Straußenhaltung

Strauße auf einer Straußenfarm.

Seit Anfang der 1990er Jahre werden in Deutschland Strauße zur Fleischerzeugung gehalten. Viele Verbraucher kaufen Straußenfleisch, weil sie neugierig sind und etwas Exotisches essen möchten. Andere glauben, es stamme von Tieren, die frei umherlaufen durften und nicht in einer tierquälerischen Massentierhaltung gehalten wurden. Aus Tierschutzsicht stellt sich jedoch die Frage, ob es überhaupt notwendig ist, Wildtiere in Deutschland zur Fleischerzeugung zu halten und ob es möglich ist, die arttypischen Bedürfnisse dieser exotischen Tiere in unseren Breiten zu erfüllen. Es gibt zur Straußenhaltung keine gesetzlichen Vorschriften, sondern lediglich Haltungsempfehlungen.

Strauße sind Laufvögel der afrikanischen Savannen und können eine Geschwindigkeit von 70 km/h erreichen. Einen Großteil des Tages verbringen sie mit Futtersuche und -aufnahme, wobei sie sich täglich in einem Gebiet mit einem Radius von ca. 20 Kilometern fortbewegen. Als ausgesprochene Fluchttiere entziehen sie sich Gefahrensituationen, indem sie schnell davonlaufen. Dieses, oft panische, Fluchtverhalten, tritt auch bei Straußen auf, die in Gefangenschaft geboren wurden. Strauße sind Wildtiere. Sie sind nicht domestiziert und auch wenn sie sich an den Menschen gewöhnen können, sind sie keine Haustiere.

Das arttypische Fluchtverhalten und das ausgeprägte Bewegungsbedürfnis kann in einem eingezäunten Gehege schnell zu Verletzungen führen. Auch wird ein Gehege nie so groß sein können wie es das Bewegungsbedürfnis der Strauße verlangt. Stress entsteht zusätzlich, wenn die Strauße eingefangen werden müssen, z. B. für tiermedizinische Behandlungen oder Transporte.

Problematik der Haltung

Ein anderer Faktor, der gegen die nutztierartige Haltung von Straußen in Deutschland spricht, sind die klimatischen Bedingungen. Als Bewohner der afrikanischen Tropen und Subtropen ist der Strauß an das kalte und nasse Winterwetter in Deutschland mit Regen, Schnee, Kälte und Glatteis nicht angepasst. Eine Stallhaltung im Winter ist aber mit dem Bewegungsdrang der Tiere nicht zu vereinbaren.

Besonders problematisch wird die Haltung von Straußen, wenn die Freilandhaltung untersagt wird, wie es z. B. beim Ausbruch der Vogelgrippe der Fall war, und die Tiere wochen- bis monatelang im Stall eingesperrt werden mussten. Hier ist eine tiergerechte Haltung unmöglich und tierschutzrelevante Probleme treten auf.

Aufgrund des hohen Ammoniakgeruchs im Stall erleiden die Tiere Schäden an den Atmungsorganen und an den Augen. Die Beschäftigungslosigkeit fördert die Entstehung von Verhaltensstörungen wie Federpicken, bei dem die Tiere die Federn von Artgenossen herausreißen und ihnen Wunden zufügen. Auch das Knochengerüst der Tiere leidet in der Stallhaltung. Der Bewegungsmangel und fehlendes UV-Licht führen zu Knochenschwäche, die wiederum Knochenbrüche begünstigt. Nicht zuletzt sind Strauße als Lauftiere mit einem hohen Bewegungsdrang und ausgeprägtem Fluchtverhalten für eine Stallhaltung nicht geeignet. Eine tiergerechte Haltung ist nicht möglich. Dies zeigt sich auch an der hohen Sterblichkeitsrate von Jungvögeln: bis zu 30 Prozent sterben bei der Aufzucht.

Tierschutzgerechte Straußenhaltung nicht möglich

Auch wenn einige Straußenhalter versuchen, ihren Tieren gerecht zu werden, vertritt der Deutsche Tierschutzbund die Ansicht, dass eine tierschutzgerechte Straußenhaltung in Deutschland zum gegenwärtigen Zeitpunkt und unter den gegebenen Bedingungen nicht gewährleistet ist.

Aus tierschutzethischer Sicht ist die nutztierartige Haltung von Wildtieren generell abzulehnen. Zudem besteht keine wirtschaftliche Notwendigkeit, diese Tiere alternativ zu Hühnern, Schweinen und Rindern als Schlachttiere zu halten.

Weiterhin ist zu befürchten, dass eine Etablierung von Straußenfleich auf dem Markt zu einer Intensivierung der Haltung führen könnte und sich damit negativ auf die Haltungsbedingungen und das Wohlbefinden der Tiere auswirken würde.

Der Deutscher Tierschutzbund lehnt aus den oben genannten Gründen die Haltung von Straußen als Nutztier ab.