Tiertransporte

Schweinetransport. © Jens Wolters
© Jens Wolters

Auf deutschen und europäischen Straßen ist es immer noch die Regel, dass landwirtschaftlich genutzte Tiere in ihrem ohnehin sehr kurzen Leben mehrfach den Torturen eines Tiertransportes ausgesetzt werden, quer durch Europa und sogar weit über dessen Grenzen hinaus. Mehr als 188 Millionen Tiere werden jährlich allein durch Deutschland transportiert. 37 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde und nahezu 1 Billion Hühner, Puten, Enten und Gänse werden jedes Jahr auf Langstreckentransporten zwischen der EU und Drittländern gehandelt.

Wird ein Kalb zum Beispiel in Bayern geboren, kann es zum Mästen nach Niedersachsen und von dort aus zum Schlachten nach Nordrhein-Westfalen verbracht werden. Das Verfahren gibt es europaweit - dann werden Tiere beispielsweise in Dänemark geboren, in Deutschland gemästet, um schließlich in Italien geschlachtet zu werden. Darüber hinaus floriert der Handel mit wertvollen Zuchttieren zwischen europäischen Ländern und Drittländern, die Exporte dieser Tiere haben sich in den letzten Jahren drastisch erhöht. Die Tiere sind oft tagelang unterwegs, mitunter sogar Wochen, denn es gibt streng genommen keine zeitliche Begrenzung für die Transporte. 

Auf Kosten der Tiere

Dieses System funktioniert nur auf Kosten der Tiere: Die Tiere leiden unter der unerträglichen Enge in den Transportern, unter oft drückender Hitze oder Kälte, quälendem Durst und verletzungsbedingten Schmerzen. Hinzu kommt, dass Ruhe- oder Melkzeiten unzureichend oder überhaupt nicht eingehalten werden und auch trächtige Tiere den gleichen Rahmenbedingungen ausgesetzt werden. Kommen sie nach Tagen am Zielort an, sind sie meist völlig entkräftet und viele brechen vor Erschöpfung zusammen. 

Weitere Tierschutzprobleme auf den Transportern sind beispielsweise fehlende oder defekte Tränken, regelmäßige Überschreitungen der Ladedichte oder der Transport von eigentlich transportunfähigen Tieren. Besonders problematisch sind Transporte in Länder außerhalb der EU, denn dort gelten andere Gesetze, bei denen das Wohlbefinden der Tiere bei der Haltung, dem Transport und der Schlachtung mitunter noch weniger Beachtung findet. Immerhin hat der Europäische Gerichtshof mittlerweile beschlossen, dass bestimmte Anforderungen an den Transport, so wie das Füttern und Tränken oder Beförderungs,-und Ruhezeiten auch für Teilstrecken außerhalb der EU gelten.

Doppelstöckige Transporte von Rindern

Doppelstöckiger Transporter. © Jens Wolters
© Jens Wolters

Um möglichst viele Tiere auf einmal zu transportieren, werden Rinder häufig in Lastwagen mit zwei übereinander liegenden Ebenen geladen. Es ist aber fast unmöglich, Rinder in einem doppelstöckigen LKW von vier Metern zulässiger Maximalhöhe zu transportieren, ohne dass sie sich verletzen. Die Decke ist so niedrig, dass Rinder leicht mit Kopf oder Rücken an die Decke stoßen. Sie können nicht natürlich stehen, sind den Fahrtbewegungen hilflos ausgeliefert und die Luft zirkuliert nur unzureichend, was Stress, Hitze und Durst zusätzlich fördert. Da es im Rahmen der gültigen Verordnung liegt, dass Rinder über 29 Stunden auf einem Transporter verbleiben können, bevor sie zum ersten Mal abgeladen werden, leiden sie über weite Strecken unter diesen Bedingungen.

Rechtliche Lage

2007 ist eine europäische Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport in Kraft getreten. Sie stellt jedoch nur einen Kompromiss dar, da sich die Mitgliedsstaaten aufgrund  ihrer unterschiedlichen Ansichten über die spezifische Umsetzung der Verordnung nicht einigen konnten. Entsprechend lasch sind die Vorschriften: Die Transportzeiten sind viel zu lang, das Platzangebot für die Tiere zu gering und auf die klimatischen Ansprüche der Tiere wird keine Rücksicht genommen.

Diese Probleme sind bekannt und eine Nachbesserung der Verordnung wurde über Jahre hinweg angekündigt. Zusätzlich enthält die Verordnung zahlreiche undefinierte Begriffe, die unterschiedlich interpretiert werden können und somit eine einheitliche Vorgehensweise und Sanktionierung von Verstößen erschwert ist. Darüber hinaus wird zu wenig kontrolliert oder die Amtsveterinäre können bei Verstößen nicht mit direkten Strafen reagieren.

Stellungnahme an die EU-Kommission

Im Dezember 2014 hat Deutschland gemeinsam mit den Ländern Dänemark und den Niederlanden eine Stellungnahme zur Verbesserung des Tierschutzes beim Transport an die Europäische Kommission herangetragen. Mit dieser Erklärung setzen sich die drei Länder unter anderem dafür ein, den Schlachttiertransport europaweit grundsätzlich auf acht Stunden zu beschränken. Wir begrüßen diesen Schritt, da eine Überarbeitung der Tierschutztransportverordnung die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben verbessern könnte und auch die geltenden Vorschriften durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aktualisiert würden. 

Wir setzen uns weiterhin für eine Verbesserung der Transportbedingungen für Tiere ein und fordern unter anderem eine Begrenzung der Transportzeiten auf maximal vier Stunden bei nationalen Transporten, international auf höchstens acht Stunden. Darüber hinaus sollten Schlachttiere generell nur zum nächstgelegenen Schlachthof transportiert werden. Langfristig sollten statt lebender Tiere gekühltes Fleisch und Reproduktionsmaterial transportiert werden!