40 Jahre Deutsches Primatenzentrum Göttingen – für die Tiere kein Grund zum Feiern

Kampagnenmotiv Affenversuche: Ein Affe sitzt als Bettler vor einer Wand auf der steht "Tierversuche sind armselig".
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Mit dem morgigen Festakt zelebriert das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen sein 40-jähriges Bestehen. Während sich das Zentrum selbst als modernes tierschutzorientiertes Institut präsentiert, wird das Leiden der hochentwickelten Affen völlig verharmlost. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert zudem, dass das Zentrum als größter deutscher Lieferant von Versuchsaffen für andere Labors weiterhin keinen Fokus darauf legt, wie der Ausstieg aus Tierversuchen gelingen kann.

„Insbesondere die Versuche im Bereich der Neurowissenschaften, darunter Hirnversuche, sind mit schweren Schmerzen, Leiden und Schäden für die Tiere verbunden – über Jahre hinweg“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum Menschen werden Affen als vermeintlich ideale Modelle herangezogen, während gleichzeitig gern behauptet wird, dass sie unter den schwerwiegenden Versuchen nicht oder kaum leiden. Das ist paradox.“

Derzeit hält das DPZ nach eigener Aussage 1.300 Affen. Zudem liefert das Zentrum pro Jahr 40 bis 80 nachgezüchtete Tiere an andere Forschungsinstitute. „Das DPZ als „Zuchtfabrik“ für weitere Tierversuchslabors setzt weiter auf das Modell Tierversuche, anstatt sich umzuorientieren und ein Ausstiegskonzept zu erarbeiten“, kritisiert Schröder. Hinzu kommt, dass für die Zucht Affen aus Asien und Afrika nach Deutschland importiert werden, um das Blut „aufzufrischen“. Viele der Tiere sind direkte Nachkommen von Wildfängen, die brutal ihrem natürlichen Lebensraum und ihren Familienverbänden entrissen wurden.

Fragwürdiger Nutzen
Das DPZ „verbraucht“ circa 100 Affen pro Jahr für die Grundlagenforschung - ohne direkten medizinischen Nutzen für den Menschen. Eine klinische Anwendung der Versuchsergebnisse ist oftmals auf Jahrzehnte hinaus nicht absehbar. Während der Affe im Versuch Aufgaben zu lösen hat, werden mit Hilfe von Elektroden, die ins Gehirn implantiert wurden, Reaktionen von einzelnen Nervenzellen gemessen. Für derartige Versuche werden die Tiere im sogenannten Primatenstuhl fixiert – oft stundenlang. Um den Kopf am Primatenstuhl festzuschrauben, werden ihnen Metallbolzen operativ am Schädel befestigt. Damit die Affen „mitarbeiten“, lässt man sie außerdem dursten und gibt ihnen nur tropfenweise Flüssigkeit, wenn sie ihre Aufgaben richtig lösen.

Neben der ethischen Frage, wie wir mit unseren nächsten Verwandten im Tierreich umgehen, sind die Versuche auch aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig: Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist oft nicht gegeben. So zitiert das DPZ auf seiner Website die Deutsche Forschungsgemeinschaft damit, dass lediglich die Hälfte der Wirkungen von Arzneimitteln für Menschen in Tierversuchen korrekt vorhergesagt werden kann.