Problematik von Tierversuchen

Einer Maus wird mit einer Spritze etwas injiziert.

Nach der Definition im Tierschutzgesetz sind Tierversuche Eingriffe und Behandlungen an Tieren, die zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen können. In Tierversuchen leiden Tiere – oft stellvertretend für den Menschen. Ethisch ist es nicht zu rechtfertigen, einem Lebewesen, das in vergleichbarer Weise wie der Mensch schmerzempfindlich und leidensfähig ist, so etwas anzutun. Wer Tiere schützen will, muss sich daher für die Abschaffung von Tierversuchen einsetzen. Doch auch aus wissenschaftlichen Gründen ist es geboten, auf Tierversuche zu verzichten und stattdessen bessere, tierversuchsfreie Verfahren zu verwenden.

Tierversuche nach wie vor der Goldstandard?

Obwohl sich immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft gegen Tierversuche aussprechen, sind Tierversuche in Politik und Wissenschaft leider noch weitgehend akzeptiert. Das wird damit begründet, dass sie angeblich für die Gesundheit und die Sicherheit des Menschen oder für den wissenschaftlichen Fortschritt notwendig sind.

Doch in der Grundlagenforschung werden Tiere oftmals eingesetzt, um alle nur erdenklichen Fragestellungen zu beantworten, ohne dass ein erkennbarer Zusammenhang mit dem Wohl des Menschen besteht. In der angewandten Forschung werden Tiere künstlich krank gemacht, um an ihnen als Modell Krankheiten des Menschen zu untersuchen.

Dabei lassen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nur schwer auf den Menschen übertragen und bringen nicht den erhofften Durchbruch hinsichtlich dringend benötigter Therapien für Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson. Denn die Tiere unterscheiden sich von uns Menschen in ihrer Lebensweise und Lebensdauer, im Körperbau, Stoffwechsel und Erbgut.

Tierversuche werden in diesem Bereich also nicht gemacht, weil sie besser sind, sondern weil sie eine lange Tradition haben und die Firmen sich rechtlich gegen Schadensersatzklagen absichern wollen. Dabei gibt es bereits zahlreiche moderne und aussagekräftigere tierversuchsfreie Methoden, mit denen sich Verbraucher- und Umweltschutz sicherstellen lässt.

Viele Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben

In Deutschland und in anderen Ländern existieren zudem zahlreiche gesetzliche Vorschriften, in denen für eine Zulassung Tierversuche für die Risikobewertung von unter anderem Arzneimitteln, Chemikalien, Schädlingsbekämpfungsmitteln (Biozide) oder gentechnisch veränderten Pflanzen sogar verbindlich festgeschrieben sind. 

 Tierversuche, die für „Unbedenklichkeitsprüfungen“ oder „Sicherheitsprüfungen“ durchgeführt werden, stammen teilweise noch aus den 1940er Jahren. Sie wurden niemals darauf geprüft, ob die Ergebnisse relevant für den Menschen sind oder Sicherheit für den Verbraucher oder die Umwelt gewährleisten können. Trotz dieser Tierversuche werden immer wieder Chemikalien und Medikamente vom Markt genommen, weil sich im Nachhinein zeigt, dass diese für den Menschen oder die Umwelt schädlich sind. 

Fragwürdige Genehmigungsverfahren

Aus unserer langjährigen Erfahrung und Berichten aus beratenden Kommissionen sowie aus einer Studie, die von der Akademie für Tierschutz durchgeführt wurde, wissen wir, dass nur circa ein Prozent aller Tierversuchsanträge abgelehnt wird. Es werden immer wieder Versuche genehmigt, die sinnlos oder fragwürdig sind wie Versuche zu Drogen- oder Alkoholsucht. Auch Versuche, im Rahmen der Fortsetzung von ausgedehnten Forschungsvorhaben, die bislang keinen absehbaren Durchbruch erbracht haben bzw. bei denen kurz- oder mittelfristig kein Durchbruch absehbar ist oder die das vorab gemachte Heilsversprechen nicht erfüllen, werden genehmigt (wie die seit Jahrzehnten erfolglosen Versuche zur Xenotransplantation, bei denen Tiere als „Ersatzteillager“ für den Menschen als Organspender dienen sollen).

92 Prozent der Arzneiwirkstoffe werden trotz umfangreicher (Vor-)Tests an Tieren nicht zugelassen, da sich bei klinischen Studien am Menschen unerwartete Nebenwirkungen ergeben. Doch gerade auch im Bereich der Medikamentenentwicklung werden jährlich Tausende von Tieren nur aus wirtschaftlichem Interesse getötet. So findet keine Bedarfsprüfung statt, bevor ein neues Produkt entwickelt und auf den Markt gebracht wird. Pharmaunternehmen nutzen diese Lücke, um jedes Jahr neue patentgeschützte Medikamente ohne therapeutischen Zusatznutzen gegenüber billigeren Vorgängerpräparaten auf den Markt zu bringen.

Tierversuche abschaffen

Tierversuche müssen daher aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen gesetzlich verboten werden. Wer aber nur Verbote fordert, wird nicht ernst genommen. Daher mischen wir uns ein und liefern die Fakten. Wir diskutieren gemeinsam mit Politikern sowie Wissenschaftlern und Vertretern aus Industrie und Behörden darüber, wo Tierversuche aus Vorschriften gestrichen werden und durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden können. Wir sind präsent, wenn es gilt, neue Tierversuche zu verhindern und um tierversuchsfreien Methoden zum Durchbruch zu verhelfen.