Klares Bekenntnis zu mehr Tierschutz im Stall

Kampagnenmotiv zur Bundestagswahl 2017 mit einem Ferkelkopf, der durchkreuzt ist

Gemeinsame Erklärung des Deutschen Tierschutzbundes und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes anlässlich der heutigen Sondierungsgespräche von CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen zu denThemen Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Anlässlich der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen appellieren die unterzeichnenden Verbände an die Verhandlungsgruppen, ein deutliches Bekenntnis zu einer umfassenden und nachhaltigen Stärkung des Tierschutzes in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu vereinbaren. Umfragen belegen, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern die Haltungsbedingungen von Tieren in der Lebensmittelproduktion zunehmend wichtig sind. Diese gesellschaftliche Entwicklung muss von der kommenden Bundesregierung ernst genommen werden. Es bedarf daher einer nationalen Nutztierstrategie, die eine grundlegende staatszielkonforme Neufassung des Tierschutzgesetzes und eine entsprechende Förderung der Landwirte in sich vereint. Zudem muss jetzt die Grundlage für ein ambitioniertes Tierschutzlabel gelegt werden.

Der Tierschutz wurde vor mittlerweile 15 Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Das bestehende Tierschutzgesetz wird diesem Staatsziel in keiner Weise gerecht. Es wird die Aufgabe der nächsten Bundesregierung sein, den Stellenwert des Tierschutzes für die Gesellschaft im Tierschutzgesetz staatszielkonform auszugestalten. Das umfasst auch die Notwendigkeit, detaillierte Anforderungen für die Haltung von Puten und Milchkühen in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung aufzunehmen. Ausnahmen, die Manipulationen am Tier zum Ausgleich von Defiziten der Haltungssysteme zulassen, müssen abgeschafft werden.

„Das Tierschutzgesetz muss staatszielkonform überarbeitet werden. Die Rahmenbedingungen der Haltung von Tieren in der Landwirtschaft müssen an den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet werden, nicht nur an den ökonomischen Interessen der Tierhalter“, so Thomas Schröder. „Wir werden diesen Systemwechsel konsequent einfordern.“ Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), fügt hinzu: „Verbraucher lehnen Eingriffe wie das Kürzen von Schwänzen bei Schweinen oder Schnäbeln bei Hühnern zunehmend ab. Daran muss sich die Bundesregierung orientieren und tätig werden.“

Um Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lage zu versetzen, deutlich tiergerechter erzeugte Produkte erkennen und erwerben zu können, muss die zukünftige Bundesregierung eine transparente und verlässliche Tierschutzkennzeichnung, ein staatliches Tierschutzlabel, auf den Weg bringen. Diese Kennzeichnung sollte sich an den Standards des vom Deutschen Tierschutzbund entwickelten Labels „Für Mehr Tierschutz“orientieren und die gesamte Kette von der Zucht über die Haltung, den Transport bis hin zur Schlachtung abbilden. „Immer mehr Verbraucher wünschen sich, dass die Tiere,deren Produkte sie essen, gut gelebt haben. Dafür sind nach unseren Befragungen 64 Prozent auch bereit, mehr zu zahlen“, so Klaus Müller. „Bislang fehlt es aber an Transparenz im Angebot: Verbraucher können nicht erkennen, welche Produkte tatsächlich aus einer besseren Haltung kommen. Ein staatliches Tierschutzlabel mit ambitionierten Kriterien ist hier eine wichtige Hilfe.“

Wir fordern eine nachhaltige Strategie hin zu mehr Tierschutz in der Landwirtschaft mit klarem Ziel- und Zeitkorridor. Förderprogramme müssen gezielt den Umstieg auf tiergerechte Zucht- und Haltungsformen unterstützen. „Die millionenfach durchgeführten Verstümmelungen von Tieren, um sie an nicht tiergerechte Haltungssysteme anzupassen,müssen schnellstmöglich unterbunden werden“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die extreme Spezialisierung der Zucht auf unnatürlich hohe Leistungen führt darüber hinaus zu aus wirtschaftlicher Sicht unbrauchbaren Tieren,die wie Abfall entsorgt werden. Das widerspricht dem Staatsziel Tierschutz und wird von der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert.“