Pressemeldung

Hessen: Schonzeiten gelten nicht in befriedeten Bezirken

Tierschützer kritisieren pauschalen Freifahrtschein des hessischen Umweltministeriums

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat in einem Schreiben an die Obere Jagdbehörde und die Unteren Jagdbehörden mitgeteilt, dass Jagd- und Schonzeiten für Beutegreifer, etwa Waschbären, und Wildkaninchen nicht für befriedete Bezirke gelten. Der ordnungsgemäße Fang könne dort weiterhin ganzjährig erfolgen. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Hessen kritisieren dies deutlich und haben sich mit einem Schreiben an das Ministerium gewandt.

„Die Aussage des Ministeriums, dass die von Tierschützern mühsam erkämpften neuen Schonzeiten bei der Bejagung nicht für befriedete Bezirke gelten, ist nicht haltbar – weder aus Tierschutzsicht, noch aus rechtlicher Sicht“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Es ist nicht einzusehen, dass die geschulte Jägerschaft Schonzeiten zum Schutz der Elterntiere und des Nachwuchses einzuhalten hat, während Laien, die sich gegen Waschbären oder Kaninchen auf ihren Grundstücken „zur Wehr“ setzen wollen, diese Regeln offenbar missachten können. Hier muss die Ministerin eingreifen.“

„Werden Elterntiere während der Schonzeit getötet, verendet der Großteil der verwaisten Jungtiere jämmerlich“, ergänzt Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Hessen. „Die Auslegung des Ministeriums hat auch Folgen für unsere Tierschutzvereine: Vermehrt landen Tierwaisen auch in den Tierheimen und Auffangstationen.“

Jagd in befriedeten Bezirken nur mit Ausnahmeregelung
Die Jagd darf in befriedeten Bezirken, etwa innerhalb von Ortschaften oder auf Friedhöfen, nur im Ausnahmefall gestattet werden. Allerdings verweist die entsprechende Regelung im hessischen Jagdgesetz auch für den Ausnahmefall auf den im Bundesjagdgesetz besonders bedeutsamen Grundsatz des Elterntierschutzes in der Brut- und Setzzeit. Das Bundesjagdgesetz gestattet den Bundesländern zwar von diesem Grundsatz abzuweichen, allerdings nur, wenn das Land dies „rechtlich tragfähig“ begründen kann.

Mögliche Gründe wären laut Gesetz etwa die Störung des biologischen Gleichgewichts oder eine schwere Schädigung der Landeskultur. Herausragende Gründe, die eine entsprechende Ausnahme rechtfertigen könnten, nennt das hessische Umweltministerium jedoch nicht. Dass Tiere ganzjährig eine hinnehmbare Störung von Bewohnern darstellen können, reicht mithin für eine Einschränkung des Elterntierschutzes nicht aus. Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich daher bereits an die hessische Tierschutzbeauftragte, Dr. Madeleine Martin, gewandt und hat nun das hessische Umweltministerium angeschrieben und um eine zeitnahe Einschätzung des pauschalen Schreibens gebeten.