegerät identifiziert werden kann.

Damit Ihr Tier eindeutig identifiziert und rundum geschützt ist - auch bei Diebstahl oder Verlust, registrieren sie es nach der Kennzeichnung mit Mikrochip kostenfrei und ganz einfach online bei unserem Deutschen Haustierregister. Damit wird Ihr Pferd unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.

Ein Fohlen wird mit einem Mikrochip am Hals gekennzeichnet.
Der reiskorngroße Transponder wird am Hals injiziert.

Politische Lage

Der Entwurf einer Änderung des Tierschutzgesetzes sah ein Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden vor. Leider wurde dieser Passus wieder gestrichen und das geänderte Tierschutzgesetz trat ohne Schenkelbrand-Verbot im Juli 2013 in Kraft. Im Oktober 2010 hatte der Bundesrat einem Antrag von Rheinland-Pfalz auf Verbot des Schenkelbrandes zugestimmt. Wir hatten im Vorfeld die Diskussion im Bundesrat aktiv begleitet.

Ab Januar 2019 darf laut Tierschutzgesetz der Schenkelbrand eigentlich nur noch mit Betäubung durchgeführt werden. Dies muss ein Tierarzt durchführen, denn adäquate Betäubungsmittel zur äußeren Anwendung, wie sie laut Tierschutzgesetz auch ohne Tierarzt verwendet werden dürften, gibt es bisher nicht. Die Regelung lässt aber die Tatsache außer Acht, dass die Fohlen nicht nur während des Brennens Schmerzen haben, sondern auch noch mehrere Tage danach unter der schweren Verbrennung leiden.

Irrtümer und Wahrheiten

Das Brandzeichen ist eine unverwechselbare Kennzeichnungsmethode und fälschungssicher. IRRTUM!

Das Brandzeichen besteht aus einem Symbol des jeweiligen Zuchtverbandes - wie beispielsweise dem Hannoveraner-Zeichen. Darunter wird eine zwei- bis dreistellige Nummer in die Haut eingebrannt. Alle Nummern werden mehrmals vergeben und über die Hälfte kann nach ein paar Jahren nicht mehr gelesen werden. Außerdem ist es problemlos möglich, die Nummern zu verändern. Eine eindeutige Identifizierung ist daher anhand des Brandzeichens nicht möglich. Die Methode ist weder unverwechselbar noch fälschungssicher.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt eine Studie von 2012 von Prof. Jörg und Christine Aurich und ihrem Team von der Universität Wien. Erfahrene Tester untersuchten sie Lesbarkeit von Brandzeichen und konnten diese nur bei 40 Prozent von knapp 250 untersuchten Pferden korrekt identifizieren. Auch ein weiterer Versuch bestätigte, dass der Heißbrand keine eindeutige und wiedererkennbare Kennzeichnungsmethode darstellt. Und das obwohl die Brandzeichen hierfür an 28 toten Pferden vorgenommen wurden, um die Lesbarkeit unter optimalen Bedingungen zu testen. Hier konnten nur bei neun Tieren die Nummern korrekt identifiziert werden. Bei sechs Pferden wurde weder das Rassesymbol noch die Nummer richtig erkannt. Auch nicht, nachdem die betreffende Hautstelle rasiert wurde.

Der Transponder ist keine unverwechselbare Kennzeichnungsmethode und nicht fälschungssicher. IRRTUM!

Bei der Kennzeichnung durch Mikrochip wird dem Pferd ein genormter Iso-Transponder mit einer Spritze in den Halsmuskel eingesetzt. Jeder Chip enthält einen 15-stelligen Code, welcher mit einem passenden Ablesegerät identifiziert werden kann. Dieser Code hat eine festgelegte Reihenfolge bestehend aus Tierart, Ländercode und einer individuellen Nummer, die nur einmal vergeben wird. Eine internationale Datenbank kann nur auf Grundlage eines standardisierten Verfahrens - wie es der Transponder möglich macht - aufgebaut werden. Einen Transponder, der in der Muskulatur sitzt, zu manipulieren, ist nicht unmöglich, aber um vieles schwieriger, als ein Brandzeichen zu verändern.

Die junge Methode der Transponder-Implantation birgt erhebliche Gesundheitsrisiken. Wertvolle Sportpferde dürfen nicht zwingend dem Risiko ausgesetzt werden, Schäden durch solche invasiven Methoden zu erleiden. IRRTUM!

Die Transponderkennzeichnung ist eine gut untersuchte und erprobte Kennzeichnungsmethode. Sie wird seit vielen Jahren bereits vor Einführung der rechtlichen Verpflichtung freiwillig verwendet.

So sind seit Einführung der Kennzeichnungspflicht über 150.000 Pferde mit einem Transponder gekennzeichnet worden. Der Hauptverband für Traberzucht und Rennen kennzeichnet seine wertvollen Vollblüter freiwillig bereits seit 1994. Das für den Galopprennsport in Deutschland zuständige Direktorium für Vollblutzucht und Rennen kennzeichnet die Galopprennpferde seit 2003. Vor dem Rennen wird die Transpondernummer zur Identifizierung abgelesen. Darüber hinaus chippen auch eine ganze Reihe von Warmblutverbänden seit Jahren freiwillig: z. B. das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein, der Pferdezuchtverband Hessen, der Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt und der Friesenpferdezuchtverband.

Auch Deutschlands und Europas größter und bekanntester Sportpferdezüchter und Mitbesitzer eines der teuersten Dressurpferde der Welt namens Totilas chippt alle seine Sportpferde mit einem Transponder.

Der Heißbrand tut nicht weh. Der Transponder ist gefährlich: Wissenschaftliche Gutachten liegen vor. IRRTUM!

Eine Zusammenfassung der bestehenden wissenschaftlichen Arbeiten nimmt Prof. Urs Schatzmann vor. Das gleiche machte bereits im Jahr 2010 Dr. Willa Bohnet. Ihre Position ist in einem Gutachten der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) nachzulesen. Die neuesten wissenschaftlichen Arbeiten aus der Universität Wien zeigen, dass der Kurzzeitschmerz beim Verbrennen (Schenkelbrand) und beim Setzen des Transponders ähnlich ist. Jedoch sind die Schmerzen und Schäden, die beim Schenkelbrand in den Tagen darauf folgen, größer als die durch den Transponder. Insbesondere wurde eine Erhöhung der Hautoberflächentemperatur beim Fohlen in mehreren Arbeiten nachgewiesen. Diese Temperaturerhöhung tritt ausschließlich beim Schenkelbrand auf (ebenso wie Nekrosen, also das Absterben von Zellpartien). Die Autoren weisen darauf hin, dass dieses Phänomen auch in der Humanmedizin bekannt ist und bei schwerer Verbrennung auftritt.

Die zweite Arbeit, die von den Brandzeichenbefürwortern in Feld geführt wird, ist eine Arbeit des Humanhistologen Prof. Steinkraus. Er untersuchte die Hautproben von toten Pferden, die im Fohlenalter gebrannt oder gechippt wurden. Die Pferde waren zwischen 0,5 und 15 Jahren alt. Steinkraus stellte fest, dass bei dem Transponder tragenden Gewebe eine einmantelnde Fibrosierung (Abkapselung des Fremdkörpers) stattfand. Auch aufgrund evolutionsbiologischer Fakten sieht er den Heißbrand dem Transponder als überlegen an.

Das letzte Argument - der evolutionsbiologischen Fakten - ist in Fachkreisen nicht nachvollziehbar. Ein Pferd kommt weder mit einem Sattel, noch mit einer Trense, einem Hufeisen, Transponder oder einem Brandzeichen auf die Welt. Welche Rolle hier die Evolution spielen soll, ist in diesem Zusammenhang nicht verständlich. Die Fibrosierung ist bekannt und wird bewusst durch das Setzen des Transponders herbeigeführt. Dies wurde bereits im Jahr 2000 von Heinz Meyer, der im Auftrag der Reiterlichen Vereinigung (FN) ein Gutachten zum Transponder erstellte - mit positiver Wertung beschrieben. Er sah es aber nicht als Problem an, da diese Fakten auch bereits im Jahr 2000 bekannt waren. Auf den gleichen Mechanismen beruht auch die Transponder-Implantation bei Hund und Katze.

Abschließend sollte nicht vergessen werden, dass das Brandzeichen - das für uns sichtbar ist - eine Narbe darstellt. Dieses Narbengewebe ist durch eine Verbrennung entstanden. Ohne Narbe entsteht auch kein Brandzeichen. Um dem Tier eine Narbe zuzufügen, wird eine handtellergroße Partie am Oberschenkel des Fohlens bewusst und absichtlich verbrannt. Prof. Jörg und Christine Aurich von der Universität Wien untersuchten für ihre Studie von 2012 an 28 toten Pferden die Haut unter dem Brandzeichen auf Gewebsschäden. Fast alle Tiere wiesen dort deutliche Gewebsschäden auf, die auf abgeheilte Verbrennungen dritten Grades hinwiesen. Fazit: Es gibt keinen Grund mehr, Pferde mit dieser überholten Methode zu kennzeichnen.