Pressemeldung

Bundesrat entscheidet über Wildtierverbot im Zirkus

Der Deutsche Tierschutzbund fordert den Bundesrat auf, sich heute klar für ein Verbot bestimmter wildlebender Tierarten im Zirkus auszusprechen. Das Land Hessen hatte den Antrag für ein Wildtierverbot erneut eingebracht. Zwei frühere Anläufe, in den Jahren 2003 und 2011, die ebenso eine deutliche Mehrheit erzielt hatten, waren an der Bundesregierung gescheitert. Die Tierschützer appellieren an die Bundesregierung, endlich zu handeln. Deutschland hinkt anderen EU-Ländern hinsichtlich eines Wildtierverbots im Zirkus weiterhin hinterher; eine tiergerechte Unterbringung ist in einem reisenden Unternehmen nicht zu realisieren; die Darbietung von tierischen „Kunststücken“ nicht mehr zeitgemäß, erklärt der Verband.

„Wir gehen davon aus, dass der Bundesrat zustimmt. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, endlich zu handeln, die Tierqual unter der Zirkuskuppel muss beendet werden“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Eine klare, parteiübergreifende Mehrheit der Länder und der Bürger muss auch eine Bundesregierung zur Einsicht bringen. Herr Schmidt, tun Sie endlich was gegen das Leid der Zirkustiere!“

Nach der Zustimmung zum hessischen Antrag, der zunächst ein Verbot von Affen, Großbären, Elefanten, Nashörnern, Flusspferden und Giraffen vorsieht, hätte die Bundesregierung sechs Wochen Zeit, eine Stellungnahme zu erarbeiten und das vom Bundesrat geforderte Verbot zu erklären.

Haltung und Dressur im Zirkus nicht tiergerecht
Die Einschränkungen, denen die Tiere im Zirkus ausgesetzt sind, sind gravierend. Sie leben unter ständigen Transportbedingungen, für ihre Haltung gibt es keine konkreten rechtlichen Vorgaben. Die nicht rechtsverbindlichen „Zirkusleitlinien“ stellen nur minimalste Anforderungen und selbst diese können in einem reisenden Unternehmen, bei ständigem Wechsel des zuständigen Veterinäramts, nicht greifen. Die Bundesregierung bestätigte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Jahr 2014, dass Amtstierärzte bei etwa der Hälfte ihrer Kontrollen Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen aufgedeckt haben. Auch die Dressur der Zirkustiere beruht in vielen Fällen auf Zwang und Gewalt und keineswegs auf einem engen Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier, wie von Zirkussen und ihren Befürwortern behauptet wird. „Tradition hin oder her – Zirkusse sind in dieser Form nicht mehr zeitgemäß. Ein Zirkus ohne Tiere kann auch begeistern“, sagt Schröder.

Bei der heutigen Entscheidung zeigte der Deutsche Tierschutzbund vor dem Bundesrat Präsenz und forderte die Mitglieder des Plenums auf, im Sinne des Tierschutzes zu entscheiden.