Pressemeldung

Veranstaltung zu Ferkelkastration am 9. Juni: Kritische Anmerkungen vom Deutschen Tierschutzbund

Anlässlich der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und von der QS Qualität und Sicherheit GmbH initiierten Fachtagung zur Ferkelkastration (9.6.2016), bekräftigt der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einem sofortigen Ende der betäubungslosen Ferkelkastration. Gleichzeitig kritisiert der Verband die Konzeption der Veranstaltung: Obwohl das Thema ein zentrales Tierschutzproblem in der Landwirtschaft ist, sind keine Experten von Tierschutzorganisationen auf das Podium geladen.

„Millionen männliche Ferkel werden routinemäßig ohne Betäubung kastriert. Dabei gibt es bereits praktikable und tierschutzkonforme Alternativen. Diese Ferkelqual ist ein Skandal“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Kritik erhebt der Verband an der Gestaltung der in Berlin stattfindenden Fachtagung zur Ferkelkastration. Entgegen der Absichtserklärung auch den Tierschutz zu berücksichtigen, finden sich nun keine Tierschutzorganisationen auf dem Podium. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes ist dies angesichts der Problemlage eine Farce, da dort nun primär Tiernutzer über ein Tierschutzproblem diskutieren. Das nährt den Verdacht, dass die Tierschutzfragen ausgeblendet werden sollen. Der Deutsche Tierschutzbund betont, dass das bereits beschlossene gesetzliche Verbot (ab 1.1.2019) nicht infrage zu stellen ist. Schröder dazu: „Die Veranstaltung muss am Ende einen klaren Fahrplan zum beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration zum Ziel haben, alles andere wäre inakzeptabel.“

Der Deutsche Tierschutzbund sieht darüber hinaus auch den Handel in der sofortigen Handlungspflicht, Produkte von betäubungslos kastrierten Schweinen zeitnah aus dem Sortiment zu nehmen. Schröder dazu: „Wir sind froh, dass sich einzelne Unternehmen in den eigenen Einkaufsrichtlinien klar für das Ende der betäubungslosen Qual aussprechen, noch weit vor dem gesetzlichen Verbot. Handel kommt von handeln, hier darf kein Unternehmen ausscheren: Produkte, die von Tieren stammen, die unbetäubt kastriert wurden, dürfen in keinem Sortiment angeboten werden.“

Alternative Methoden bereits vorhanden

Trotz einer Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 ist die betäubungslose Kastration in Deutschland noch bis 2019 erlaubt. Dabei ist die Kastration mit effektiver Betäubung längst möglich. Bei der Ebermast und bei der Impfung gegen möglichen Ebergeruch kann ganz auf einen chirurgischen Eingriff verzichtet werden.

Die genannten Alternativen funktionieren bereits erfolgreich in der Praxis und werden von den Landwirten geschätzt. Das zeigen auch die Erfahrungen mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.