Tierversuche für Biozide

Schädlingsbekämpfungsmittel, in der Fachsprache als Biozide bezeichnet, sollen auf chemischem oder biologischem Wege „Schadorganismen" abschrecken oder töten. Die bekämpften Organismen reichen von Bakterien, Schimmelpilzen oder Insekten bis hin zu Wirbeltieren wie Mäusen oder Vögeln. Schädigungen von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, Baumaterialien und anderen Produkten sollen damit verhindert werden.

Was den meisten Verbrauchern nicht bewusst ist: Biozide haben oft sehr gefährliche Eigenschaften oder sind stark giftig. Ihr Einsatz ist eine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt. Darum sind vor der Zulassung solcher Stoffe und Produkte Tests zur Risikobewertung gesetzlich vorgeschrieben.

Sicherheit auf Kosten der Tiere?

Neugierige weiße Labor-Ratte.

Die im September 2013 in Kraft getretene EU-Biozid-Verordnung 528/2012/EU regelt, dass Biozide grundsätzlich erst in den Handel gelangen dürfen, wenn die möglichen Risiken für Mensch und Umwelt durch Giftigkeitsprüfungen ausgeschlossen wurden und eine behördliche Zulassung vorliegt. Die leider auch in der EU-Biozid-Verordnung immer noch vorgeschriebenen Giftigkeitsprüfungen an Tieren gehören zu den grausamsten Tierversuchen, da die Tiere den giftigen Stoffen direkt ausgesetzt werden, um die Wirkung zu beobachten und oftmals der Tod der sogenannten „Schädlinge“ die gewünschte Wirkung ist.

Weil diese Stoffe so gefährlich sind, sollen die Tests an Tieren auch dazu dienen, mögliche Gefahren für den Menschen abzuschätzen. Dabei lassen sich die Testergebnisse meist gar nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Bislang mussten bis zu 6.000 Tiere für Tests mit Wirkstoffen und fertigen Biozid-Produkten ihr Leben lassen. 

Mehr Verbraucherschutz, weniger Tierleid

Aus Sicht des Tierschutzes muss die Sicherheit und die Wirkung von Bioziden ohne Tierleid festgestellt werden. Darum setzte sich der Deutsche Tierschutzbund bei den politischen Verhandlungen auf nationaler und auf EU-Ebene zusammen mit seiner europäischen Dachorganisation Eurogroup for Animals dafür ein, dass die Datenanforderungen auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht werden und Tierversuche im Rahmen der Verordnung nur als ein letztes Mittel eingesetzt werden dürfen.

Als fantastischer Erfolg für die Tiere ist daher zu werten, dass durch unseren intensiven Einsatz die Anzahl der Tiere um bis zu 40 Prozent reduziert wurde und viele der Tests an Tieren durch moderne und zuverlässigere tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden konnten. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass letztendlich alle noch vorgeschriebenen Tierversuche in der Verordnung durch tierversuchsfreie Tests ersetzt werden.