Stierkampf

Spanien

Toreros mit einem Stier in der Arena. Copyright: Herbert Uniewski
© Herbert Uniewski

Das Töten eines Stieres in der Arena mit dem Todesstoß ist bis heute in Spanien erlaubt. Mehrere hundert Stiere sterben hier jedes Jahr. Aber nicht nur in den Arenen, sondern auch in den Übungsanstalten für Toreros finden viele dieser Tiere einen grausamen Tod. 2007 hatten EU-Parlamentarier eine schriftliche Erklärung zu einem EU-weiten Verbot von Stierkämpfen vorgelegt. Leider fanden sich damals nicht genügend Unterstützer im Parlament.

Im November 2013 hat Spanien den Stierkampf zum immateriellen Kulturgut erklärt und damit gesetzlich unter Schutz gestellt. Und das obwohl die Mehrheit der spanischen Bevölkerung nicht dahinter steht – nur ca. 14 Prozent befürworten das sinnlose Gemetzel. Das Gesetz sieht auch Maßnahmen zur staatlichen Förderung des Stierkampfes vor. Gegner, die gegen das Kulturgut aktiv werden, können mit Bußgeldern belegt werden.

Damit sind dem tierquälerischen Treiben national keinerlei Grenzen mehr zu setzen. Besucher Spaniens bitten wir deshalb dringend darum, solche Spektakel zu boykottieren. Außerdem können Sie bei der Spanischen Botschaft in Berlin protestieren:

Presse und Informationsamt der Botschaft von Spanien
Lichtensteinallee 1
10787 Berlin
Tel.: 030 254 007 215
Fax: 030 254 007 216

Einen großen Erfolg für den Tierschutz haben dagegen Stierkampfgegner in Katalonien erzielt. 2012 ist hier ein Stierkampfverbot in Kraft getreten. Dem vorausgegangen war ein Volksbegehren, das die Tierschützer 2009 mit 180.000 Unterschriften einleiten konnten. Auch in San Sebastián werden vorerst keine Kämpfe mehr stattfinden. Der Bürgermeister der baskischen Küstenstadt kündigte im August 2012 an, die städtische Arena nicht mehr an Unternehmen zu vermieten, die Stierkämpfe veranstalten.

Toreros mit einem Stier in der Arena. Copyright: Herbert Uniewski
© Herbert Uniewski

Andere Länder

Auch in Frankreich ist der Stierkampf seit April 2011 Teil der Liste des nationalen immateriellen Kulturgutes. Die "Union des Villes Taurines Françaises" (UVTF) – ein Zusammenschluss von 46 südfranzösischen Städten, in denen regelmäßig Stierkämpfe organisiert werden – hat damit ihren Willen durchgesetzt und ein Verbot solcher Veranstaltungen verhindert. Inwieweit eine Bewerbung bei der Weltkulturorganisation Unesco noch folgt, ist noch nicht bekannt, wird aber weiterhin von uns beobachtet.

Auch in Portugal, Mexiko und Brasilien werden tödliche Stierkämpfe durchgeführt. Bei einer "Novillada" beispielsweise kämpfen jüngere Toreros gegen Jungstiere. In Mexiko gibt es als perverse Steigerung den Baby-Stierkampf. Baby-Stiere werden in kleine Arenen geführt und dort von den Zuschauern zu Tode gestochen. In Portugal war der für den Stier tödliche Teil des Kampfes seit 1928 verboten. Im August 2002 wurde das Verbot für Barrancos, eine Stadt an der spanischen Grenze, wieder aufgehoben.

Auch "unblutige" Stierkämpfe sind Tierquälerei

In Südfrankreich werden abgesehen von den blutigen auch „unblutige" Stierkämpfe ausgetragen. Dabei werden sechs oder acht Stiere nacheinander von sechs Toreros gemeinsam in der Arena von einer Seite zur anderen gejagt. Zwischen den Hörnern trägt der Stier ein Band, an dem eine Rosette befestigt ist. Diese gilt es mit Widerhaken abzureißen. Stürzt der Stier auf einen Torero zu, rettet sich dieser auf die Bande. Der Stier prallt dann gegen die innere Bande und kann sich dabei schwere Verletzungen zuziehen.

Nach einiger Zeit ist der Stier völlig erschöpft und zittert am ganzen Körper. Spätestens nach 15-minütiger Hetzerei öffnet sich ein Tor und der Stier kann die Arena verlassen. Die Stiere werden wiederholt eingesetzt und müssen mehrmals die Torturen des "unblutigen Kampfes" durchstehen.

Auch in vielen US-Bundesstaaten sind "unblutige" Stierkämpfe legal. Die Tiere werden aber meist unmittelbar nach dem Kampf getötet.