Stern-TV-Bericht zum Schweinemastbetrieb der NRW-Landwirtschaftsministerin

Kommentar

Stern TV zeigte am 12. Juli 2017 erschreckende Bilder aus dem Schweinemastbetrieb der neuen amtierenden NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU). Dazu kommentieren der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen: 

„Dass die Bilder aus dem Stall der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin stammen, verleiht dem Vorfall politische Brisanz. Sie werden die gesellschaftliche Debatte um die landwirtschaftliche Tierhaltung befeuern. Diese Debatte ist notwendig, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass es in dem Betrieb der Ministerin nicht zu Gesetzesverstößen gekommen ist. Die Aufklärung des Falls wird nun Sache der zuständigen Veterinärbehörde und von Strafverfolgungsbehörden sein.

Allerdings geht es hier nicht allein um die Verantwortung von Frau Schulze Föcking. Die Bilder führen uns zum wiederholten Male deutlich vor Augen, wie konventionelle Schweinehaltung in der Realität aussieht. Die Schweine leben in reizarmen, beengten Ställen auf Vollspaltenböden, in denen sie ihre artgemäßen Verhaltensweisen nicht ausleben können. Diese Haltungsform führt bei den Tieren regelmäßig zu haltungsbedingten Erkrankungen und Verletzungen sowie Verhaltensstörungen, wie es auch auf den Aufnahmen des Betriebes zu sehen ist. Schweine mit abgebissenen Schwänzen, Wunden und Gelenkentzündungen sind traurige Realität der konventionellen Schweinehaltung. Nichtsdestotrotz müssen in solchen Fällen rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Statt aber einzelne an den Pranger zu stellen, geht es vielmehr um die Systemfrage, welche Tierhaltung wir akzeptieren wollen. Wichtig dabei ist, dass die notwendige Wende in der Landwirtschaft nicht als Kampf gegen Landwirte interpretiert wird. Im Gegenteil: Es braucht eine zukunftsorientierte Tierhaltung, die auch für den Landwirt Chancen bietet. Die sollten sich Frau Schulze Föcking und das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium auf die Fahnen schreiben - ebenso wie die Parteien im Bundestag und die zukünftige Bundesregierung.“

Dreckige Schweine stehen dicht beieinander in einer konventionellen Haltung.
Symbolbild einer konventionellen Schweinehaltung.