Anholter Bärenwald

Chronologie der Ereignisse

Die Bären heute

Braunbärinnen Maya und Bensi

Alters- oder krankheitsbedingt mussten wir in den letzten Jahren zwar von einigen Bären Abschied nehmen, doch konnten dadurch wieder neue Tiere aus schlechten Verhältnissen befreit werden.

Derzeit leben in Anholt die Braunbären Bensi, Ronja, Mascha und Maya. Bensi wurde 1990 geboren und lebt seit dem Jahr 2000 in Anholt. Die Schwestern Ronja und Mascha (beide *1992) kamen 2008 in den Bärenwald. 2012 zog Bärin Maya aus Litauen ein.

Bei den Kragenbären handelt es sich um die beiden Männchen Speedy (*1991) und Balou (*1996), das Weibchen Foxi (*1989) und um die beiden Jungtiere Serenus und Charlottus, die Söhne von Foxi und Speedy, die beide 1999 in Schlitz geboren wurden. Die gesamte Gruppe lebt bereits seit dem Jahr 2000 in Anholt.

2012

Litauische Bärin aus katastrophaler Haltung gerettet
Am 30. August Braunbärin Maya im Anholter Bärenwald eingetroffen. Über 15 Jahre musste das Tier in Litauen in einem kleinen Käfig neben einem Restaurant dahinvegetieren. In Zusammenarbeit mit der niederländischen Bärenschutzorganisation Alertis sowie einer litauischen Tierrechtsorganisation (LGTAO) konnten die International Bear Federation (IBF) und der Deutsche Tierschutzbund Übernahme und Transport der Bärin organisieren.

Im Mai 2012 verstarb Braunbär Bene überraschend im Alter von etwa 27 Jahren. Der medizinische Befund ergab Hinweise auf ein Nierenversagen. Offensichtlich hatten 25 Jahre, in denen er unter schlechten Bedingungen in Gefangenschaft gelebt hatte, ihre Spuren hinterlassen, doch wenigstens konnte Bene zumindest seinen Lebensabend artgerecht als "Bär" verbringen und genießen.

2010

Ehemaliger Zirkusbär findet neues Zuhause
Ende Oktober 2010 fand das Braunbärmännchen Bene aus Nordfrankreich im Bärenwald ein neues Zuhause. Der 25-jährige Bene verbrachte als ehemaliger Zirkusbär fast sein gesamtes Leben eingepfercht in einem wenige Quadratmeter großen Käfig. In Zusammenarbeit mit der französischen Tierschutzorganisation "Code Animal" gelang es der International Bear Federation und dem Deutschen Tierschutzbund, die Aufnahme sowie den Transport zu organisieren und das Tier damit aus der katastrophalen Haltung zu retten.

Bene entwickelte sich in der Folgezeit sehr gut, sein Gewicht erhöhte sich innerhalb eines Jahres von mageren 120 auf etwa 200kg und mit der Zeit war zu sehen, wie er sich deutlich wohler fühlte und selbstbewusster wurde. Im zweiten Winter hielt er sogar fast zwei Monate Winterruhe in einer selbstgegrabenen Höhle.

2008

Zwei neue Braunbärweibchen ziehen ein
Zwei 16-jährige Braunbärweibchen, die im Tierpark Suhl nicht tiergerecht untergebracht waren, konnten am 19. März 2008 in den Anholter Bärenwald umziehen. Nach achtstündiger Nachtfahrt trafen sie wohl behalten dort ein - und begannen sogleich, das Übergangsgehege zu erkunden, in dem während der Eingewöhnungsphase lebten.

2003

Die offizielle Eröffnung
Nachdem die offizielle Eröffnung des Anholter Bärenwaldes - unter anderem aufgrund der grassierenden Maul- und Klauenseuche - mehrmals verschoben werden musste, konnten wir am 14. Juni 2003 im Beisein der damaligen, für den Tierschutz zuständigen, nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn, offiziell die Eröffnung des Anholter Bärenwaldes feiern.

Weitere Bären können umziehen
Ebenfalls im Jahr 2003 hatte das Veterinäramt Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) den Deutschen Tierschutzbund um Hilfe gebeten. Die Tierhaltungen im Tierpark Geltow  entsprachen nicht den rechtlichen Anforderungen (beispielsweise dem Säugetiergutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus dem Jahr 1996). Der Verschleiß der Anlage war so weit fortgeschritten, dass die sich dadurch verschlechternden Haltungsbedingungen von der Behörde nicht mehr geduldet werden konnten.

Zwar wurden in einigen Tierhaltungen zwischenzeitlich Verbesserungen vorgenommen, ungelöst blieb jedoch die Haltung zweier Braunbärweibchen, deren Alter auf 12 Jahre geschätzt wurde. Sie lebten in einem etwa 60 qm großen Käfig. Diese beiden Bären Pexi und Bensi wurden am 17. Juli 2003 von Geltow nach Anholt transportiert, wo sie am 18. Juli 2003 erstmals in ihrem Leben Erde unter ihren Tatzen spüren konnten.

2000

Einzug der ersten Bären

Am 12. Januar 2000 wurden zunächst die sechs Kragenbären zum Anholter Bärenwald transportiert. Anfang Februar folgten die drei Braunbären. Für den Transport der Bären war es notwendig, die Tiere zuvor zu narkotisieren. Hierbei war ein auf solche Fälle spezialisierter Tierarzt vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin behilflich.

Gute Betreuung
Für die Betreuung der Bären wurde eine Tierpflegerin eingestellt, die seitdem mit großem Engagement das Leben der Bären betreut und bereichert, beispielsweise indem sie das Futter der Bären auf dem Gelände versteckt, damit erst gar keine Langeweile bei den Tieren aufkommt.

Um die Braunbärenhaltung zu bereichern hatte man zunächst versucht, die Tiere gemeinsam mit den im Tierpark vorhandenen Wölfen zu halten. Leider musste dieser Versuch aufgegeben werden. Für die Wölfe wurde daraufhin ein neues großzügiges Gehege gebaut. Braunbären und Wölfe leben jetzt in benachbarten Anlagen.

Gestaltung der neuen Gehege
Mit viel Aufwand, unter Beteiligung von Wildtierexperten wurden ein großes Kragenbärengehege (etwa 15.000 m2) und ein Braunbärengehege (etwa 10.000 m2) errichtet.

Zum Vergleich: das im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums erstellte Gutachten zur Haltung von Säugetieren schreibt für die Haltung von ein bis zwei Bären lediglich eine Fläche von 150 m2 vor.

In den neuen Gehegen haben die Bären ausreichend Platz, um ihrem Spiel- und Erkundungsverhalten nachzukommen. Jeder Bär hat eine eigene Schlafbox und Bäume zum Klettern. Vor allem die Kragenbären nutzen diese Möglichkeit ausgiebig. Hügel als Aussichtsplattformen, Teiche zum baden und Höhlen als Rückzugsmöglichkeiten runden die Gehege ab.

1999

Bären in Betongräben in der „Schlitzerländer Tierfreiheit“.
Bären in Betongräben in der „Schlitzerländer Tierfreiheit“.

Rettung aus schlechter Haltung

In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner, der International Bear Federation (IBF), konnten wir 1999 die Verantwortung für drei Braunbären und sechs Kragenbären aus einem hessischen Tierpark übernehmen und die Bären damit vor der drohenden Einschläferung bewahren.

Bis zur Vertragsunterzeichnung waren die Bären in der „Schlitzerländer Tierfreiheit“, einem kleinen privat geführten Tierpark in Hessen (Kreis Vogelsberg), untergebracht. Die dortige Haltung und unkontrollierte Zucht von Großbären wurde von Tierschützern seit Jahren kritisiert. Zu zweit oder dritt waren die Bären in einem Betongraben von etwa 40 m² untergebracht. Lediglich einige gestapelte Baumstämme sollten ihnen zur Beschäftigung dienen. Es gab keinen Unterstand, der sie vor Regen geschützt hätte. Gefüttert wurden die Tiere offenbar nur sporadisch - je nach Finanzlage der Tierparkbetreiberin. Bis zu 29 Jahren hatten die Braunbären unter diesen Bedingungen ausgeharrt. Die Tiere waren abgemagert und zeigten deutliche Verhaltensauffälligkeiten. Keines der Tiere hat jemals die Freiheit gesehen. Ende 1998 meldete der Tierpark Konkurs an.

Das zuständige Veterinäramt entschied 1999 die Bären einzuschläfern, um den Tieren weitere Leiden zu ersparen. Kurze Zeit später erfuhr die IBF von diesem Vorgang. Aufgrund einer unverzüglich eingeleiteten organisierten Hilfsaktion zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund konnte die Einschläferung sprichwörtlich in letzter Minute verhindert werden, denn der Tierarzt, der die Einschläferung vornehmen sollte, war bereits vor Ort.

Die Betreiberin des Tierparks übergab auf Druck des Veterinäramtes schließlich die Bären in die Obhut der IBF, die sich gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund vertraglich verpflichtet hat, für das Wohl der Tiere aufzukommen.

Erstversorgung mit großem Aufwand
Die Tierschützer begannen mit der Versorgung der Tiere. Helfer reinigten die Betonverliese, besorgten Stroh und konstruierten Höhlen, damit sich die Bären zurückziehen konnten. Ab sofort wurden die Bären auch regelmäßig gefüttert. Sie brauchten riesige Rationen, um wieder aufgepäppelt zu werden.

Unerwarteter Nachwuchs
Wenige Tage nach dem Start der Rettungsaktion verweigerte die Kragenbärdame das Futter. Sie schien apathisch und die Bärenfreunde waren besorgt. Der herbeigerufene Tierarzt konnte sie jedoch rasch beruhigen: Und kurze Zeit später waren es nicht mehr sieben, sondern neun Bären, die versorgt werden mussten. Serenus und Charlottus waren geboren.

Suche nach einer neuen Bleibe
Auf der Suche nach einer besseren Unterbringungsmöglichkeit für die Bären kamen der Deutsche Tierschutzbund und die IBF - nach zähen Verhandlungen mit verschiedenen Einrichtungen - in Kontakt mit Carl-Phillipp Fürst zu Salm-Salm.

Der Fürst betreibt am Niederrhein nicht weit von Emmerich den "Biotopwildpark Anholter Schweiz". Als er von der Leidensgeschichte der Bären erfuhr, war er sofort bereit, ein 2,5 Hektar großes Waldgelände innerhalb des Biotopwildparkes zur Verfügung zu stellen: In dem teilweise über 150 Jahre alten Baumbestand haben die Bären nun ein neues Zuhause gefunden.