Scharfe Kritik an „Ferkelgipfel“ ohne Tierschutz

Ferkel im Stroh. © Deutscher Tierschutzbund e.V./NEULAND e.V.
© Deutscher Tierschutzbund e.V./NEULAND e.V.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat u.a. Vertreter der Agrar- und Fleischindustrie und deren Funktionäre sowie ausgewählte Handelsvertreter zu einem Runden Tisch zur Ferkelkastration eingeladen, der morgen (27. November) in Berlin tagt. Die Einladung liegt dem Deutschen Tierschutzbund vor; der Verband ist aber selbst nicht von der Bundesministerin eingeladen worden – ebenso wenig wie Vertreter des Verbraucherschutzes, der Biobranche oder Neuland. Ziel des „Ferkelgipfels“ soll es laut Einladung sein, die Schritte zur Umsetzung der Alternativen zur bisher betäubungslosen Kastration zu besprechen. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich daher auch kurzfristig an die teilnehmenden Handelsunternehmen gewandt, damit diese sich eindeutig auf die Seite des Tieres und des ordnungsgemäß vor fünf Jahren beschlossenen Gesetzes stellen.

„Der Einladungskreis des Ferkelgipfels verwundert und stärkt die Befürchtung, dass sich hier eine Lobby zusammen tun will, die für die Ferkel Schlimmes bedeutet“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Entweder es gibt die Alternativen, wie es in der Einladung zu lesen ist - dann braucht es auch keine Gesetzesverschiebung der eigentlich ab 1.1.2019 verbotenen betäubungslosen Ferkelkastration. Oder es ist der erneute Versuch, sich in geschlossener Runde auf die tierschutzwidrige Methode der Lokalanästhesie einzuschwören, den so genannten „vierten Weg“. Da erwarten wir von der Bundesministerin vor dem Ferkelgipfel eine persönliche Klarstellung, dass das von ihr geführte Haus die Lokalanästhesie nicht als Weg sieht. So hatte sich zuletzt zum Beispiel Staatssekretär Dr. Aeikens auf der EuroTier in einem Grußwort auf dem dort tagenden Tierschutzkongress geäußert. Die Bundesministerin hat dazu bis jetzt aber öffentlich geschwiegen.“

Deutscher Tierschutzbund nimmt Handel in die Pflicht

Auch den teilnehmenden Handel entlässt der Deutsche Tierschutzbund nicht aus seiner Verantwortung: „Wir erkennen an, dass einzelne Discounter und Handelsunternehmen im Tierschutz vorangehen“, so Schröder. „Wenn aber gilt, was der Handel immer erklärt, nämlich dass der Kunde König sei, dann muss auch alles Schweinefleisch von unbetäubt kastrierten Ferkeln spätestens ab 1.1.2019 aus dem Sortiment raus. Denn die Ferkelqual wird von den Verbrauchern nicht mehr akzeptiert.“ Der Deutsche Tierschutzbund ruft die Handelsunternehmen dazu auf, die drei verfügbaren und tierschutzkonformen Alternativmethoden zur betäubungslosen Ferkelkastration – Ebermast, Immunokastration und Kastration unter Vollnarkose – gleichberechtigt anzuerkennen, sodass den zuliefernden Landwirten die für die Umsetzung so entscheidende Wahlfreiheit erhalten bleibt. Der so genannte „vierte Weg“ dürfe dagegen auch von Seiten des Handels keine Zustimmung finden – so die Tierschützer.