Alte Haustierrassen

Das Bunte Bentheimer Schwein ist heute eine stark gefährdete Haustierrasse.

Früher gab es eine Vielzahl an alten Haustierrassen in der Landwirtschaft wie das Bunte Bentheimer Schwein, das Glanrind oder das Schwarzwälder Kalblut. Doch nach dem 2. Weltkrieg setzte eine Industrialisierung in der Landwirtschaft ein, die sich auch auf die Tierrassen ausdehnte. 

Die Leistung stand im Vordergrund - die Tiere sollten möglichst viele Eier legen oder Fleisch ansetzen. Es wurde gezielt auf Hochleistung gezüchtet. Heute gibt es nur noch wenige Hochleistungs-Tierrassen, die anderen alten Rassen sind bis auf wenige Vertreter ausgestorben. 

Andere Tierrassen wie beispielsweise die Kaltblutpferde wurden nicht mehr gezüchtet, weil die Technik ihren Einsatz in der Landwirtschaft verdrängte: Pferde ziehen heute keinen Pflug mehr und werden kaum bei der Waldarbeit eingesetzt. 

Alte Haustierrassen sind wertvoll

Heute besinnt man sich wieder der guten Eigenschaften der alten Rassen. Denn die Hochleistungszucht führt zu zahlreichen Problemen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung: Die Tiere neigen zu Krankheiten und haben nur eine kurze Lebensspanne. Die alten Rassen haben hingegen eine gute Konstitution, sind widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten, genügsam, langlebig und zeigen gute Muttereigenschaften. 

Gerade für eine naturnahe, extensive Landwirtschaft unter Tierschutz-Gesichtspunkten sind die alten Haustierrassen sehr wertvoll. Mit ihrer Hilfe können wir einen Weg aus der intensiven, rein auf Hochleistung ausgerichteten Tierhaltung der jetzigen Landwirtschaft finden. 

Der Erhalt alter Haustierrassen ist dem Einsatz einzelner Landwirte und der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) zu verdanken. Durch den Einsatz der GEH konnte die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden, Züchter schlossen sich an und die Rassen konnten neu belebt werden. 

In Arche-Parks wie dem Tierpark Arche Warder bei Kiel in Schleswig-Holstein werden die alten Rassen gepflegt und gezüchtet. Besucher bekommen so die Möglichkeit die alten Tierrassen und ihre Einzigartigkeit kennen zu lernen. 

Glanrinder auf einer Wiese. © Feldmann GEH
Glanrinder auf einer Wiese. © Feldmann GEH

Alte Haustierrassen kurz vorgestellt

Bayerische Landgans

Bayerische Landgans

Ursprünglich stammt die Bayerische Landgans aus Bayern, genauer aus den Regionen Franken, Oberpfalz, Niederbayern und Schwaben. Es gibt sie in vielen Farben: weiß, grau, braun, blau und auch gescheckt. Ein besonderes Merkmal ist der orange Schnabel mit weißlich gelber Spitze.

Die 4-6 kg schwere Gänserasse hat ein lebhaftes Wesen und ist trotz guter Flugfähigkeit ihrem Heimatstandort treu und lebt gerne auf Weiden. Leider ist diese Rasse nach der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) stark gefährdet.

Buntes Bentheimer Schwein

Bentheimer Landschwein

Das Bunte Bentheimer ist in Deutschland beheimatet. Die Rasse wurde zuerst in der Region Bentheim im niedersächsischen Emsland gezüchtet, wo sie heute noch vorkommt. Direkt nach dem zweiten Weltkrieg war diese Rasse sehr beliebt, weil sie einfach zu halten war und gutes, fettreiches Fleisch lieferte. Später wollten die Menschen lieber fettarmes Fleisch haben, weshalb das Bunte Bentheimer Schwein weniger gezüchtet wurde.

Bunte Bentheimer erkennt man leicht an ihrer typischen Färbung: Sie sind weiß oder grau und haben schwarze Flecken. Heute gilt ihr Fleisch als sehr hochwertig und wird wieder gerne gegessen. Daher kommen die Schweine wieder häufiger vor. Dennoch gilt die Rasse als extrem gefährdet.

Coburger Fuchsschaf

Coburger Fuchsschaf
Coburger Fuchsschafe nach der Schur in unserem Tierschutzzentrum Sylt.

Das Coburger Fuchsschaf war im 19. Jahrhundert in vielen Teilen der europäischen Mittelgebirge beheimatet. Die weite Verbreitung zeigt sich auch in den vielen Namen, unter denen das Schaf bekannt ist: Goldfüchse, Welsh Mountain Sheep, Eisfelder Fuchsschafe oder Solognotes.

Die hornlosen Schafe sind an ihrer goldgelben bis rotbraunen Wolle gut zu erkennen. Nicht nur die Farbe der Wolle ist besonders, auch die Qualität ist ausgezeichnet. Die Wolle eignet sich hervorragend zum Handspinnen, Weben und Filzen.

Wir halten auf den Wiesen unseres Artenschutzzentrums Sylt Coburger Fuchsschafe. Die genügsamen Tiere passen sich leicht an das raue Küstenklima an und eignen sich sehr gut für die Landschaftspflege. Sie fressen selbst Brennnesseln.

Die Rote Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) ordnet das Coburger Fuchsschaf in die Vorwarnstufe ein.

Glanrind

Glanrind © Feldmann GEH

Das Glanrind ist ein gelbbraunes Rind, das seit dem frühen 19. Jahrhundert gezüchtet wird. Ursprünglich stammt es aus dem Gebiet am Fluss Glan und dem Donnersberg in Rheinland-Pfalz. Heute ist die Rasse auch im Saarland, in Nordrhein-Westfalen, Belgien und Holland zu finden.

Glanrinder haben meist abwärts geneigte Hörner mit meist schwarzen Spitzen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist das helle Maul. Die Dreinutzungsrasse (Milch, Fleisch, Landschaftspflege) wird mit dem Schwerpunkt der Fleischerzeugung gehalten. Sie sind geschickte Futtersucher und kommen auch an steilen Hängen gut zurecht. Ihr Charakter ist gutmütig, sie sind robust und haben eine gute Gesundheit. Leider sind sie vom Aussterben bedroht und gelten als stark gefährdet.

Krüper Huhn

Krüper-Hühner - eine Henne und ein Hahn. © Raukutis GEH
© Raukutis GEH

Der Krüper ist eine der ältesten deutschen Geflügelrassen. Im 16. Jahrhundert wurden sie als Kriechhühner bezeichnet. Dies bezieht sich auf ihre kurzen Beine, einem Erkennungsmerkmal der Krüper.

Ursprünglich wurden zwei Rassen unterschieden: die Bergischen Krüper, die etwas kastenförmig wirken und etwas größere Kämme tragen und die westfälischen Krüper, erkennbar an ihrem langgestreckten Körper und einem kleineren Kamm. Heute gibt es nur noch eine Rasse.

Die Hähne haben einen niedrigen Kamm mit 4 bis 6 Zacken und einen großen Schwanz mit einer langen Hauptsichel. So wird die lange Schwanzfeder genannt. Der Hals ist kurz und hat einen langen Behang. Auch die Hennen tragen einen Kamm, sie haben aber einen weniger auffälligen Schwanz.

Die Krüper gehören zu den Legehühnern. Bereits in einem Alter von sechs Monaten beginnen die Hühner Eier zu legen. Die Legeleistung beträgt 180 bis 220 Eier pro Jahr. Die Krüper gelten bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) als extrem gefährdet.

Murnau-Werdenfelser-Rind

Murnau-Werdenfelser-Rind

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist eine alte Landrasse aus Oberbayern. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es als „Dreinutzungsrind“ (Arbeitstier, Milch- und Fleischlieferant) sehr beliebt.

Die Rasse ist gut an ihrem „Mehlmaul“ zu erkennen: dunkles Maul mit heller Umrandung. Das Fell ist hell- bis dunkelgelb oder rotbraun. Diese Rinderrasse ist sehr robust und hat kein Problem mit häufigem Regen, sumpfigen Untergründen oder steilen Weideflächen. Da die Tiere sehr stark und trittsicher sind, wurden sie häufig bei der Arbeit auf dem Feld und in Wäldern eingesetzt und zum Transport schwerer Lasten. Als landwirtschaftliche Maschinen erfunden wurden, waren sie nicht mehr so gefragt.

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) extrem gefährdet.

Schwarzwälder Kaltblut

Schwarzwälder Kaltblut © Milerski GEH
© Milerski GEH

Das Schwarzwälder Kaltblut gilt mit seinem breiten Körperbau und einer kräftigen Muskulatur als gutes Arbeitstier, das schon im Mittelalter in gebirgigem Gelände für Wald- und Feldarbeit eingesetzt wurde. Mit seinen breiten, harten Hufen kann das Kaltblut auch im Gelände sicher gehen. Neben seinem kräftigen Körperbau ist das Schwarzwälder Kaltblut, auch Schwarzwälder Fuchs genannt, an seiner typischen Fellfarbe gut zu erkennen: Dunkelfuchs (rotbrauner Farbton), mit hellem Langhaar an Mähne und Schweif.

Als in der Landwirtschaft Maschinen die Arbeit der Zugpferde ersetzten, ging der Bestand dieser Pferderasse zurück. Der Schwarzwälder Fuchs war vom Aussterben bedroht. Seit 1970 wird der Fortbestand der Rasse jedoch gefördert. Die Rasse ist mit ihrer guten Gesundheit, dem robustem Wesen und ihrer ruhigen, gutmütigen Art als Kutsch- und Reitpferd beliebt. Heute wird sie außerdem als Therapiepferd eingesetzt.

Trotzdem gilt die Rasse bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) als gefährdet. 

Thüringer Waldziege

Thüringer Waldziege

Die Thüringer Wald Ziege ist heute die einzige eigenständig gezüchtete, einheimische Ziegenrasse Deutschlands – ohne Einkreuzungen anderer Rassen aus dem In- und Ausland. Seit 1935 gilt sie als eigenständige Ziegenrasse. Nach dem 2. Weltkrieg verlor die Rasse an Bedeutung.

Im Thüringer Wald galten Ziegen jahrhundertelang als die „Kuh des kleinen Mannes“. Vor allem die ärmeren Berufsstände wie Holzfäller und Bergwerksleute hielten Ziegen, die ihnen nahrhafte Milch lieferten.

Die mittelgroße und kräftig gebaute schokoladenbraune Ziege hat eine auffällige weiße Gesichtsmaske, auch ihre Ohren und Unterbeine sowie der Bereich um das Maul sind weiß. Es gibt von dieser Rasse sowohl Ziegen mit als auch ohne Horn. Die Milchziege hat eine hohe Widerstandsfähigkeit und ist sehr gut zur Landschaftspflege geeignet. Laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) gilt sie heute als extrem  gefährdet.

Thüringer Waldziegen können Sie auch in unserem Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld in Schleswig-Holstein besuchen.