Tierversuche für Kosmetik

Einem Kaninchen wird mit einer Spritze Flüssigkeit in ein Auge injiziert.

Jahrzehntelang haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Verbrauchersicherheit von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen nicht an Tieren getestet werden. Denn aus unserer Sicht gibt es bei der Fülle an Kosmetikangeboten und bereits verfügbaren Inhaltsstoffen keine Rechtfertigung, immer weiter Tiere zu quälen und zu töten, um ständig neue Produkte zu entwickeln. 

In Deutschland hatte der Einsatz des Deutschen Tierschutzbundes bereits 1998 Erfolg: Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet seitdem Tierversuche für die Entwicklung von Kosmetika. Innerhalb der Europäischen Union (EU) folgte 2004 der erste kleine Teilerfolg, als Tierversuche für die Prüfung fertiger kosmetischer Mittel verboten wurden.
 
Tierversuche für neue kosmetische Inhaltsstoffe sind seit März 2009 in der EU abgeschafft. Auch fertige Kosmetika aus Drittländern, die in Tierversuchen getestet wurden, dürfen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in der EU vermarktet werden. Mit Inkrafttreten der letzten Stufe des Tierversuchs-Verbotes ist seit März 2013 auch der Verkauf von Kosmetika, deren Inhaltsstoffe außerhalb der EU in Tierversuchen getestet wurden, EU-weit verboten.

Tierversuchsverbot stand immer wieder auf der Kippe

In einem Kampf für ein Tierversuchsverbot, der über Jahrzehnte andauerte, bedurfte es immenser Kampagnen- und Lobbyarbeit der Tierschützer, damit die Verbote letztendlich realisiert wurden. Immer wieder wurde der Termin für das Inkrafttreten der letzten Stufe des Tierversuchsverbotes von der Europäischen Kommission hinausgeschoben. Bis zum Schluss erwog die Europäische Kommission zusätzliche Ausnahmen für weitere Tierversuche zuzulassen. Das konnten wir jedoch verhindern und begrüßten, dass endlich im März 2013 die letzte Stufe des vor über zwanzig Jahren angekündigten Verbots in Kraft trat.

Der Europäische Verband der Hersteller von kosmetischen Inhaltsstoffen (EFfCI) ist mit seinem Versuch, das Vermarktungsverbot zu umgehen, gescheitert. Der Europäische Gerichtshof hat am 21. September 2016 mit einem Urteil klargestellt, dass die Kosmetikindustrie das im Unionsrecht festgelegte Tierversuchsverbot nicht verwässern kann, indem sie die Tierversuche in Drittländer verlagert.

Weiterhin Vorsicht bei Kosmetik-Produkten geboten

Die Tierversuchsverbote gelten generell nur für neue Produkte und Inhaltsstoffe. Die „alten“ dürfen leider weiterhin uneingeschränkt verkauft werden, so dass nach wie vor Produkte in den Verkaufsregalen zu finden sind, für die Tierversuche durchgeführt wurden.

Doch noch gravierender ist eine Lücke im EU-Recht: Die Tierversuchs-Verbote beziehen sich laut Klarstellung der EU-Kommission nur auf Inhaltsstoffe, die ausschließlich für kosmetische Zwecke eingesetzt werden. Kosmetikhersteller dürfen auch zukünftig chemische Substanzen verwenden, die in anderen Produkten wie Reinigungsmitteln, Wandfarben oder Medikamenten eingesetzt werden, da in diesen Bereichen gesetzliche Regelungen leider nach wie vor zur Marktzulassung eine Prüfung der Stoffe in Tierversuchen vorschreiben (z.B. in der EU-Chemikalienverordnung)

Leider betrifft dies die Mehrzahl der Inhaltsstoffe, so dass mit einem Ende der Tierversuche erst dann zu rechnen ist, wenn für alle Bereiche der Stoffprüfung tierversuchsfreie Teststrategien zugelassen sind. Auch Tierversuche für den Schutz von Arbeitern in Herstellungsbetrieben oder der Umwelt bleiben bislang noch unberührt. Hier werden wir weiter Druck auf die Entscheidungsträger ausüben, um auch für diese Bereich Tierleid abzuschaffen. 

Kosmetik-Siegel

Immer mehr Kosmetikprodukte tragen mittlerweile Siegel. Wir empfehlen Verbraucher*innen einen Blick auf die Vergabekriterien zu werfen, um zu entscheiden, welches Siegel den eigenen Ansprüchen im Bezug auf Tierversuchsfreiheit am nächsten kommt bzw. diese erfüllt.

Vorsicht: Wenn ein Produkt mit einem „Vegan-Siegel“ gekennzeichnet ist, sagt dies nicht automatisch etwas über seine Tierversuchsfreiheit aus.

Bei der Überprüfung des Siegels können folgende Fragen helfen:

Findet eine Produkt- oder Firmenzertifizierung statt?

Während manche Siegel für einzelne Produkte vergeben werden, können andere auch für eine gesamte Firma oder Marke gelten. In diesem Fall empfehlen wir Verbraucher*innen die Prüfung der Vergabekriterien, denn je nach Siegel ist es möglich, dass gar nicht das gesamte Sortiment, sondern nur ein bestimmter Prozentsatz die Siegelvorgaben erfüllen muss.

Werden Kontrollen von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt?

Wenn unabhängige Prüfstellen die Tierversuchsfreiheit von Rohstofflisten von Produkten bestätigen, können Verbraucher*innen wirklich sicher sein, dass keine der Rohstoffe in Tierversuchen getestet wurden. Denn mit Nachweisen ist es kompliziert. So können Inhaltsstoffe eines Produkts z.B. nach EU-Recht tierversuchsfrei sein, trotzdem wurden sie eventuell früher einmal an Tieren getestet (z.B. wenn sie auch für Produkte wie Reinigunsgmittel, Medikamente etc. eingesetzt werden, wo Tierversuche immer noch vorgeschrieben sind).

Weitere tierschutzrelevante Fragen

Auch wenn keine Tierversuche durchgeführt werden, kann ein Kosmetikprodukt trotzdem mit Schmerzen und Tierleid verbunden sein.

Dürfen Inhaltsstoffe toter Tiere enthalten sein?

Rohstoffe aus toten Tieren zu verwenden ist in der Kosmetikindustrie leider immer noch verbreitet. Tierische Fette, Walrat, Schildkrötenöl, Nerzöl, Murmeltierfett oder Emuöl werden auch heute noch in Hautcremes oder Ölen eingesetzt, da ihnen feuchtigkeitsspendende, faltenreduzierende oder schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben werden.

Es kommen auch tote wirbellose Tiere, die eigens für die Verwendung in Kosmetikprodukten getötet werden, zum Einsatz. Beispiele hierfür sind roter Farbstoff aus Cochenille-Läusen, der in Produkten wie Lippenstift, Nagellack, Rouge oder Lidschatten eingesetzt wird oder Seidenpulver der Seidenspinnerraupe.

Dürfen Rohstoffe enthalten sein, deren Gewinnung mit Tierquälerei oder Ausrottung verbunden sind?

Ein Beispiel für eine tierquälerische Praxis ist die Gewinnung der Bärengalle, die v.a. in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Wundermittel gilt. Bären wird ein Dauerzugang zum Gallengang gelegt und die Flüssigkeit zweimal täglich abgesaugt. Der Bär hat eine ständig offene Wunde, die sich aufgrund schlechter hygienischer Bedingungen und unsachgemäßer chirurgischer und tierärztlicher Versorgung häufig entzündet. Dies führt zu erheblichen Schmerzen und Leiden. 

Die Nutzung von Rohstoffen bedrohter Tierarten in der Kosmetik, z.B. Schildkrötenöl für Cremes oder Moschusöl für Parfums, begünstigen die Ausrottung ganzer Spezies.