Wildtiere sind keine Zirkustiere

Gemeinsame Pressekonferenz vom Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. und vom Deutschen Tierschutzbund e.V.

Kampagnenmotiv mit einem liegenden Tiger in der Manege und dem Slogan "Ihr Applaus für seine Angst""

Der Deutsche Tierschutzbund und der Hamburger Tierschutzverein machen auf das Leid von Wildtieren im Zirkus aufmerksam. Anlass ist das anstehende Gastspiel des „Circus Krone“ (28.9.-22.10.). Die heutige Pressekonferenz ist zudem Startschuss für eine Plakataktion der beiden Verbände, die ab dem 25. September mit zwei ausdrucksstarken Motiven die Situation der Zirkustiere deutlich macht. Die Motive sind bis Mitte Oktober auf mehr als 800 Flächen in Hamburg zu sehen.

„Dass Elefanten, Tiger, Löwen und ein Nashorn in der Manege vorgeführt werden und herabwürdigende Mätzchen machen müssen, nur um das Publikum zu unterhalten, entspricht nicht unseren moralischen Vorstellungen – mit Tradition ist diese Herabwürdigung von Tieren nicht zu rechtfertigen“, sagt Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ergänzt: „Insbesondere Wildtiere stellen hohe Ansprüche an ihre Unterbringung. In einem fahrenden Unternehmen sind diese nicht zu erfüllen – egal, wie sehr der Zirkus selbst seine Tierhaltung schönredet.“

Immer wieder Zwischenfälle
Außerdem kommt es mit Wildtieren im Zirkus immer wieder zu Zwischenfällen. Am 4. Juli war eine Elefantenkuh des „Circus Krone“ bei einer Vorstellung in Osnabrück über die Begrenzung des Zuschauerbereiches gestürzt. Ursache war, dass drei Elefantenkühe in der Manege aneinandergeraten waren. Einen Monat zuvor, am 6. Juni 2018, brach im rheinland-pfälzischen Neuwied bei „Circus Krone“ ein Elefant aus und lief unkontrolliert durch die Stadt. „Ein Wildtierverbot im Zirkus ist daher nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch im Hinblick auf die Gefährdung von Menschen unumgänglich“, so Thomas Schröder.

„Aufgrund der regelmäßig vorkommenden Unfälle mit Zirkustieren muss die Stadt Hamburg alle Möglichkeiten ausschöpfen, Auftritte von Wildtieren in Zirkussen im Stadtgebiet auf der Grundlage des Ordnungsrechts zu unterbinden und sich weiterhin vehement für ein bundesweites Wildtierverbot in Zirkussen einsetzen“, fordert Sandra Gulla. Und ergänzt: „Es gibt alternativ viele Freizeitmöglichkeiten, die ohne Tierleid auskommen.“

Vorgaben für Zirkusse sind gänzlich unzureichend
Die Vorgaben zur Tierhaltung, die die „Zirkusleitlinien“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums machen, sind aus Sicht der Tierschützerinnen und Tierschützer veraltet und erschreckend gering. Winzige Außengehege bieten in der Regel kaum Abwechslung oder artgemäße Beschäftigung. Das immer wieder herangezogene Argument, dass Wildtiere im Zirkus durch Dressur und Auftritte körperlich und geistig gefordert werden, hält einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand.

Tierschützer und Bundesrat fordern Wildtierverbot
Neben dem Appell der Tierschützer hat auch der Bundesrat bereits drei Mal die Bundesregierung dazu aufgefordert, ein bundesweites Verbot für Wildtiere im Zirkus zu erlassen – darunter auch auf Initiative Hamburgs im Jahr 2011. Während immer mehr europäische Länder mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechende Beschlüsse zu Wildtierverboten fassen, wie zuletzt Irland, Italien oder Dänemark, hat die Bundesregierung es jedoch über Jahre versäumt, ein solches Verbot einzuführen. Stattdessen vergeben immer mehr Kommunen keine Standflächen mehr an Zirkusse, die Wildtiere mit sich führen – aus Tierschutzsicht ein Schritt in die richtige Richtung.