Pressemeldung

Tierheime sind Tierschutzeinrichtung und Jobmotor – viele sind aber in der Existenz bedroht

Anlässlich des heutigen Besuchs der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Anette Kramme MdB, und der Tierschutzbeauftragten der SPD Bundestagfraktion, Christina Jantz MdB, im Bremer Tierheim, macht der Deutsche Tierschutzbund auf die Bedeutung der Tierheime als Tierschutzeinrichtung aufmerksam, betont aber auch deren wirtschaftliche Rolle in den Regionen. Gleichzeitig weisen die Tierschützer darauf hin, dass die Kommunen die den Tierheimen übertragenen kommunalen Pflichtaufgaben nicht kostendeckend erstatten und die Tierheime daher finanziell in ihrer Existenz stark bedroht sind. Der Deutsche Tierschutzbund fordert einen Masterplan der Kommunen, der Länder und des Bundes zur Stärkung des praktischen Tierschutzes in der Fläche.

„Hier im Bremer Tierheim, wie auch an anderen Orten, wird Tag für Tag praktischer Tierschutz für unsere Gesellschaft geleistet“, erläuterte der Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel, beim heutigen Rundgang mit den Gästen. „Die Schwerpunktaufgabe ist die Fundtierbetreuung im Auftrag der Kommunen, aber es werden auch beschlagnahmte oder sichergestellte Tiere im Auftrag von Ämtern betreut. Tierheime sind außerdem Ersthelfer bei schwerwiegenden Tierschutzfällen, beispielsweise bei Animal Hoarding Fällen.

“Pro Jahr betreuen die über 500 Tierheime, die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen sind, rund 300.000 Tiere. Doch obwohl die Tierheime 80 Prozent ihrer Aufgaben für die öffentliche Hand im Rahmen der Übernahme der kommunalen Pflichtaufgabe wahrnehmen, wird nur ein Viertel der Kosten erstattet. Neben den Tierschutzaufgaben leisten die Tierheime auch ihren Beitrag für den Arbeitsmarkt. Zudem wird zum Beispiel durch Jugendarbeit und Besuchsprojekte mit Pflegeheimen in vielen Tierheimen auch soziale Arbeit für Mensch und Tier geleistet.

„Wir sind froh, durch den Besuch aus dem Arbeits- und Sozialministerium auch mal die Bandbreite der in einem Tierheim geleisteten Aufgaben für die Gesellschaft erläutern zu können“, erklärte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „DieTierheime geraten an ihre Grenzen, jedes zweite kämpft um seine Existenz. Wir brauchen jetzt sofort einen Investitionstopf von 50 Millionen Euro – angesichts von knapp 300 Millionen Euro Einnahmen der Kommunen aus der Hundesteuer muss das leistbar sein. Kurzfristig muss erreicht werden, dass die Kommunen sich nicht mehr so billig aus ihrer Pflichtaufgabe herauskaufen können. Und wenn die Kommunen sich weigern, müssen die Länder und der Bund einspringen. Es braucht dringend einen Masterplan zur Stabilisierung des praktischen Tierschutzes in der Fläche.“

Das Tierheim als Wirtschaftsfaktor in der Region

Jedes der Tierheime des Deutschen Tierschutzbundes beschäftigt im Schnitt circa 30 Personen, davon neun bis zehn Festangestellte sowie 21 ehrenamtlich Aktive, Praktikanten, Bundesfreiwilligendienstler und FSJler, die für den Tierheimbetrieb unverzichtbar sind. Ein Viertel derTierheime bildet auch aus – meist im Beruf des Tierpflegers. Zudem vergibt das Tierheim diverse Aufträge an lokale Unternehmen, etwa aus dem Baugewerbe, da im Tierheim ständig Umbau- oder Renovierungsarbeiten anfallen. Damit leisten die Tierheime nicht nur beider praktischen Arbeit zur Umsetzung des Staatsziels Tierschutz wertvolle Arbeit, sondern auch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt – und erbringen hier einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag.

Dem Deutschen Tierschutzbund als Dachverband sind über 750 Tierschutzvereine mit mehr als 500 vereinseigenen Tierheimen angeschlossen. Hinzu kommen unzählige Pflegestellen und tierheimähnliche Einrichtungen, wie Gnadenhöfe.

PSt/MdB Anette Kramme: „Ich weiß um die Bedeutung der Tierschutzarbeit vor Ort. Das habe ich hier im Bremer Tierheim erneut erleben dürfen. Deutlich wird, dass die Tierheime als Tierschutzeinrichtung, aber auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt gestärkt und nicht weiter geschwächt gehören.“

MdB Christina Jantz: „Im Koalitionsvertrag bekennen wir uns als Bundesregierung dazu, die Lage der Tierheime zu verbessern. Diesen Worten müssen Taten folgen. Ich werde den zuständigen Bundesminister auffordern, unverzüglich einen runden Tisch mit allen kommunalen Spitzenverbänden einzuberufen.“