Botox

Mäuse leiden und sterben für Schönheitsmittel

Diese Mäuse wurden für einen Botox-Wirksamkeitstest in einem englischen Labor gehalten. Copyright: BUAV
Diese Mäuse wurden für einen Botox-Wirksamkeitstest in einem englischen Labor gehalten. © Cruelty Free International

Botulinumtoxin, besser bekannt unter Botox, findet als "Anti-Falten-Mittel" immer weitere Verbreitung. Mit dem starken Nervengift lassen sich Gesichtsfalten "wegspritzen", um so jugendlich auszusehen. Bakterien produzieren den Stoff, der die Signale zwischen Nerv und Muskel hemmt. Unter die Haut im Gesicht gespritzt lähmt es für etwa zwei bis sechs Monate die Muskeln, das Gesicht erscheint dadurch glatter.

Doch was vielen nicht bekannt ist: Für den Test jeder einzelnen Produktionseinheit Botox müssen mindestens 100 Mäuse sterben. Im Jahr sollen es nach Hochrechnungen rund 600.000 Mäuse weltweit sein. Ein Großteil des Mittels wird allein für kosmetische Zwecke eingesetzt. Das EU-weite Tierversuchsverbot für Kosmetik greift hier nicht, da Botox rechtlich als Medikament angesehen wird.  Im medizinischen Bereich wird es beispielsweise für die Behandlung von Spasmen, Muskelverkrampfungen, Schiefhals oder Augenkrankheiten verwendet. 

Etappensieg: Tierversuchsfreie Tests anerkannt

Bereits 2004 hat der Deutsche Tierschutzbund als erste Tierschutzorganisation die Öffentlichkeit in Europa auf diese grausamen Versuche aufmerksam gemacht. Immer wieder forderte der Verband von Politkern gesetzliche Regelungen, die den Mäusetest für das Antifaltenmittel verbieten. Gemeinsam mit anderen europäischen Tierschutzorganisationen wurde auch der Druck auf die Hersteller weiter erhöht. Jahrelang behaupteten diese, dass der komplexe Wirkmechanismus des Nervengiftes nicht in Zellkultur nachzustellen sei. 

Doch die Proteste zeigten Wirkung:  Dem deutschen Botox-Hersteller Merz gelang es 2015, einen tierversuchsfreien Zelltest von der deutschen Behörde anerkennen zu lassen. Der Marktführer für Botoxprodukte, Allergan, testet bereits seit 2012 seine „Botox“-Produktion überwiegend in Zellkultur. Damit können Tausenden von Mäusen ein schrecklicher Tod erspart werden.

Folgende EU-relevanten Botox-Produzenten testen hingegen immer noch jede Produktionseinheit an Mäusen, wobei Esai seine Produkte in Deutschland und Ipsen in England und Irland testen lässt:

Produkt Hersteller
NeuroBloc Eisai GmbH
Azzalure® Ipsen LtD., verkauft von Galderma/Nestlé S.A.
Dysport® Ipsen LtD.

Der Protest geht weiter

In einer EU-weiten Aktion rufen nun die Tierschützer der European Coalition to End Animal Experiments zum Protest gegen Nestlé auf. Diese vertreiben in großem Stil Botoxprodukte der Firma Ipsen, die immer noch ausschließlich an Mäusen testen. Nestlé ist damit am massenhaften Tierleid beteiligt.

Protestieren Sie mit und schreiben Sie einen Brief an Nestlé!

Muster-Protest-Brief an Nestlé

Absender

Nestlé Suisse S.A.

Postfach 2222

1800 Vevey

Schweiz

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war schockiert, zu erfahren, dass Ihr Unternehmen durch den Verkauf der Botulinumtoxinprodukte Dysport® und Azzalure® von Galderma/Ipsen in Nordamerika und anderen Ländern für enormes Tierleid verantwortlich ist.

Für jede Charge von Dysport® / Azzalure® wird der berüchtigte LD50-Test an Mäusen durchgeführt. Den Tieren werden dabei verschiedene Dosen der Substanz ins Abdomen injiziert, was zu erheblichen Schmerzen bei den Mäusen führt. Für viele der Tiere endet der Test nach bis zu drei oder vier Tagen mit dem Tod durch Ersticken. Diese für die Zulassung der Produkte vorgeschriebene Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung muss für jede Produktionseinheit durchgeführt werden. Zehntausende von Mäusen werden von Ipsen jedes Jahr zu diesem Zweck verwendet.

Andere Unternehmen haben bereits zellbasierte Testmethoden entwickelt und validiert, um ihre Botulinumtoxinprodukte tierversuchsfrei zu testen. Ipsen kann bislang keinen geprüften tierfreien Test vorweisen.

Sie sind sich vermutlich bewusst, dass die Öffentlichkeit keine Tierversuche akzeptiert, insbesondere wenn es um Schönheitsprodukte geht. Dies zeigt unter anderem das EU-weite Tierversuchsverbot für Kosmetik und kosmetische Inhaltsstoffe. Auch wenn die Tests von einem anderen Unternehmen (Ipsen) durchgeführt werden, ist auch Nestlé für dieses Tierleid mit verantwortlich, indem Sie vom Verkauf dieser Produkte profitieren.

Ich fordere Sie dringend auf, Ihren Einfluss geltend zu machen und von Ipsen zu verlangen, einen zellbasierten Test zu entwickeln und einzusetzen und, bis dieser genehmigt ist, den Verkauf ihrer Botulinumtoxinprodukte einzustellen.

Mit freundlichen Grüßen

Erstickungstod für Wirksamkeitstest

Botox-Opfer: Tote weiße Labormäuse in einer Tüte. © BUAV
© Cruelty Free International

Botox wird im LD50 Test geprüft - einem Tierversuch, der die Wirksamkeit des Stoffes anhand der Todesrate der Tiere misst. Bei dem grausamen Versuch wird ermittelt, bei welcher Dosis 50 Prozent der Mäuse sterben. Den Tieren wird Botox in die Bauchhöhle gespritzt. Sie reagieren mit Lähmungen und Sehstörungen bis sie schließlich durch die Lähmung de Atemmuskulatur ersticken. Dieser Todeskampf der Tiere kann bis zu vier Tage dauern.

Für die Testung dieses Nervengifts wurden 2014 allein in Deutschland Tests an 150.000 Mäuse genehmigt, 2015 an 48.000 Mäusen.

Grundsätzlich darf laut Tierschutzgesetz ein solch qualvoller Tierversuch nur durchgeführt werden, wenn dies "von hervorragender Bedeutung für wesentliche Bedürfnisse von Mensch und Tier ist". Bei einer kosmetischen Anwendung ist das eindeutig nicht der Fall. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher, dass Botox nicht mehr für kosmetische Zwecke eingesetzt werden darf, solange der Tierversuch nicht durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden kann.

Verdeckte Film-Aufnahmen in englischem Labor

Bei verdeckten Recherchen in einem englischen Auftragsforschungslabor hat die britische Tierschutzorganisation Cruelty Free International (früher British Union for the Abolition of Vivisection, BUAV) das Leiden der Mäuse bei den Botox-Tests gefilmt. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche und der Deutsche Tierschutzbund präsentieren den abschreckenden und aufklärenden Film in deutscher Fassung.

Achtung: Dieser Film zeigt Szenen, die für Kinder und sensible Menschen nicht geeignet sind.