Schweinemastanlage in Haßleben

Beispielbild mit jungen Schweinen hinter Gittern. © Jo-Anne McArthur / We Animals
© Jo-Anne McArthur / We Animals

Nach jahrelangem Streit hat das Verwaltungsgericht Potsdam am 16. Oktober 2017 die Genehmigung für die geplante industrielle Schweinemastanlage in Haßleben (Brandenburg) aufgehoben. In der Anlage sollten rund 37.000 Schweine gemästet werden. Gegen die Erteilung der Genehmigung der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Brandenburg (BUND) und dem Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Brandenburg (NABU) geklagt. Bereits seit 2005 kämpfen wir gemeinsam mit unserem Landesverband Brandenburg und weiteren Tier- und Naturschutzverbänden gegen die geplante Schweinemastanlage.

Die Genehmigung zum Bau der Anlage wurde 2017 wegen formaler Mängel aufgehoben, u.a. wegen fehlender  baurechtlicher Voraussetzungen und mangelhafter Beteiligung der Öffentlichkeit. Das Urteil fiel am Ende nicht aufgrund der erheblichen Tier- und Artenschutzprobleme, die mit einer solchen industriellen Großanlage verbunden wären. Denn diese konnten gar nicht mehr überprüft werden, da die formalen Mängel schon so gravierend waren. Dennoch ist das Urteil aus Tierschutzsicht ein großer Schritt im Kampf gegen industrielle Schweinehaltungsanlagen.

Seit 2004 planen Investoren, die im Jahr 1991 stillgelegte Schweinezucht- und Mastanlage mit einer Kapazität von rund 37.000 Mastschweinen im Norden der brandenburgischen Gemeinde Haßleben, Landkreis Uckermark, wieder in Betrieb zu nehmen. 

Wir waren vor Ort: Am 16. Oktober 2017 hob das Verwaltungsgerichts Potsdam die Genehmigung für die Schweinemastanlage in Haßleben auf.

Aktion im August 2013 in Potsdam: Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland und dem Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft hatten wir gegen die im Juni 2013 erteilte Genehmigung für die Schweinemastanlage Widerspruch eingereicht.

Bereits 2010 haben wir uns in Haßleben an einer großen Protestaktion beteiligt, bei der die Bevölkerung mit Aktionen und Redebeiträgen auf die geplante Schweinemastanlage aufmerksam gemacht wurde.

Rechtsstreit um die Schweinemastanlage Haßleben

2005 reichte der Investor, die holländische Gennip GmbH, seinen ursprünglichen Plan, der die Haltung von sogar 85.000 Schweinen vorsah, bei dem zuständigen Landesamt ein. Seitdem formierte sich ein massiver Widerstand gegen diese tierquälerische und umweltschädigende gigantische Großanlage. Später reduzierte der Investor mehrmals die Tierplätze bis zuletzt noch die rund 37.000 übrig blieben.

Leider änderten auch die Anträge des Investors zur Verringerung der Tierzahl nichts an der aus Tierschutzsicht abzulehnenden Haltung. Die Zuchtsauen sollen in Haßleben größtenteils einzeln in Kastenständen gehalten werden. Die Haltung der Mastschweine ist in kargen Buchten mit Vollspaltenboden geplant. Im gesamten Tierbereich ist eine Beleuchtung über Kunstlicht mit der Stärke von 50 Lux vorgesehen - das entspricht Dämmerlicht.

2013 wurden die Wiederinbetriebnahme genehmigt. Seitdem prozessieren wir gemeinsam mit weiteren Tier- und Naturschutzverbänden, um dies zu verhindern.

Luftaufnahme von der Schweinemastanlage in Hassleben.
Luftaufnahme der alten Schweinemastanlage: Zu DDR-Zeiten stand am gleichen Standort eine Mastanlage für 150.000 Schweine.

Gutachten contra Investor-Antrag für Schweinemastanlage

Zwischen Sommer 2005 und Winter 2007 hatten wir mehrere Einwendungen gegen die industrielle Schweinemast- und Zuchtanlage Haßleben eingereicht, die auf wissenschaftlichen und juristischen Gutachten basierten. Hier lesen Sie die Zusammenfassung des Gutachtens „Zur Tiergerechtheit der intensiven Schweinehaltung", das vom Lehrstuhl für Landwirtschaft der Fachhochschule Eberswalde für den Deutschen Tierschutzbund erstellt wurde. Im Herbst 2006 wurde es zusammen mit einer rechtlichen Bewertung beim Landesumweltamt Brandenburg eingereicht.

Für dieses Fachgutachten hatten die Wissenschaftler Daten über Verletzungen von Schweinen in hoch industrialisierten Haltungen nach Häufigkeit und Schwere ausgewertet und mit den Daten aus tiergerechten Ställen verglichen. Es zeigte sich, dass bei Schweinen aus der Massentierhaltung schmerzhafte Verletzungen und Krankheiten gehäuft auftreten. Bis zu 75 Prozent der Schweine leiden an Gelenkserkrankungen und 68 Prozent können wegen Sohlenverletzungen nur eingeschränkt laufen. Hinzu kommen Bissverletzungen und Hautinfektionen.

Verursacht werden diese Erkrankungen durch das Einpferchen der Schweine in zu kleine Buchten mit Vollspaltenböden ohne Liegekomfort oder Beschäftigung z. B. durch Stroh. Die Sterblichkeit liegt dort bis zu sechsmal höher als in Ställen mit viel Stroh und Freiraum. Die geplante Anlage verstößt gegen § 2 des Tierschutzgesetzes, der eine verhaltensgerechte Unterbringung von Tieren vorschreibt.