Vegetarismus und Tierschutz

Veganes Gericht. © Gerda Schwarz
Veganes Gericht. © Gerda Schwarz

Aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund eine vegane oder vegetarische Ernährungsweise. Das „Ersetzen“ tierischer Produkte mit pflanzlichen kann nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Tierschutz, sondern auch eine Bereicherung auf vielen anderen Lebensebenen darstellen. Die Gründe, auf pflanzliche Produkte zurückzugreifen, sind zahlreich und reichen von ethischen bis hin zu politischen und sozialen Gesichtspunkten. Ernährung hat nicht nur direkte sowie indirekte Auswirkungen auf Menschen und Tiere, sondern auch auf die Umwelt und die biologische Vielfalt. Nicht zuletzt gibt es viele wissenschaftliche Studien, die auf den gesundheitsfördernden Charakter einer tierfreien Ernährung hinweisen.

Unser widersprüchliches Mensch-Tier-Verhältnis

Schweine in der Massentierhaltung. © A.Farkas/afi
Schweine in der Massentierhaltung. © A.Farkas/afi

Die Herstellung von Fleisch, Milch und Eiern hat heute mit Bauernhofromantik nicht mehr viel gemein. Eines der fundamentalen Probleme der Nahrungsmittelproduktion ist, dass die sogenannten Nutztiere nicht mehr als eigenständige Lebewesen angesehen werden. Sie sind Produkte, die unseren Zwecken dienen. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte des Menschen wurde so viel Fleisch verzehrt und wurden Tiere so sehr ausgebeutet wie heute. In diesem hochindustrialisierten Komplex der Nutztierhaltung, bei dem der Tierschutz letztlich auf der Strecke bleibt, wird die Entfremdung des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen und der Natur besonders deutlich. Bereits bei der Auswahl der Tiere für die Nahrungsmittelproduktion besteht eine starke Diskrepanz: Es ist rational kaum begründbar, warum wir Hunde und Katzen in unsere Familien aufnehmen, ihnen so viel Liebe und Schutz zukommen lassen, Millionen Hühnern, Schweinen und Rindern jedoch im gleichen Atemzug das Recht auf ein Leben ohne Leid und Qual absprechen. Dabei handelt es sich nicht minder um fühlende (oder intelligente) Lebewesen mit zum Teil komplexen Sozialstrukturen und einem starken Überlebensimpuls. Ebenso wie wir, versuchen sie, jeder Form von Schmerz und Leid aus dem Weg zu gehen.

Die Folgen für die Tiere

Masthühner in der Massentierhaltung. © A.Farkas/afi
Masthühner in der Massentierhaltung. © A.Farkas/afi

Um immer mehr Fleisch zu liefern, mehr Milch zu geben oder mehr Eier zu legen - und somit mehr Profit zu bringen - werden die Tiere auf hohe Leistung und Ertrag gezüchtet. Bereits in der extremen Spezialisierung der Zuchtlinien zeigt sich die Verwandlung des Tieres vom Lebewesen zum Produktionsgut. So werden beispielsweise in der Legenhennenzucht männliche Küken am ersten Lebenstag getötet, da sich deren Mast nicht lohnt. Ähnlich ergeht es männlichen Kälbern milchbetonter Rinderrassen. Diese zeigen kaum Muskelansatz, werden unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten und nicht wiederkäuergerecht gemästet, um sie nach kurzer Zeit schlachten zu können. Die Auswahlzucht führt bei vielen Tieren zu erhöhten Wachstumsraten mit entsprechenden gesundheitlichen Problemen. Milchkühe leiden häufig an Euter-, Legehennen oftmals an Eileiterentzündungen. Die übernatürlich groß gezüchteten Brustmuskeln von Masthühnern verlagern den Körperschwerpunkt der Tiere, dem Beine und Hüften nicht standhalten. Aufgrund schmerzhafter Beindeformationen können sich viele gar nicht mehr fortbewegen.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Tiere in der Nahrungsmittelproduktion nicht artgerecht und unter schlechten Bedingungen gehalten wird. Sie fristen ihr Dasein in engen dunklen Ställen, ohne oder mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit, die ihr arteigenes Verhalten nicht mehr zulässt. Zusammen mit der ohnehin genetischen Veranlagung der Tiere, sorgt dies für weitere ausgeprägte physische Schäden und Verhaltensstörungen.

Oft müssen die Tiere mehrfach in ihrem Leben über viele Kilometer transportiert werden: vom Aufzuchtbetrieb zum Mastbetrieb und von dort zu teils weit entfernten Schlachtstätten. Das Einfangen, Aufladen bzw. Auf- und Abtreiben auf die LKWs sowie der Transport selbst stellen Belastungen für die Tiere dar. Nicht zuletzt kann auch die Schlachtung erhebliche Tierschutzprobleme verursachen, etwa durch unzureichende Betäubung, falsch gesetzte Bolzenschüsse oder menschliches Fehlverhalten.

Die Kosten unserer Ernährung

Gerodeter Regenwald. © guentermanaus - Fotolia.com
Gerodeter Regenwald. © guentermanaus - Fotolia.com

Unsere Ernährungsgewohnheiten und die damit verbundene Tierhaltung haben auch einen entscheidenden Einfluss auf unsere Umwelt und somit einen direkten negativen Effekt auf das globale Klima. So emittieren der Agrarsektor und die damit verbundene Fleischindustrie beispielsweise mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehrsbereich. Der Anbau von Futtermitteln trägt in erheblichem Maße zur Rodung von Regenwaldflächen, zu Artenschwund, Wasserverschmutzung und -verknappung, Bodenerosion und Überdüngung bei. Die chronische Unterernährung von über 800 Millionen Menschen durch eine ineffiziente Verteilung der Ressourcen sowie die Vertreibung und Ausbeutung von Menschen sind weitere Herausforderungen, mit denen wir uns heute und in Zukunft auseinandersetzen müssen, zumal der weltweite Fleischkonsum stetig zunimmt und die bereits vorhandenen Probleme damit zusätzlich verschärft.

Alternativen zum Konsum tierischer Produkte

Insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher Alternativen zur Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ist diese Entwicklung kritisch zu sehen. Durch jahrzehntelange gesellschaftliche Prägung und Erziehung ist das Essen von Fleisch zu einer Gewohnheit geworden, die nicht hinterfragt und in den meisten Fällen gedankenlos hingenommen wird. Dabei besteht heute keine Notwendigkeit mehr, Tiere für unsere Bedürfnisse - sei es zur Nahrungsmittelproduktion oder für Kleidung - zu töten.

Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, sich fleischlos, aber dennoch ausgewogen zu ernähren. Dank der steigenden Anzahl an veganen und vegetarischen Kochbüchern wie auch der großen Menge an frei zugänglichen Rezepten im Internet ist die Auswahl an schmackhaften Alternativen nahezu unbegrenzt. Ersatz für Milch und Milchprodukte auf Soja-, Hafer-, Dinkel-, Reis- oder Nussbasis sind ebenso wie pflanzliche Brotaufstriche, Gerichte aus Soja (z.B. Tofu, Tempeh) oder Bratlinge aus Gemüse und Getreide (z.B. Seitan) mittlerweile in jedem gut sortierten Supermarkt zu finden.

Eine steigende Zahl an Veganern und Vegetariern in unserer Gesellschaft zeigt, dass viele Menschen das Töten und Nutzen von Tieren zur Nahrungsmittelproduktion nicht länger akzeptieren. Um den angesprochenen Missständen entgegen zu treten, können tierschutzengagierte Menschen durch eine Umstellung ihrer Konsumgewohnheiten auf diese Weise einen wichtigen Beitrag leisten.

Bewusst für mehr Tierschutz

Im Allgemeinen schließt der Vegetarismus auch weitere Stoffe aus, die aus geschlachteten Tieren hergestellt werden, etwa Gelatine, Schmalz oder tierisches Lab (in Käse). Veganismus lehnt zudem grundsätzlich Produkte, die von Tieren stammen, ab. Dazu zählen u.a. Wolle, Leder, Seide oder Pelz sowie Daunen und Honig.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die Entwicklung, dass sich immer mehr Menschen für weniger Tierleid und eine bewusste, vegane oder vegetarische Lebensweise entscheiden und somit ein Zeichen für mehr Tier- und Umweltschutz setzen, denn ein konsequenter Tierschutz lehnt das Töten und Quälen aller Tiere ab.