Pressemeldung

Missstände im Wildtierhandel aufgedeckt

Ein Beitrag des ARD-Formates „Report-Mainz“ (23.8.) zum internationalen Wildtierhandel deckt erhebliche Missstände beim Transport und der Haltung von Reptilien auf. Der Deutsche Tierschutzbund erneuert seine Forderung nach einem Ende der Exotenhaltung im Privathaushalt. Zudem muss die Bundesregierung den Handel mit diesen Wildtieren grundsätzlich untersagen und eine Positivliste installieren. Diese legt fest, welche Tiere in Deutschland gehalten werden dürfen. Leidtragende der bisher nicht ausreichenden Gesetze sind neben den Tieren auch die Tierheime, denn diese müssen immer mehr Exoten aufnehmen - eine Aufgabe, die personell, räumlich und finanziell oft nur schwer bewältigt werden kann.

„Wir brauchen dringend Regelungen für Zucht, Handel und Haltung von Wildtieren, denn tausende Tiere leiden in deutschen Wohnzimmern. Überforderung und die Abgabe im Tierheim oder gar das Aussetzen gehen häufig Hand in Hand“, beschreibt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die Situation. Hochgerechnet mussten die Tierschutzvereine in den letzten fünf Jahren rund 30.000 Reptilien aufnehmen.

Deutschland ist EU-weit der größte Importeur und Absatzmarkt für Wildtiere: Hunderttausende lebende Reptilien, darunter zahlreiche Wildfänge, landen hier. Die Handelswege sind teilweise undurchsichtig: Die Tiere durchlaufen manchmal mehrere Stationen. Nach dem Fang oder von Farmen stammend, gelangen sie über Groß- und Zwischenhändler im Herkunftsland oder in Zweitländern am Ende zu Großhändlern in Deutschland, bis sie schließlich ins Zoofachgeschäft kommen. Die Entnahme von Tieren aus der Natur ist mit zahlreichen Tier- und Artenschutzproblemen verknüpft.

Fressnapf reagiert – Kölle Zoo ebenso
Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt daher, dass Fressnapf im ersten Schritt auf alle wild gefangenen Reptilien verzichten wird. Da aber auch immer wieder als Nachzucht deklarierte Wildfänge als Import nach Europa gelangen, ist es aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes konsequent, ab 2018 nur noch europäische Nachzuchten anzubieten. Dieses Ergebniss resultiert aus konstruktiven Gesprächen des Verbandes mit Fressnapf. Auch Kölle Zoo hat gegenüber dem Deutschen Tierschutzbund bestätigt, dass das Unternehmen bis Ende 2018 aus dem Verkauf von Reptilien, Amphibien und Wirbellosen komplett aussteigen wird.