Hormon aus Pferdeblut für die Schweinezucht

Doppeltes Tierleid

Abgemagertes Wildpferd auf einer Wiese in Südamerika. © Animal Welfare Foundation
Abgemagert und erschöpft: Bis zu zehn Liter Blut wird den Pferden ein- bis zweimal pro Woche abgenommen. © Animal Welfare Foundation

In Südamerika werden Wildpferde brutal eingefangen und geschlagen, um ihnen Blut abzunehmen. Hinter dieser schlimmen Prozedur steckt ein Millionengeschäft. Aus dem Blut der trächtigen Stuten wird das Hormon PMSG (Pregnant Mare's Serum Gonadotropin) gewonnen. Das Hormon kommt in Europa in der Tierhaltung zum Einsatz - hierzulande überwiegend bei Zuchtsauen, aber beispielsweise auch bei Rindern und Schafen in der Biotechnologie. Es wird zur Arbeitserleichterung eingesetzt, damit Sauen zur gleichen Zeit ihre Ferkel bekommen. Doch durch den Einsatz von PMSG kann auch die Ferkelzahl pro Wurf gesteigert werden, was zu überzähligen Ferkeln führt, die verenden oder getötet werden.

Blutfarmen

Zwei Pferde auf einer Wiese. Eines liegt am Boden. © Animal Welfare Foundation
30 Prozent der Stuten überleben die brutale Tortur nicht. © Animal Welfare Foundation

Die Zustände auf den Blutfarmen in Argentinien und Uruguay sind barbarisch. Mit Schlägen und Tritten werden Wildpferde gefügig gemacht und zur Blutabnahme in enge Boxen oder Pferche geprügelt. Bis zu zehn Liter Blut - etwa ein Viertel des Blutes eines Pferdes - entnehmen die Farmer den trächtigen Stuten ein- bis zweimal pro Woche, elf Wochen lang. Die körperliche Belastung ist extrem. Viele der Pferde sind abgemagert und vegetieren durch die Schläge und den Blutmangel erbärmlich vor sich hin. Etwa 30 Prozent sterben jedes Jahr - entweder völlig sich selbst überlassen oder aber sie werden geschlachtet, weil sie nicht mehr trächtig werden. Blutfarmen gehören zu den Top-Lieferanten der Pferdeschlachthöfe.

Die Fohlen werden, wenn sie nicht eh schon im Mutterleib versterben, als unerwünschtes Nebenprodukt abgetrieben. Hierfür ritzen die Farmer die Fruchtblase der Stuten mit der Hand an. Das ist extrem schmerzhaft für die Tiere. Im Anschluss sollen die Tiere schnellstmöglich wieder trächtig werden, da nur in den ersten Monaten der Trächtigkeit der PMSG-Spiegel im Blut besonders hoch ist. Ein brutaler Kreislauf der Tierquälerei, den unsere Partnerorganisation Animal Welfare Foundation aufgedeckt und dokumentiert hat.

Bisher gibt es für die Blutfarmen keine Vorschriften und kaum Kontrollen. Erst nach der heftigen Kritik aus Europa prüfen die Regierungen in Uruguay und Argentinien die Tierschutzverstöße. Laut Medienberichten will die argentinische Behörde rechtlich verbindliche Regeln zum Schutz der Pferde entwickeln und die Blutfarmen mehrmals pro Jahr unangekündigt kontrollieren.

Die Regierung von Uruguay berichtet, sie habe die Verantwortlichen bereits vorgeladen, um entsprechende Tierschutzverstöße zu erfassen und Korrekturmaßnahmen zu beschließen. Außerdem will sie die Blutfarmen zukünftig registrieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierungen ihre Versprechen auch wirklich in die Tat umsetzen.

Schweinezucht

Muttersau mit Ferkeln in einer Abferkelbucht. © Holger Over
Durch den Einsatz des Hormons PMSG werden mehr Ferkel gezeugt, als die Muttersau ernähren kann. Überzählige Tiere verenden oder werden getötet. © Holger Over

Auch die Verantwortlichen in Europa müssen ihren Teil dazu beitragen. Denn das Tierleid geht in deutschen Ställen weiter. Laut Bundesregierung wurden pro Jahr 1,3 Millionen Einzeldosen PMSG in Deutschland eingesetzt, was für die Behandlung von mehr als der Hälfte der gehaltenen Zuchtsauen ausreicht. Durch den Einsatz des Hormons kann der gesamte Zyklus von Sauen einer Gruppe bis hin zur Geburt der Ferkel synchronisiert werden. Das bedeutet, dass die Sauen zur gleichen Zeit in Rausche kommen (die Zeit, in der Schweine trächtig werden können) und nach erfolgreicher Besamung und Trächtigkeit zur gleichen Zeit ihre Ferkel bekommen.

Allerdings kann auch die Ferkelzahl pro Wurf, die zuchtbedingt schon sehr hoch ist, noch mehr gesteigert werden. Dadurch werden mehr Ferkel gezeugt, als die Muttertiere Zitzen haben – somit mehr Ferkel als die Sauen ernähren können. Außerdem werden mehr lebensschwache oder bereits tote Ferkel geboren. Die „überlebensfähigsten“ Ferkel werden gesäugt, die schwachen oder "überschüssigen" verenden oder werden getötet – im schlimmsten Falle nicht tierschutzgerecht, weil eine aufwändige Versorgung der Ferkel für die Betriebe nicht wirtschaftlich ist. Der Profit steht auch hier vor dem Tierschutz.

Wir fordern

Medienberichten zufolge hält das Landwirtschaftsministerium einen Importstopp des Blutserums für unmöglich, solange die Präparate hier nach den rechtlichen Vorschriften angewendet werden. Mit dem Wissen darum, auf welch grausame Weise dieses Medikament hergestellt wird, darf sich die Bundesregierung ihrer Verantwortung aus unserer Sicht nicht entziehen. Wir fordern, dass sie ein Einfuhr- und Anwendungsverbot prüft und sich dafür auch auf europäischer Ebene einsetzt. Auch deutsche Pharmaunternehmen sollten sicherstellen, dass sie ihre Produkte nach hier geltenden Tierschutzregeln produzieren.

Grundsätzlich ist der Einsatz von PMSG in der Sauenhaltung nicht länger vertretbar und akzeptabel, weil es synthetisch hergestellte Alternativen zu dem Hormon mit vergleichbarer Wirkung gibt, die den Einsatz von PMSG aus den Blutfarmen ersetzen können.