Große Koalition bringt Gesetzentwurf zur Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration in den Bundestag ein

Deutscher Tierschutzbund übt scharfe Kritik

Ferkel im Stroh. © Deutscher Tierschutzbund e.V./NEULAND e.V.
© Deutscher Tierschutzbund e.V./NEULAND e.V.

Der Deutsche Bundestag hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, den Gesetzentwurf der Großen Koalition zur Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration an den Agrarausschuss zu überweisen. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert diese Entscheidung, die auf weitere zwei Jahre Tierleid hinausläuft, scharf.

„Die Große Koalition stellt die wirtschaftlichen Interessen der Tiernutzer in Deutschland über das Staatsziel Tierschutz“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes „Die Agrarlobby nutzt ihre Verbindungen in die Koalitionsfraktionen, um auf den letzten Metern noch eine Frist zu verlängern, die sie fünf Jahre lang schlicht ausgesessen hat. Für diese Untätigkeit bezahlen jetzt 40 Millionen Tiere mit Schmerzen und Leid.“

Nachdem der Bundesrat eine Fristverlängerung klar abgelehnt hatte, wollen Union und SPD die bereits 2013 beschlossene Beendigung der schmerzhaften Kastration von Ferkeln ohne Betäubung per Gesetz um zwei weitere Jahre verlängern. Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich im Vorfeld der Einbringung des Gesetzentwurfes mehrfach an die Fraktionen von Union und SPD gewandt und gegen die geplante Fristverlängerung protestiert. Dass der Gesetzentwurf nun doch eingebracht wird, empört den Verband entsprechend: „Die Pläne der Koalition sind verheerend für den Tierschutz und für das Vertrauen der Menschen in die Politik“, so Schröder. „Wir müssen schmerzhaft lernen, dass lange ausgehandelte und sogar gesetzlich fixierte Ausstiegsfristen von dieser Koalition nach Gutdünken aufgehoben werden, wenn die Wirtschaft ruft.“ Dieser „Kniefall vor der Agrarlobby“ ist aus Sicht der Tierschützer umso verheerender, da mit der Ebermast, der Immunokastration und der Kastration unter Vollnarkose und Schmerzmittelgabe drei praktikable und tierschutzgerechte Alternativen zur betäubungslosen Kastration existieren, die auch bereits eingesetzt werden.

Der Gesetzentwurf der Koalition wird nun gemeinsam mit zwei Oppositionsanträgen im Agrarausschuss des Bundestages beraten. Die Verabschiedung des Koalitionsentwurfs wird voraussichtlich in der letzten Novemberwoche erfolgen, am 14. Dezember kann der Bundesrat formal noch Einspruch einlegen. Ansonsten tritt das Gesetz zur Verlängerung der unbetäubten Ferkelkastration zum 1.1.2019 in Kraft.