Wassergeflügel

Enten und Gänse

Stockente mit Küken auf einem See. © Bremer Tierschutzverein e.V.
© Bremer Tierschutzverein e.V.

Enten sind Wasservögel. Sie leben in der Regel an offenen Gewässern, wie Seen oder Teichen, denn Wasser ist für sie lebenswichtig. Sie nutzen es für die Gefiederpflege, um zu baden und für die Nahrungssuche und -aufnahme. Enten fressen neben Pflanzen auch kleine Fische, Insekten und Würmer. Hierfür gründeln sie am Boden und seihen mit ihrem Schnabel feste Bestandteile aus dem Wasser.

Auch Gänse sind Wasservögel. Obwohl sie die meiste Zeit des Tages an Land verbringen, ist die Nähe zu einem Gewässer für Gänse ebenfalls elementar. Gänse sind Pflanzenfresser, weiden auf Wiesen und fressen dort Kräuter und Gräser, aber auch Obst, Gemüse und Getreidekörner. Doch auch im Wasser wird gegründelt und der Boden nach Pflanzen abgesucht. Für die Gefiederpflege ist Wasser unbedingt nötig.

Gänse und Enten leben meist in lockeren Gruppen, manche Enten auch zeitweise einzeln. Nur zur Paarungszeit suchen sie sich einen festen Partner. Die einzeln lebenden Tiere und auch die Brutpaare verteidigen ihre Territorien und Nester oft vehement gegen Konkurrenten oder Eindringlinge.

Enten- und Gänsehaltung in der deutschen Landwirtschaft

In Deutschland werden Enten vor allem als Masttiere gehalten. Moschusente und Pekingente sind die beiden Enten­rassen, die in der Landwirtschaft am häufigsten vorkommen. Die Bedingungen in der Mast sind für Wasservögel katastrophal, das Leid der Tiere in der intensiven Stallhaltung ist enorm. Ohne Zugang zu Wasser, der ihnen meist verwehrt wird, können die Tiere ihren arteigenen Verhaltensweisen in keiner Weise nachgehen.

Bei der Entenmast geht es darum, in kürzester Zeit möglichst viel Fleisch zu produzieren. So werden die Tiere in 6-10 Wochen turbogemästet bis sie ein Gewicht von bis zu 4,6 Kilogramm erreicht haben. Die schnelle Mast führt nicht selten dazu, dass die Tiere nicht mehr laufen können, da Muskeln und Knochen das Gewicht nicht halten können.

In der intensiven Stallhaltung haben die Enten weder Auslauf ins Freie, noch Zugang zu einer Wasserstelle. Oft steht nur eine Nippeltränke zum stillen des Durstes zur Verfügung. Baden, Gründeln oder die wichtige Gefiederpflege ist nicht möglich. Stattdessen sitzen die Tiere dicht gedrängt auf Gitter- oder Spaltenböden, an denen sie ihre Paddel verletzen.

Enten dicht gedrängt in der konventionellen Haltung. © A. Farkas/afi
Enten dicht gedrängt in der konventionellen Haltung. © A. Farkas/afi

Das viel zu geringe Platzangebot, die schlechten Luft- und Lichtverhältnisse und der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten führen vor allem bei Moschusenten zu Verhaltensstörungen wie Federrupfen und Kannibalismus. Moschusenten sind sehr territoriale Tiere und leiden besonders unter der hohen Besatzdichte in den Ställen. Anstatt jedoch die Haltungsbedingungen zu verbessern, werden sie oft in stark abgedunkelten Ställen gehalten. Vorbeugend werden den Enten Schnäbel und Krallen gekürzt, damit sich die Tiere nicht so schwere Verletzungen zufügen können. Der Schnabel ist jedoch bis in die Spitze mit vielen Nerven durchzogen und für Enten und Gänse ein empfindliches Tastorgan. Das Kürzen bedeutet erhebliche akute und oft auch dauerhafte Schmerzen für die Tiere.

Auch Gänse werden in Deutschland hauptsächlich zur Fleischgewinnung gehalten. Die Tiere leben meist in Freilandhaltung oder kombinierter Stall/Auslaufhaltung. Zugang zu Wasser, damit die Tiere baden, gründeln und ihr Gefieder pflegen können, fehlt aber auch hier meist.

Federn und Daunen

Gans

Als Nebenprodukt der Fleischgewinnung werden Federn und Daunen von Enten und Gänsen als Füllmaterial für Kissen, Bettdecken und Outdoorkleidung verwendet. Entenfedern und -daunen werden erst nach der Schlachtung gewonnen. Gänse allerdings werden auch lebend gerupft. Das schmerzhafte Ausreißen der Federn ist in Deutschland nicht erlaubt, wird aber in vielen anderen Ländern noch praktiziert. Das Raufen, ein Auskämmen von losen Federn während der natürlichen Mauser, ist nicht verboten. Aber auch das Raufen ist nicht grundsätzlich schmerz- und stressfrei für die Gänse. Wir lehnen die Entfernung der Federn am lebenden Tier deshalb grundsätzlich ab.

Immer wieder werden auch Federn und Daunen verarbeitet, die aus Betrieben im Ausland stammen, in denen Enten oder Gänse für die Stopfleberproduktion gehalten werden.

Für den Verbraucher ist meist nicht festzustellen, ob Federn und Daunen von Tieren stammen, die tiergerecht gehalten wurden. Wir appellieren deshalb an jeden Käufer, keine Bettwaren oder Kleidungsstücke zu kaufen, bei denen nicht klar und glaubwürdig erkennbar ist, dass diese tiergerecht erzeugt wurden. Im Zweifelsfall sollte daher zu einer Daunenalternative gegriffen werden.

Fehlende gesetzliche Regelungen

Bisher gibt es keine bundesweite gesetzliche Regelung zur Haltung von Wassergeflügel.

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich dafür ein, dass wenigstens Mindestanforderungen bei der Mast von Wasservögeln vorgeschrieben und auch eingehalten werden. Moschusenten aber leiden auch unter verbesserten Haltungsbedingungen immer noch derart unter Stress, dass Kannibalismus weiter bestehen bleibt. Daher fordert der Verband einen Verzicht auf die Masthaltung dieser Tiere.

Was können Sie tun?

Der beste Tierschutz ist immer der Verzicht auf Fleisch. Auf Enten- und Gänsefleisch sollte deshalb generell verzichtet werden.