Audit zeigt: Schwanzkupieren bei 95 Prozent der Schweine

Deutschland verstößt gegen EU-Recht

Ringelschwänze von Schweinen
Fast allen Ferkeln in Deutschland wird routinemäßig der Schwanz kupiert.

Ein aktueller Auditbericht der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission zeigt, dass bei 95 Prozent der Schweine in Deutschland der Ringelschwanz kupiert wird. Damit verstößt Deutschland gegen geltendes EU-Recht. Denn das routinemäßige Schwanzkupieren ist durch eine EU-Richtlinie seit 1994 verboten. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, das routinemäßige Kupieren endlich zu beenden. Dafür müssen auch dringend die Haltungsbedingungen verändert und die gesetzlichen Anforderungen an die Schweinehaltung erhöht werden.

„Wir fordern von der Bundesregierung einen Plan zum schrittweisen Ausstieg aus dem Schwanzkupieren mit verbindlichen Fristen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Zudem muss die Bundesregierung die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, damit das Halten von Schweinen mit Ringelschwanz keine tierschutzrelevanten Folgen hat.“ Aus Sicht der Tierschützer sollte die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung dahingehend geändert werden, dass die vorherrschenden Warmställe mit Vollspaltenböden, in denen eine tiergerechte Haltung nicht möglich ist, nicht mehr gebaut werden dürfen. Neu- und Umbauten sollten eine tiergerechte Schweinehaltung ermöglichen - mit ausreichend Platz, strukturierten Buchten, geeigneter Beschäftigung, planbefestigten und eingestreuten Liegebereichen sowie Auslauf.

Hintergrund: Schwanzkupieren

Obwohl durch die europäische Gesetzgebung seit 1994 verboten, wird das Kupieren der Ringelschwänze in Deutschland immer noch routinemäßig im frühen Ferkelalter durchgeführt. Dies belegt auch der aktuelle Bericht der EU-Kommission. Die Amputation soll verhindern, dass die Schweine sich gegenseitig an den Schwänzen verletzen. Diese Verhaltensstörung entsteht jedoch erst durch die Bedingungen in der industriellen Schweinehaltung: Die intelligenten Tiere leben dort in einem monotonen Stall auf Vollspaltenböden und haben keinerlei Beschäftigung. Aufgrund von Langeweile oder Stress beginnen sie in die Schwänze der anderen Tiere zu beißen. „Statt die Tiere durch eine Amputation dem Haltungssystem anzupassen, braucht es tiergerechte Haltungssysteme, die sich an dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen der Tiere orientieren“, so Schröder.