Pressemeldung

Sachsen-Anhalt: Verschärftes Hundegesetz tritt in Kraft Deutscher Tierschutzbund kritisiert Festhalten an veralteter Rasseliste

In Sachsen-Anhalt tritt heute das überarbeitete Gesetz zur Vorsorge gegen die von Hunden ausgehenden Gefahren, kurz Hundegesetz, in Kraft. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass das Land weiter an der Rasseliste festhält, obwohl weder statistische Erhebungen noch wissenschaftliche Studien eine pauschale Sonderbehandlung dieser Hunderassen begründen. Da aggressives Verhalten vielmehr durch Haltung und Umgang bedingt wird, würde ein verpflichtender Sachkundenachweis, wie ihn die Tierschützer fordern, viel eher der Gefahrenprävention dienen. Die Verschärfung des Hundegesetzes in Sachsen-Anhalt legt zusätzlich zu den üblichen Sonderregelungen für die dort aufgeführten Rassen und deren Kreuzungen ein Zucht- und Handelsverbot fest. Betroffen sind die Rassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull, Bullterrier und Pittbull. Die Tierschützer befürchten, dass durch Beschlagnahmungen und Abgaben zunehmend mehr „Listenhunde“ in den Tierheimen landen und deren Einschätzung als „Gefahrhund“ die Vermittlung erheblich erschwert.

„Dass die bestehenden Sonderregelungen für Hunde bestimmter Rassezugehörigkeit wider besseres Wissen fortbestehen, ist kaum zu glauben. Bedauerlich, dass Sachsen-Anhalt bei der Überarbeitung nicht Niedersachsen und Schleswig-Holstein zum Vorbild genommen hat. Nun zusätzlich auch das Züchten und den Handel mit bestimmten Rassen zu verbieten, ist ein Skandal“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Erneut nimmt Sachsen-Anhalt eine unbegründete, willkürliche Einstufung vor - allein aufgrund einer Annahme, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht gerechtfertigt ist. Die Leidtragenden sind in dem Fall sowohl die Hunde als auch die Tierheime, die die Folgen der Gesetzgebung zu ertragen haben. Denn wer, wenn nicht die Tierheime werden zur Aufnahme und Versorgung dieser Hunde herangezogen.“

Tierheime in Bedrängnis

Die Einstufung der Tiere als gefährlich allein auf deren äußeren Erscheinungsbild hat Folgen für die betreffenden Hunde, für ihre Halter und für die Tierheime. Aufgrund des Hundegesetzes landeten viele der betroffenen Hunde im Tierheim, sei es weil dies behördlich angeordnet wurde oder der Halter sie dort selbst wegen der erschwerten Haltungsbedingungen abgab. In Sachsen-Anhalt werden die Tierschutzvereine und Tierheime durch die zusätzliche Verschärfung des Gesetzes in noch schwerere Bedrängnis geraten. In Zukunft wird es für die vielen betroffenen, meist freundlichen und völlig harmlosen Hunde noch weniger Chancen auf eine Vermittlung in ein neues Zuhause geben. Im Schlimmsten Fall müssen die Tierheime die Hunde bis zu ihrem Lebensende betreuen und die für die Haltung anfallenden Kosten tragen.

Rasselisten wissenschaftlich nicht haltbar

Belege dafür, dass von bestimmten Hunderassen eine erhöhte Gefahr ausgeht, gibt es nicht. Stattdessen zeigen wissenschaftliche Studien, dass im Einzelfall über die Gefährlichkeit eines Tiers entschieden werden muss. Dass durch die Einführung von Rasselisten weniger Beißvorfälle zu verzeichnen sind, ist ebenfalls statistisch nicht belegt. Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben sich bereits am aktuellen Wissensstand orientiert und ihre Rasselisten wieder abgeschafft hatten. Statt an der Rasse, liegt es an der Aufzucht, der Haltung und dem Umgang, ob ein Tier aggressiv wird oder nicht.